Bergwaldoffensive: Lichtinseln im steilen Gelände für den Wald von morgen

Drahtseilakt am Immenstädter Horn

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Die Waldbesitzer müssen schon mitziehen. Stefan Honold (von rechts) und Günter Gulde haben nicht nur Alexander Mosmang von der Bedeutung der Waldpflege überzeugt.

Immenstadt - Mit einem überaus schwierigen Gelände  hat es die Bayerische Bergwaldoffensive BWO derzeit im Projektgebiet am Immenstädter Horn zu tun. Und genau hier, an der Nordflanke des Horns, ist es höchste Zeit, dass  der Waldumbau in die Gänge kommt: Steinschlag, Erdrutsche und Lawinen würden    Häuser und Siedlungen bedrohen. Genau das soll der intakte Bergwald der Zukunft verhindern helfen. Umso erleichterter sind alle Beteiligten, dass es endlich losgehen kann.

An größere Pflegemaßnahmen in den Nordhängen des Immenstädter Horns kann sich  Alexander  Mosmang aus Bühl nicht erinnern. Da und dort habe er in seinem Waldstück mal etwas Brennholz geschlagen. „Aber nie nennenswerte Mengen“ , meint der „alte Bühler“. Jetzt könne er die guten Preise auf dem Holzmarkt nutzen. Ohne die Unterstützung durch Bergwaldoffensive wäre diese Überlegung „kein Thema“ gewesen. 

Die Rechnung gehe auf, zumal ein Zuschuss aus dem Waldförderprogramm für zusätzlichen Anreiz sorge.

Wie wichtig ein intakter Bergwald ist, weiß Mosmang und erinnert an einen gewaltigen  Nagelfluhbrocken, der sich vor Jahrzehnten gottseidank noch in den Bäumen verfangen habe - gar nicht weit von den ersten Häusern entfernt.

Genau da liege das Problem, lenkt Förster Stefan Honold von den Bayerischen Staatsforsten den Blick auf die Arbeit der Bergwaldoffensive. Wenn die Waldverjüngung nicht wirksam vorangebracht werde, seien die überalterten Fichtenbestände kaum in der Lage, ihre Schutzfunktion in dem Steilgelände zu erfüllen. 

Einfach sei es hier am Horn in zweierlei Hinsicht nicht, ergänzt Günter Gulde, der hier zuständige Projektleiter für die Bergwaldoffensive. Zum einen, weil das schwierige, zum Teil extrem steile und nicht erschlossene Gelände, an sich schon viel Fingerspitzengefühl der Waldarbeiter und des Seilbahnpersonals, das den Taltransport abwickle, erfordere. Zum anderen auch, weil die Förster eine Menge Überzeugungsarbeit leisten mussten, um alle Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Sprich: die Waldbesitzer zu motivieren,  in ihrem Wald etwas zu tun und die Jäger und Jagdpächter zu bewegen, mitzuziehen. Ein eigens erstelltes Jagdkonzept für das Projektgebiet soll auch hier die Maßnahmen der Bergwaldoffensive begleiten. 

Jetzt sind sieben Waldbesitzer  im Boot bei dem gemeinsamen Hieb auf rund 20 Hektar Fläche. Bevor die Holzfäller und ein Forstunternehmen mit ihrer Arbeit loslegen konnten, musste  an der unteren Waldgrenze oberhalb der Welzereute ein knapp 400 Meter langer Erschließungsweg gebaut werden. „Der Weg sieht nach einem Jahr schon aus, als habe er immer hier entlang geführt“, lobt Alexander Mosmang die Baufirma. Die Kosten dafür wurden von der BWO und den Waldbesitzern anteilig getragen. „Geschenkt bekommen wir den Weg nicht“, betont Mosmang.

Ebenfalls viele Stunden und Tage Vorarbeit musste Förster Honold leisten, als er im Sommer die ausgewählten Hiebstellen entlang der sechs geplanten Seilbahntrassen abging, um die „Erntebäume“ im Hang zu markieren. Dabei habe er auch  „grob die Grundstücksgrenzen eingemessen“. Schließlich soll ja jeder der Waldbesitzer „seine“ Bäume auf der Abrechnung wiederfinden. Insgesamt werden gut 2000 Kubikmeter Holz aus dem Hang gebracht. „Das ist etwa ein Zehntel des Holzvorrates“, sagt Honold. Tatsächlich ist die aktuelle „Entnahme“ in dem dichten Wald aus mächtigen Fichten und Buchen von außen nicht zu erkennen, von den sechs Seilbahntrassen einmal abgesehen.

Ziel der Durchforstungsaktion ist es, an geeigneten Stellen eine Auflichtung des Altbestandes zu erreichen. In den „Schlitzen“ soll dann die Naturverjüngung Fuß fassen. „In zehn oder zwölf Jahren müsste man die Aktion wiederholen, um über angrenzende Schlitze oder Erweiterungen eine möglichst große Waldfläche einzubeziehen“, erläutert Günter Gulde. Werde das oft genug wiederholt, sei schließlich die gesamte betroffene Waldfläche auf diese Weise verjüngt und das Ziel erreicht: wirtschaftliche Nutzung und nachhaltige Waldpflege. 

Das aber setzt voraus, dass auch die Waldbesitzer am Ball bleiben – und die Bewirtschaftung auf lange Sicht „etwas abwirft“. Alexander Mosmang jedenfalls macht sich da keine Illusionen: Wald sei und bleibe eine „Dauerbeschäftigung“. Und die Förster geben ihm recht: Das Ergebnis der Arbeit sieht erst die nächste Generation.  Josef Gutsmiedl

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