Ausgezeichneter Jahrgang

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Franz Hage (links) vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu präsentierte bei der Siegerehrung die Goldmedaillen-Gewinner des „Jahrgangs 2014“. Die beiden Siegerpreise des Bergkäseausstichs 2015 gingen an Imelda Steurer und Georg Brutscher (vorne in der Mitte).

Oberstdorf - Bereits zum 58. Mal hatte der Alpwirtschaftliche Verein im Allgäu die Erzeuger von Berg- und Alpkäse eingeladen, ihre Produktion des Alpsommers 2014 auf den Prüfstand zu stellen. Insgesamt wurden 42 Berg- und Alpkäse vorgestellt. Die Siegerpreise gingen bei der Kategorie Bergkäse an Georg Brutscher von der Alpe Eschbach bei Oberstdorf; den Spitzenreiter der Alpkäse hob Imelda Steurer von der Höfle Alpe bei Balderschwang aus dem Käsekessel.

„Die Qualität kann sich sehen lassen!“ brachte Dr. Michael Honisch, Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA, das Ergebnis des 58. Bergkäseausstichs auf den Punkt. Der Allgäuer Berg- und Sennalpkäse habe einen ausgezeichneten Ruf und stehe beispielhaft für ein gesundes, naturnahes Produkt. Mit Blick auf die aufwendige Prüfungsprozedur meinte Honisch aber auch: „Letztlich entscheidet der Geschmack.“

Der Geschmack ist allerdings nur eines von fünf Kriterien, die die Jury bei dem vorgestellten Alp- und Bergkäse untersucht. Dabei geht es um das Äußere genauso wie um das Innenleben der Laibe, die mindestens ein halbes Jahr alt sein müssen. Löcher soll er haben, aber nicht zu viele; Risse oder Verfärbungen bringen Abzüge. Geruch und Geschmack sind zwar in der Tat meist Geschmackssache, werden aber anhand des anerkannten Schemas der DLG ebenfalls akribisch bewertet: Ist der Kandidat etwa bitter? Oder hat er doch eine feinen nussigen Note? Meinungsverschiedenheiten werden diskutiert und schließlich vergibt die Prüfergruppe eine Note. 50 Käse zu prüfen und sich auf der Zunge zergehen zu lassen, das sei schon eine ordentliche Arbeit, fasst Dr. Richard Ellner von der Landesanstalt für Landwirtschaft, den mehrstündigen Käse-Marathon zusammen. Jedes Jurymitglied verkostete eine 20-Gramm-Probe von jedem Käse. Da habe man dann zum Schluss „eine ordentliche Grundlage“. Ellner spricht bei den aktuellen Jahrgang aus dem Alpsommer 2014 von „hoher Qualität“ und versichert er nach langjähriger Erfahrung: „Es wird von Jahr zu Jahr besser.“ Die Prüfung habe ihm viel Freude gemacht, so Ellner weiter. Man müsse beachten, dass hier ausschließlich Rohmilchkäse präsentiert würden. „Und Rohmilchkäsen ist eine Kunst.“

Diesen erfreulichen Trend bei der Qualität führt AVA-Geschäftsführer Honisch nicht zuletzt auf den Wettbewerb des Käseausstichs zurück, den der Verein seit 1958 durchführt. Dabei habe jede Sennalpe ihre ganz eigenen Rahmenbedingungen. „Keine Alpe ist wie die andere. Kein Käse ist wie der andere“, weiß Honisch. Die Höhenlage wirke sich aus, die von Alpe zu Alpe unterschiedliche Einrichtung, das Futter und natürlich auch das Wetter. „Und ein glückliches Händchen gehört halt auch dazu.“ Darum dürfe man die Klassifizierung nach Gold-, Silber- oder Bronzemedaillen nicht zur Kardinalfrage machen. „Auch Bronze ist ein stolzer Preis!“ Und jeder Älpler, der am Bergkäseausstich teilnehme, könne zu Recht stolz sein auf seine Arbeit. Wer mitmache, so Honisch, sei immer unter den Gewinnern.

Insgesamt wurden zehn Goldmedaillen für Bergkäse vergeben, vier für Alpkäse. Die Spitzenreiter präsentierten Georg Brutscher von der Alpe Eschbach bei Oberstdorf und Imelda Steurer von der Höfle Alpe bei Balderschwang.

Josef Gutsmiedl

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