Bergwaldoffensive in Immenstadt

Mehr Licht im Stadtwald

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Der Stadtwald soll mehr Licht bekommen. Dr. Ulrich Sauter (von rechts), Beiratsvorsitzender Anton Klotz und Stadtförster Gerhard Honold erläuterten, was die Bergwaldoffensive im Steigbachtal vor hat.

Immenstadt – Die Finanzierung ist gesichert. Neue Projektgebiete bereits ausgewählt. Mit der Bergwaldoffensive im Oberallgäu kann es weiter gehen.

Die Sommerexkursion des Beirats der Bergwaldoffensive führte ins Steigbachtal bei Immenstadt. Das Projektgebiet wurde im vergangenen Herbst neu aufgenommen und sollte den Beiratsmitgliedern verdeutlichen: nur wenn die waldbaulichen Maßnahmen von jagdlicher Neuorientierung begleitet werden, kann die Bergwaldoffensive ihr Ziel erreichen und den zukunftstauglichen Bergmischwald dauerhaft „auf die Beine“ bringen. 

Die Bedeutung, die der sogenannte Stadtwald für Immenstadt hat, rief der Leiter des Bereichs Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, Dr. Ulrich Sauter, in Erinnerung als er eine Beschreibung der Flutkatastrophe aus dem Jahr 1873 zitierte. Damals kamen in den Wasser und Erdmassen, die aus dem Steigbachtal über das „Stadtle“ herein brachen, elf Menschen ums Leben. Vor 150 Jahren sei das Steigbachtal weitgehend unbewaldet gewesen, so Sauter weiter. Später wurde in großen Stil aufgeforstet. „Und der Stadtwald hat danach einen guten Job gemacht.“ 

Damit das auch in Zukunft so bleibt, will die Bergwaldoffensive jetzt in Zusammenarbeit mit der Stadt das Gebiet „beackern“. Immerhin zeigte der große Erdrutsch am Immenstädter Horn, dass im Gelände Bewegungen stattfinden und der Wald vor allem als Erosionsschutz und Wasserspeicher wichtig ist. Den notwendigen Umbau des weitgehend reinen Fichtenbestandes zum Bergmischwald verfolgt man bei der Stadtverwaltung schon länger. „Zukunftsweisender Waldbau ist seit langem erklärtes Ziel“, betont Bürgermeister Armin Schaupp. Doch in früheren Jahren seien die Bemühungen „immer wieder von der Jagd torpediert“ worden. 

Seit heuer werde daher das Stadtwaldrevier in Eigenbewirtschaftung betrieben mit eigenem angestellten Jäger. „Es gilt die Prämisse Wald vor Wild“, so Schaupp. Rehwild werde rigoros bejagt: „Was gesehen wird, wird geschossen.“ Und der Jagddruck auf Gems und Hirsch werde unvermindert aufrecht erhalten. Die Bergwaldoffensive trifft im Stadtwald auf ein bereits vorbereitetes Feld. Stadtförster Honold hat in den vergangenen Jahren Hiebmaßnahmen durchführen lassen und in mehreren Bereichen den Altbestand ausgedünnt, um durch Lichtinseln die Naturverjüngung und die Artenvielfalt zu fördern. 

Positive Ansätze 

„Man sieht zwar positive Ansätze, doch nach zwei, drei Jahren kann noch keine endgültige Aussage getroffen werden“, erläutert Gerhard Honold. Um die Entwicklung zu dokumentieren wurden elf Traktbereiche ausgewählt, die als Weiserflächen unter Beobachtung stehen. Dazu wurden zwei Weiserflächen mit Zäunen geschützt, um einen augenscheinlichen Vergleich zu ermöglichen. Im Prinzip sei das Steigbachtal idealer Mischwaldstandort und Buche sei kaum zu bremsen, wenn sie erst einmal hoch genug sei. Was fehle seien dagegen Weißtannen, die es nur vereinzelt gebe. „Die Stadt hatte immer Glück mit ihren Förstern“, bringt Dr. Sauter die Bilanz der vergangenen Jahrzehnte auf den Punkt. Dabei habe die Stadt auch die wirtschaftliche Nutzung nicht vergessen und „mit Gespür und Fachwissen“ geerntet, „damit auch der Kämmerer seine Freude hat“. 

Die Bergwaldoffensive sei ein Erfolgsmodell und werde „als erfolgreiches Projekt“ fortgesetzt, betonte der Vorsitzende des BWO-Beirates, Vize-Landrat Anton Klotz. Bayernweit gebe es keine Region, die mit der Bergwaldoffensive so erfolgreich umgehe. Der Erfolg sei nicht zuletzt dem Engagement des Landwirtschaftsamtes Kempten geschuldet. Rund 425.000 Euro wurden im vergangenen Jahr in den acht Projektgebieten der Auftaktrunde umgesetzt. Mehr als 60 Prozent gingen in Erschließungsmaßnahmen, die häufig erst Pflege- und Ernteeingriffe ermöglichten, wie BWO-Manager Klaus Dinser betont. 

„Fast überall läuft es nach Plan; nur in ein paar Ecken anders...“ Wo es „anders“ laufe, erweist sich offenbar die Jagd als entscheidender Faktor. In den fünf Jahren seit Beginn der Bayerischen Bergwaldoffensive wurden Dinser zufolge in den acht Oberallgäuer Projektgebieten rund 2,9 Millionen Euro umgesetzt. Nicht unbedingt „anders“ werde es mit den kürzlich neu aufgenommenen weiteren vier Projektgebieten heuer laufen, aber „insgesamt etwas langsamer“, deutet Dinser an. Dabei spiele auch die „knappe Personaldecke“ eine Rolle. Rund 1,2 Millionen Euro sind für das laufende Jahr eingeplant. Zwei neue Projektmanager nehmen ihre Arbeit auf. Nicht zuletzt soll die Bergwaldoffensive, ihre Ziele und aktuelle Maßnahmen, nach außen getragen werden. 

Viel bewegt 

„Die Bergwaldoffensive hat viel bewegt“,meint auch Prof. Wolf Schröder, „vor allem in den Köpfen.“ Schröder hat im vergangenen Jahr „sein“ Schalenwildgutachten für den Bereich der Hochwild- Hegegemeinschaft Sonthofen vorgestellt. Eine „analytische Einsicht in das System“ sollte das Werk sein. Eine der Empfehlungen aus dem Gutachten ist bereits umgesetzt worden: die fachliche Professionalisierung der Unteren Jagdbehörde durch Beiordnung eines „Schalenwildmanagers“. Schröder skizzierte für den Beirat der BWO seine wesentlichen Aussagen im Gutachten. Der Jagdwert der Reviere orientiere sich an den „starken Hirschen“ – kaum woanders gebe es so viele „Einserhirsche“ wie im Oberallgäu. „Das Objekt der Begierde“, sagt Schröder. Des weiteren spricht er von der „Beziehungskiste Wald und Wild“, also einem überaus komplizierten Geflecht von Lebensraum und Rotwildbeständen. Als dritten Faktor, der das Thema Jagd „heiß“ halte, erkennt Schröder „das Dilemma mit den Rothirschen“. Schröder: „Die Situation ist bei uns fast eine extensive Haustierhaltung; allerdings eine sehr naturferne Variante.“ Die früheren Wanderungen in geeignete Wintereinstände – etwa in Flussauen – seien heute weder möglich noch erwünscht. Jeder Revierpächter wolle die attraktiven Hirsche bei sich halten. Anfang August will sich Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner im Oberallgäu über den Stand der Bergwaldoffensive informieren.

Josef Gutsmiedl

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