Bergwaldoffensive geht in die Luft

Reichlich steil der Hang in dem die Lawinenverbauungen platziert werden. Fotos: Josef Gutsmiedl

Auf dem „Programm“ stand die Erneuerung der alten Lawinenverbauung am Schnippenkopf oberhalb von Schöllang nicht. Doch nach eingehender Prüfung und Beratung mit anderen Fachleuten gab es für die Mannschaft der Bergwaldoffensive kein Zögern: Die in den 1980er Jahren in den Steilhang eingebauten Schneefänger aus Fichtenholz mussten ersetzt werden. Mit einem Hubschrauber wurden vergangene Woche 230 neue Schneerechen in den Steilhang eingeflogen und am Hang „montiert“.

Was vor rund 25 Jahren als Lawinenschutz in den weitgehend offenen Hang unterhalb des Schnippenkopfs eingebaut wurde, war marode, weitgehend verfault und erfüllte die Funktion des Erosions- und Lawinenschutzes nicht mehr. „Wasserwirtschaftsamt und die Lawinenschutzkommission haben uns dringend geraten, im Zuge der Maßnahmen der Bergwaldoffensive hier tätig zu werden“, erklärt Klaus Dinser, Leiter der Schutzwaldmanagement am Amt für Landwirtschaft und Forsten in Kempten. Start für eine „Runderneuerung“ der Fläche. Die alten Bauwerke aus imprägnierter Fichte - für rund eine Million Mark in den Steilhang gebaut - sind heute Sondermüll und müssen kostenpflichtig entsorgt werden. Das Holz wurde beim Talflug des Hubschraubers ausgeflogen. Dass die kleinen Pflänzchen, die in den 1980er Jahren hier in gut 1400 Metern Höhe noch nicht „überm Berg“ sind, führt Dinser nicht zuletzt auf den Wildverbiss zurück. 30000 Pflanzen wurden damals gesetzt. Viele sind gerade mal hüfthoch und zeigen typische Spuren von Wildverbiss. Allerdings, so Dinser, sei der Standort mit der nur dünnen Humusschicht denkbar ungünstig für schnelles Wachstum. Dennoch soll die Bergwald hier „durchkommen“ und den überalterten Wald stützen und einmal ablösen. „Da muss die Jagd mitspielen“, stellt Klaus Dinser fest. Und hier sei dem auch so: Der Jagdpächter und dessen Berufsjäger zeigten sich kooperativ, um der „katastrophalen Verbissbelastung“ eine Ende zu setzen. „Reh- und Gamswild muss hier scharf bejagt werden“, appelliert Dinser. „Jetzt machen wir einen neuen Start.“ Vergangene Woche ging die Bergwaldoffensive am Schnippenkopf „in die Luft“. Ein Hubschrauber flog 230 vormontierte Schneerechen aus Kastanienholz in das Sanierungsgelände. Dort wurden die massiven Schneefänger - jeder Rechen wiegt rund eine Tonne - fest im Hang verankert. Alles in allem koste ein fertiger Schneerechen einschließlich Einflug und Verbauung im Gelände rund 1200 Euro, rechnet Dinser. In wenigen Wochen folgt dann eine neuerliche Pflanzaktion. Kleine Weißtannen, Fichten, Buchen und Ahorn sollen im Schutz der Schneerechen Fuß fassen und den Bestand der Zukunft bilden. „Ziel ist ein standortgerechter Mischwald, der seine Aufgaben erfüllen kann“, sagt Dinser. Aber die Jagd sei der entscheidende Faktor bei der Maßnahme, die rund 430 000 Euro kostet.Der Erfolg sei erst in 20 Jahren sichtbar.

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