Mischwald im Stand-by

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Die Hilfe für den Bergwald braucht Wege. Revierförster Andreas Fisel erläuterte die notwendigen Schneisen für Rückewege: „Sonst sind Pflegemaßnahmen und eine vernünftige Nutzung des Holzes kaum möglich.“

Blaichach - Einen ersten wichtigen Meilenstein hat die Bergwaldoffensive BWO im Oberallgäu erreicht. Die Maßnahmen für das Projektgebiet Blaichach wurde vor Kurzem beendet. „Heute wird nichts eröffnet – heute wird etwas abgeschlossen“, freute sich Peter Titzler von der Bergwaldoffensive als er die Beteiligten vor Ort zum Waldbegang einlud, um das „Gemeinschaftswerk“ zu begutachten.

„Hier sind tatsächlich Erfolge sichtbar“, freut sich Landrat Anton Klotz, zugleich Vorsitzender des Beirats der Bergwaldoffensive im Oberallgäu. Er hoffe, dass es der Bergwaldoffensive gelinge, auch in anderen Projektgebieten solche Ergebnisse zu erreichen, so Klotz mit Blick auf einen Wald wie aus dem Bilderbuch. Ein Wald, wie ihn sich alle nur wünschen könnten.

Fast offene Türen rannte die Bergwaldoffensive ein, als sie zum Auftakt der Aktionen das Projektgebiet Blaichach in Angriff nahm. Nach den Hochwasserereignissen der Jahre 1999, 2003 und 2005 hatte man in der Gemeinde erkannt, dass man handeln müsse, um zukünftig akute Gefahr aus dem Einzugsgebiet von Gunzesrieder Ach und Schwarzenbach abzuwenden. Der „Zug“ der Bergwaldoffensive mit dem Zielbahnhof „stabiler Bergmischwald“ kam genau zum richtigen Zeitpunkt. „Wir haben damals alle zusammengebracht – 35 Waldbesitzer, die Jagd und den Forst“, erinnert sich Vize-Bürgermeister Harald Seelos. „Heute können wir stolz sein.“

Tatsächlich habe die BWO in Blaichach „engagierte Leute und günstige Rahmenbedingungen“ vorgefunden, räumt Peter Titzler ein. „Hier musste man nicht den Hund zum Jagen tragen.“ Die Beteiligten hätten erkannt: das ist gut, da machen wir mit. Auch aus diesen Gründen habe man damals das Projektgebiet ausgewählt und als eines der ersten aktiviert. „Mit viel Engagement und Knowhow haben wir hier das Ziel erreicht“, sagt Titzler.

Vorarbeit habe das Wasserwirtschaftsamt mit technischer Wildbachverbauung geleistet. „Wir haben das auf biologischer Seite unterstützt und ergänzt“, so Titzler weiter.

Auch die Jagd war in Blaichach – schon vor dem Startschuss – im Boot. „Wir hatten in den 1950er Jahren schon mit Wildschäden zu tun...“ erinnert sich Jagdvorstand Frank Möslang. Seit 1998 sei die Jagd in Eigenbewirtschaftung mit Ziel „Vorfahrt für Naturverjüngung“. Möslangs Fazit: „Es ist uns saugut gelungen.“

Das funktioniere nur mit sehr guten Jägern, lobt Möslang die beiden Jagdleiter Franz Jörg und Andi Sprinkart. „Ohne Jagd geht es nicht.“ Er schätzt den „Gewinn durch Naturverjüngung“ auf etwa 5000 Euro je Hektar. Dennoch habe das Wild seinen Platz. „Reh, Gams, Hirsch – alles ist da – aber in verträglicher Zahl.“ Und Förster Peter Titzler ergänzt: „Hier zeigt sich: wo es mit der Jagd stimmt, ist der Mischwald nicht zu verhindern.“

Alles in allem fand die BWO „ein gemachtes Nest“ vor, wie Revierförster Andreas Fisel „das gute Umfeld der Beteiligten“ beschreibt. Der Maßnahmenkatalog stand schnell fest: den Fichtenbestand durchforsten und stabilisieren, Waldpflege und Waldverjüngung einleiten, die Erschließung verbessern. 15 Hektar der rund 70 Hektar Projektgebiet waren unmittelbar betroffen. 1500 Festmeter Holz wurden entnommen, zum Teil auch mögliches Treibholz, das bei Starkniederschlägen zur Gefahr werden könnte. „Aber es ist noch eine Menge Holz da“, so Fisel. Unterm Strich kostete alles rund 100.000 Euro.

Stichwort Rückewege. Etwa zwei Kilometer Schlepperwege wurden im Projektgebiet Blaichach angelegt – in Summe gerade einmal sieben von 35 Maßnahmen. Nicht zuletzt, um die Nutzung des Waldes auch in Zukunft überhaupt erst zu ermöglichen. Beiratsvorsitzender Anton Klotz spricht von „bösartigen Vorwürfen“ wenn hier von staatlich gefördertem Forststraßenbau gesprochen werde. „Wir brauchen Wege, sonst ist keine Bergwaldoffensive möglich.“ Schlepperwege seien eine Notwendigkeit, betont auch Titzler; Vorrang hätten immer waldbauliche Maßnahmen. Aber die sehe man nicht so leicht... Zudem sei eine Bewirtschaftung kein Selbstzweck, sondern bringe abgesehen vom Holzerlös wesentlichen gesellschaftlichen Nutzen, halte den Wald letztlich fit.

Jetzt ist man – auch im Projektgebiet Blaichach – nicht am Ende. Vielmehr sprechen die Mitarbeiter der Bergwaldoffensive von einem „Stand-by-Betrieb“. Titzler: „Wir wissen wo der Knopf ist.“

Josef Gutsmiedl

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