Gespräche mit Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt

Bergbauern hoffen auf Hilfe

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Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (Bildmitte) informierte sich im Gespräch mit (von links) Dr. Michael Honisch (Alpwirtschaftlicher Verein), den Alpbesitzer Hans und Eva Endreß, Bergbauern-Präsident Alfons Zeller, und (von rechts) Franz Hage (Alpwirtschaftlicher Verein) und Georg Mayr (Almwirtschaftsverein Oberbayern) sowie dem Landtagsabgeordneten Eric Beißwenger über aktuelle Sorgen der Bergbauern.

Oberallgäu – Wo drückt die Bergbauern im Allgäu der Schuh? Das wollte Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt bei seinem Besuch im Gunzesrieder Tal wissen. Beim „Bergbauerngipfel“ diskutierte der Bundesminister mit Bergbauern über die „Feinheiten“ der Landwirtschaft in der Bergregion.

Bergbauern-Gipfel in Gunzesried im Oberallgäu. Auf Einladung der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen kam Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt auf die Alpe Gerstenbrändle im Gunzesrieder Tal, um sich mit Verbandsvertretern und Bergbauern aus Oberbayern und dem Allgäu auszutauschen und die Rolle der Berglandwirtschaft in der zukünftigen gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union zu definieren.

Fazit: Ohne die Leistungen der Bergbauern ist die Kulturlandschaft im Alpenraum nicht zu halten. Bergbauern brauchten passende Förderprogramme und gesellschaftliche Anerkennung genauso wie Schutz vor „neuen Bedrohungen“ wie etwa dem Wolf.

Recht plakativ brachte der Präsident der Bayerischen Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen, Alfons Zeller, seine Einschätzung auf den Punkt: „Bayern ohne Bergbauern, ohne Kuh auf der Weide, ist nicht mehr Bayern. Bayern wird geprägt von der Berglandwirtschaft. Dafür kämpfen wir!“ Und Zeller wies auf eine ganze Reihe von Schauplätzen hin, wo es gelte, für die Berglandwirtschaft zu kämpfen: Förderung der Talbetriebe, Tierwohl, Anbindehaltung, Dünge-Verordnung, Dauergrünland, Raubtiere... „Aufgaben gibt es genug.“

Praktikerbeirat

Zumindest bei der Dünge-Verordnung sei man nach langem Hin und Her und mit großen Engagement etwa des Schwäbischen Bezirksvorsitzenden des Bayerischen Bauernverbandes, Alfred Enderle, zu eine brauchbaren Lösung gekommen, so Bundes-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt. Hanglagen, also das „Tagesgeschäft“ der Berglandwirtschaft, waren zunächst nicht berücksichtigt. Die Technik der Ausbringung sei in diesem speziellen Fall genauso wesentlich, wie das Gelände vor Ort.

Dennoch: es dürfe gerade in der Landwirtschaft nicht alles ausschließlich an den Umweltkriterien festgemacht werden. Man müsse gleichberechtigt auch die Wirtschaftlichkeit sehen. Düngung sei ja zunächst einmal die Nährstoffversorgung von Pflanzen und dürfe nicht sofort als Umweltbelastung gesehen werden. „Ob künftige Generationen die Landbewirtschaftung so wie wir sie kennen, fortsetzen, steht auf einem anderen Blatt“, meint der Minister weiter.

Schimpfen über die EU-Agrarkommission sei zu einfach, so Schmidt: „Wir haben in der Auseinandersetzung einiges dazugelernt.“ So habe er für das Bundeslandwirtschaftsministerium einen Praktikerbeirat bestellt, der künftig beratend mitwirken werde. „Ich will nicht, dass die Bewirtschaftung in Frage gestellt wird. Es geht um den Erhalt der Kulturlandschaft.“ Dazu gehöre auch Dauergrünland, und das brauche Pflege – auch durch Beweidung. Dem werde man bei den Verhandlungen über die zukünftige Agrarpolitik der EU Rechnung tragen müssen.

Verweigerungshaltung

Ein ganz spezielles Problem der Alpwirtschaft gibt es im Grenzgebiet Bayern / Tirol. Die Republik Österreich verweigert bayerischen Bergbauern, die Alpflächen in Tirol bewirtschaften, die – deutlich höhere – Flächenprämie entsprechend der bayerischen Regelungen. Die Pfrontener Rechtler, so der ehemalige Vorsitzende, Bernhard Mayer, würden auf diese Weise um viel Geld gebracht: Er überschlägt den Verlust auf rund 120 000 Euro pro Jahr durch diese Förderungsverweigerung. Die Stimmung sei denkbar schlecht bei seinen Kollegen. „Da kann es einem verleiden... Bundes-Landwirtschaftsminister Schmidt räumt ein, dass es zu diesem alten Streit „schöne Gespräche“ gegeben habe, aber passiert sei nichts. „Da müssen wir uns was überlegen.“ Und Franz Hage vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu AVA fordert: „Man soll endlich Nägel mit Köpfen machen. Es muss jetzt einer hinstehen und sagen: so wird‘s gemacht.“

Wolf? Nein danke!

Rückendeckung und Unterstützung erwarten die Bergbauern vom Ministerium auch beim heißen Eisen „Comeback des Wolfes“. Bergbauern-Präsident Zeller: „Wolf und Alpwirtschaft zusammen, das geht nicht.“ Aufwändige Einzäunungen für Rinder- und Schafherden seien im Berggebiet in der Regel nicht machbar. Und Herdenschutz durch spezielle Hunde sei kaum praktikabel in einer Tourismusregion wie dem Allgäu. „Alle tun, als wäre der Wolf so lieb...“, sagt Zeller. Erfahrungen in anderen Regionen sprächen da eine ganz andere Sprache. Auch Georg Mayr vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern sieht das so: „Weidewirtschaft verträgt keine Wolfsrudel.“ Seine Befürchtung macht er mit dem Vers deutlich: „Ist der Wolf erst einmal da, ist‘s mit der Weidewirtschaft gar!“ Bundesminister Schmidt musste allerdings einräumen, dass er und sein Ministerium für den Wolf eigentlich nicht der richtige Ansprechpartner sei: „Ich bin nicht für den Wolf zuständig, sondern für die Schafe.“ Der Interessenkonflikt von Artenschutz und Kulturlandschaft sei ihm sehr wohl bewusst.

Nicht als „Forderungen“ seien die vorgebrachten Themen und Anregungen zu betrachten, schloss Bergbauern-Präsident Zeller das Gipfelgespräch mit Bundesminister Christian Schmidt. Man müsse vielmehr miteinander reden und zusammenarbeiten, um etwas voran zu bringen.

Josef Gutsmiedl

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