Bergwaldoffensive rollt weiter: Neue Projektgebiete im Oberallgäu

Mit viel "Waldgesinnung"

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Mit „frischem Geld“ kann die Bergwaldoffensive bald in weiteren Projektgebieten an die Arbeit gehen.

Oberallgäu – Die Bayerische Bergwaldoffensive BWO kann weiter „rollen“. Nachdem der  Haushaltsauschuss im Landtag  die BWO für die Jahre 2012 und 2013 „ausreichend bestückt“ sehen will,  werden im Oberallgäu mehrere neue Projektgebiete aktiviert.

In einer geheimen Abstimmung wurden jetzt drei Kandidaten vom Beirat der Bergwaldoffensive im Oberallgäu ausgewählt: der Rottachberg in der Gemeinde Rettenberg, das Gebiet Anatswald-Leiterberg bei Oberstdorf und der Salmersberg bei Weiler.

Es geht weiter mit der Bergwaldoffensive im Oberallgäu. Nachdem seit dem Start der BWO im vor vier Jahren bereits acht Projektgebiete aktiviert worden waren, können die Verantwortlichen jetzt nachlegen. Die finanzielle Ausstattung steht, und aus den 32 verbliebenen Projektgebieten wurden in einem forstfachlichen Auswahlverfahren fünf „Bewerber“  für die Entscheidung im Beirat der Bergwaldoffensive durchleuchtet.  „Insgesamt wurden in drei Filterebenen elf spezielle Kriterien abgefragt und gewichtet“, erläutert Klaus Dinser, Leiter des Schutzwaldmanagements am Landwirtschaftsamt Kempten.  Forstfachliche Aspekte waren eine Hürde, die jagdliche Situation ebenfalls. In der nächsten Stufe des Auswahlverfahrens ging es um Nutzungskonflikte und die Erfolgsaussichten für das Projekt. Ganz oben – Ebene 3 – stand  die Dauerhaftigkeit der Zusammenarbeit aller Akteure und die „Waldgesinnung“, mithin der Wunsch aller Beteiligten, mit Hilfe der Bergwaldoffensive einen intakten, zukunftsfähigen Bergmischwald konsequent anzupeilen, so Dinser in seiner Skizze des Auswahlprozesses.

Fünf Projektgebiete schafften es bis in die Endrunde und wurden in der jüngsten Sitzung des Beirats detailliert dargestellt in ihrer besonderen Struktur und warum die Bergwaldoffensive hier ansetzen sollte. Die meisten Stimmen konnte schließlich das Projektgebiet Rottachberg für sich verbuchen. „Alle drei beteiligten Kommunen stehen hinter den Zielen der Bergwaldoffensive“, versicherte Rettenbergs Bürgermeister Oliver Kunz, auch für die beiden Nachbargemeinden Sulzberg und Oy-Mittelberg. Und großes Interesse der Waldbesitzer gebe es hier auch. Rund 450 Hektar Waldfläche sind verteilt auf etwa 1000 Flurstücke von 350 Grundbesitzern am Rottachberg. Eine „Holzmobilisierung“ sei angesagt, um die Schutzfunktion des Bergwaldes zu erhalten und den Waldumbau einzuleiten, so Revierleiter Volker Schulz. 

Das zweite neue Projektgebiet ist der Salmersberg bei Weiler. Hier sei der Waldumbau dringend erforderlich, so das Urteil der Forstleute. Das Gebiet ist von Hangrutschungen bedroht, vor allem bei Starkniederschlägen. 

Mit dem dritten Platz kommt jetzt auch ein Projekt in der Marktgemeinde Oberstdorf zum Zug. Das Gebiet Anatswald-Leiterberg im Stillachtal nahe der Fellhornbahn ist geprägt von Steilhängen mit überalterten Fichtenbeständen. Die Schutzwaldfunktion sei hier gefährdet. „Ein ideales Gelände für Bergmischwald“, betont Förster Christian Schneider. „Der erforderliche Bergmischwald würde hier wachsen: es ist alles da – nur kommt die Naturverjüngung nicht auf!“ lenkt Schneider den Blick auf das  Hauptproblem des Gebietes.

Klaus Dinser erläuterte das Auswahlverfahren.

Ein Problem, das in allen neuen Projektgebieten die Arbeit der Bergwaldoffensive begleiten wird. Und bei der Auswahl der Oberstdorfer Gebiete spricht Johann Jordan, Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Oberallgäu, gar von einer „jagdlich absoluten Steinzeit“. Wenn hier jemals der Rechnungshof prüfen würde, gäbe es „schlechte Papiere“, deutet Jordan an, und betont, dass er die Auswahl des Gebietes Anatswald-Leiterberg als Chance verstanden wissen will: „Sonst muss sich die Bergwaldoffensive aus Oberstdorfer Gebieten verabschieden!“

Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Adi Sprinkart gab zu bedenken, dass man das Ziel der Waldverjüngung zugrunde legen müsse, und nicht etwa den Wegebau forcieren dürfe und „zusehen, wie das Wild den Wald frisst“. Das jagdliche Konzept müsse sofort umgesetzt werden, um den Erfolg der einzuleitenden Maßnahmen nicht zu gefährden.

Hoffnung, dass beim Thema Jagd „ein Zeichen gesetzt“ werde, hegt Dr. Ulrich Sauter, Leiter des Bereichs Forsten am Landwirtschaftsamt in Kempten. Gelegenheit dazu sieht er bei der anstehenden Abschussplanung im kommenden Frühjahr. Die Jagd müsse ihren „guten Willen“ zeigen. Man dürfe, so gibt Sauter dem Grünen-Abgeordneten Recht, „nicht erst Wege bauen und dann über ein Jagdkonzept reden“. Die Jagdgenossenschaften müssten Änderungen einfordern, rät Sauter. 

Die ersten Schritte sollen schon im kommenden Jahr erfolgen. Wieviel Geld konkret zur Verfügung steht, sei allerdings noch offen, so Schutzwald-Manager Klaus Dinser.  Mit den  in Aussicht gestellten Finanzmitteln können weitere Maßnahmen in den Projektgebieten vorangebracht und nicht zuletzt die Personalstärke entsprechend der anstehenden Arbeiten eingerichtet werden, erläutert Klaus Dinser.

Mit dem jetzt berufenen Schalenwild-Manager für das Oberallgäu – die Kosten teilen sich Landkreis und BWO – sieht der Sprecher der Oberallgäuer BWO, Anton Klotz, einen guten Weg erreicht. Das erklärte politische Ziel sei „Wald vor Wild“, so Klotz. Den alten Konflikt werde man „so schnell nicht lösen“, räumt Klotz ein.

Josef Gutsmiedl

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