Bergwald-Umbau im Oberallgäu wird fortgesetzt

Froh darüber, dass die Arbeiten bei der Bergwaldoffensive weitergehen können, zeigt sich Klaus Dinser, Leiter des Schutzwald-Managements im Allgäu. Fotos: Josef Gutsmiedl

Der Druck hat etwas bewegt: Die Bayerische Bergwaldoffensive BWO wird fortgesetzt. Damit können auch die Maßnahmen der BWO in den Projektgebieten im Oberallgäu weiter geführt werden. Diese „gute Botschaft“ konnte jetzt der Leiter des Schutzwald-Managements im Allgäu, Klaus Dinser, verkünden. Als eines der wichtigsten und schwierigsten Projektgebiete ist auch Burgberg mit von der Partie, wo die Bergwaldoffensive von einem speziellen Jagdkonzept begleitet wird.

Bislang sei mit der Bergwaldoffensive „gute und erfolgreiche Arbeit“ geleistet worden, unterstrich der Vorsitzende des Beirats der BWO im Oberallgäu, Anton Klotz. Der Beirat und andere Verantwortliche in der Region hätten stets auf die Weiterführung gedrängt. Nach Jahren des Aufbaus und der Organisation sei es wichtig, dran zu bleiben, und den notwendigen Umbau des Schutzwaldes in einen Bergmischwald voran zu bringen. Die Finanzierung der Maßnahmen sei zumindest für das laufende Jahr gesichert, so Klotz. Und in den weiteren Jahren werde die Bergwaldoffensive vermutlich aus dem Budget „Energiewende/ Klimaschutz“ profitieren. Entsprechende mündliche Zusagen gebe es bereits. Klotz: „Der Klimawandel geht voran. Wir müssen gewappnet sein.“ Erst einmal aufatmen kann Schutzwald-Manager Klaus Dinser vom Landwirtschaftsamt. Immerhin sichert die weitere Finanzierung der BWO, dass die Maßnahmen in den Projektgebieten nicht auf halber Streck „verhungern“. Für das laufende Jahr kann Dinser mit 900000 Euro rechnen. Fast 400 Einzelmaßnahmen seit dem Jahr 2008 hat Dinser in den acht Projektgebieten aufgelistet. Rund 2,5 Millionen Euro wurden dabei „umgesetzt“. Den Löwenanteil der Kosten nehmen dabei Erschließungen (im Jahr 2011: 748000 Euro) und Arbeiten an Schutzwaldprojekten (270000 Euro) ein, zum Beispiel Einbau von Lawinenschutz-Ausstattungen in Steillagen. Das Allgäu sei jedenfalls Spitzenreiter bei der Bergwaldoffensive, so Klaus Dinser stolz. Den Vorwurf, dass die Bergwaldoffensive vor allem eine Erschließungsoffensive im Bergwald sei, weist Dinser zurück. „Das sieht mitunter so aus“, räumt er ein, doch in der Regel handle es sich um waldbauliche Maßnahmen. „Ein Bagger ist teurer als der Einsatz der Motorsäge...“, so Dinser. Und Wegebau diene letztlich einer forstlich sinnvollen Bewirtschaftung der Bergwälder. Inzwischen liegen für alle sieben Oberallgäuer Projektgebiete Jagdkonzepte vor. Im Auftrag des Landwirtschaftsamtes Kempten hat Wildbiologe Albin Zeitler die Gebiete hinsichtlich der jagdlichen Kriterien „abgeklopft“ und entsprechende Vorschläge ausgearbeitet, wie die Ziele einer angemessen jagdlichen Nutzung und waldbaulicher Entwicklung unter einen Hut gebracht werden können. Am Grünten habe sich schon in den vergangenen Jahren gezeigt: der Weg führt nur über eine Entzerrung. Eine frühere Rotwildfütterung wurde verlegt und aus einer Problemzone gebracht. „Das hat sich im vergangenen Winter bewährt“, sagt Albin Zeitler. Eine wichtige Rolle kommt ferner einer Ruhezone zu, die für Freizeitaktivitäten wie Schneeschuhgehen tabu sein müsse. Das Rehwild will Zeitlers Konzept in „belastbare Bereiche“ lenken. Eine Schlüsselrolle kommt hier den Fütterungen zu, da Rehe selbst bei angemessener Fütterung „zur Ergänzung der Nahrung“ natürliches Angebot nutzten, wie Zeitler betont. „Das ist nicht zu vermeiden.“ Er wolle damit keinesfalls der Rehwildfütterung das Wort reden, „das ist kein Heil“, aber es sei schwierig, hier eine Kombination zu finden. An der intensiven Rehwildbejagung führe ohnedies kein Weg vorbei. Die Untersuchungen am Grünten mit drei Jagdrevieren hätten gezeigt, dass nur eine intensive Zusammenarbeit über Reviergrenzen hinweg, eine bessere Koordination der jagdlichen wie waldbaulichen Maßnahmen, langfristige Wirkung zeige. Für eine „Koexistenz von Wild und Wald“ plädiert auch Beiratsvorsitzender Anton Klotz. Ein Erhalt des intakten Naturraumes diene auch der Jagd. „Wir wollen die Jäger nicht an den Pranger stellen.“ Richtig loslegen will man in Burgberg jetzt mit dem Modell „Respektiere deine Grenzen“, das auf sinnvolle Besucherlenkung setzt. Damit sollen Individualsportler wie etwa Geo-Cacher oder Mountainbiker aus sensiblen Naturbereichen ferngehalten werden. Das Konzept setzt auf Information und Freiwilligkeit und wird in Vorarlberg bereits mit Erfolg praktiziert.

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