Nachteinsatz für die Bergwacht Oberstdorf in den Seewänden

Schwierige Bergrettung in der Dunkelheit

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Ein Absturz in den Seewänden oberhalb des Oytalhauses forderte am Sonntagabend die Bergwacht Oberstdorf. Mit großem Personaleinsatz und Luftunterstützung aus der Schweiz konnte der Einsatz zum Guten gewendet werden.

Am Sonntagabend, kurz vor Einbruch der Dämmerung, meldete ein Bergsteiger via Notrufnummer 112, dass sein Kollege abgestürzt und verletzt sei. Zwei junge Wanderer wollten vom Oytalhaus über den Gleitweg zum Seealpsee aufsteigen. Da sie aufgrund der vereisten Passagen sowie der vorherrschenden Schneeverhältnisse nicht mehr vorankamen, entschieden sie sich wieder über die Seewände zurück ins Tal abzusteigen. Dabei kam einer der Beiden ins Rutschen, überschlug sich und stürzte laut Angaben seines Begleiters ca. 150 Meter den Abhang hinunter. 

Aufgrund schlechten Handyempfangs, war es ihnen nur möglich einen Hilferuf über die Notrufnummer 112 abzusetzen. Ein Rückruf durch die Bergwacht war nicht möglich. Deshalb konnte der Notfallort nicht genau lokalisiert werden. Die erste große Herausforderung war die Unfallstelle einzugrenzen und einen primären Suchbereich festzulegen. Dabei wurde die Oberstdorfer Bergwacht durch das Technikteam der Bergwacht Allgäu mit Drohnen sowie Wärmebildkameras unterstützt. 

Die Alarmierung durch die Integrierte Leitstelle Allgäu erreichte um 17:07 die Bergwacht Oberstdorf, erst gegen 18:40: konnten die Hilfsmannschaften erste Lichtsignale der zwei Bergsteiger ausfindig machen. Mittlerweile war es Nacht geworden und die Bergwacht stieg mit zwei Rettungsteams durch die Seewände zu den Verletzten bzw. in Not geratenen auf. Kurz vor 21 Uhr konnte der erste Rufkontakt hergestellt werden. 

Kurz darauf trafen die ersten Bergretter am Notfallort ein. Beide Personen waren aufgrund der vorherrschenden Außentemperaturen mittlerweile unterkühlt. Der Melder, welcher sich ca. 30 Meter oberhalb des Verletzten im absturzgefährdeten Gelände befand, wurde mittels eines Seilgeländers aus der Lage heraus gesichert. Nach der notfallmedizinischen Versorgung durch den anwesenden Bergwacht-Notarzt wurde kurz vor 22 Uhr versucht, mit Wärmepacks sowie Wärmewesten die Körperwärme des Abgestürzten zu erhalten, bevor er aus dem Steilgelände an einen absturzsicheren Platz gebracht werden konnte. 

Zwei weitere Teams brachten eine Leichttrage, Rettungs- und Seilmaterial mit. Gegen 22 Uhr wurde mit dem Abtransport des Verletzten begonnen. Der in der Trage liegende Patient wurde abgeseilt, sein Begleiter war soweit gehfähig, dass er am Seil gesichert absteigen konnte. 

Währenddessen wurde  in der Einsatzzentrale der Bergwacht Oberstdorf weiter organisiert, im Laufe des Abends hat sich in der angrenzenden Schweiz die Wetterlage verbessert; So konnte der nachtflugtaugliche Rettungshubschrauber der Schweizerischen Rettungsflugwacht Rega nach Oberstdorf fliegen. Der Verletzte wurde während dessen in der Trage zu einem geeigneten Platz abgeseilt. Von dort wurde der Patient in Begleitung des Bergwacht-Notarztes an der Rettungswinde des Hubschraubers „REGA 7“ ausgeflogen. Wenig später wurde auch noch der unterkühlte Begleiter vom Hubschrauber ausgeflogen. 

Aufgrund der Unterstützung durch die REGA war es möglich, dass alle Bergwachtmitglieder um ein Uhr nachts zurück an der Bergrettungswache waren. Ohne die Hilfe aus der Luft hätte sich die Rettung bis in die frühen Morgenstunden hineingezogen. Durch die fachgerechte notfallmedizinische Versorgung sowie den schonenden Abtransport erlitten die Betroffenen außer einer Unterkühlung, leichten Erfrierungen, einer Fraktur, diversen Platz- und Schürfwunden keine weiteren Verletzungen. 

"Wäre kein Handyempfang gewesen - wie an vielen Stellen in den Allgäuer Alpen - hätte diese Tour wohl ein tragisches Ende genommen. Die winterlichen Verhältnisse sowie die Gefahren der Allgäuer Alpen im Januar gleichen denen eines Hochgebirges. Höchstes persönliches Können, gute Ausrüstung und Ortskenntnis sind Voraussetzungen für das Winterbergsteigen", so ein Sprecher der Bergwacht Oberstdorf.

(Bergwacht Oberstdorf)

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