"Wir kämpfen für unseren Standort!"

420 Jobs in Gefahr: Beschäftigte von Voith Turbo Systems Sonthofen demonstrieren gegen Werksschließung

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Die Belegschaft von Voith Torbo Systems in Sonthofen will für ihren Standort kämpfen. Sie wünscht sich Unterstützung und Solidarität von Seiten der Politik – und von allen Sonthoferinnen und Sonthofern.

Große Bestürzung am Montag bei den Beschäftigten des Voith Turbo-Werkes in Sonthofen: Der Standort soll Ende September 2020 schließen. Ende der Woche zeigt sich die Belegschaft kämpferisch: am Freitag legte sie für kurze Zeit ihre Arbeit nieder, um zu zeigen: „‚Wir kämpfen für unseren Standort!“

Am Standort Sonthofen sind rund 420 Menschen beschäftigt. Neben Sonthofen soll zudem der Standort Zschopau in Sachsen aufgegeben werden. Die Voith-Geschäftsleitung in Heidenheim hatte die Schließungen damit begründet, dass es an beiden Standorten wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, die Produktion fortzuführen. Voith Turbo sei mit einem steigenden Wettbewerbs- und Margendruck konfrontiert. Carlos Gil, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Kempten, hält dagegen: Eine Schließung des Werkes in Sont­hofen sei „betriebswirtschaftlicher Unsinn!“ Die Mitarbeiter am Standort leisteten Arbeit von „hoher Qualität“ und zeigten sehr großes Engagement bei der Produktion eines „tollen Produktes“. Die durch die Geschäftsleitung vorgegebenen Produktionszahlen seien stets schwer erreichbar gewesen – die Belegschaft in Sonthofen habe die Zahlen aber immer erreicht. 

Die Vorsitzende des Betriebsrates in Sonthofen, Birgit Dolde: „Wir arbeiten in drei Schichten und die Kollegen leisten darüber hinaus häufig Überstunden. Diese Entscheidung geht völlig an der wirtschaftlichen Realität vorbei!“

Die Voith Geschäftsleitung in Heidenheim will die Kapazitäten der Standorte Sonthofen und Zschopau (Sachsen) an andere Standorte verlagern. Durch die Umstrukturierung werden deutschlandweit 230 Menschen entlassen, 370 Stellen sollen an andere Standorte verlagert werden. 

In Sonthofen arbeiten rund 420 Menschen bei Voith Turbo. Bei ihrer Streikaktion vor den Werkstoren hielten die Beschäftigten Plakate und Banner in die Luft. „Sonthofen muss bleiben“ und „Wir sind Voith“ stand darauf – und die Gedanken der Angestellten: „Meine Ausbildung?“ ,„Zukunftzerstörer“, „Wir sind stolz auf unser Produkt!“, „Wer ernährt unsere Familien und zahlt unsere Wohnungen und Häuser?“, „Arbeit, Familie, Freunde – aus der Traum?“, „Zukunftsängste“ oder ein schlichtes „Warum?“ waren darauf zu lesen. 

„Wir wollen allen zeigen: ‚Wir sind das Voith-Werk Sonthofen‘“, sagte Betriebsratsvorsitzende Birgit Dolde. Die Belegschaft werde für den Erhalt ihres Standortes kämpfen. Die Kommunikation mit der Geschäftsleitung in Heidenheim sei eine „Katastrophe“, so Dolde weiter. Ein Teil der Betriebsräte sei informiert worden „in einer Form, die uns sprachlos macht!“ Die Schließungspläne seien ihnen „einfach vor die Füße geschmissen“ worden, kein Vertreter der Konzernführung habe mit ihnen gesprochen, es gäbe ganz wenig Informationen. 

„Wir brauchen jede Unterstützung, jede Solidarität, die wir kriegen können!“, so die Betriebsratsvorsitzende. Die Belegschaft habe bereits die volle Unterstützung der IG Metall und auch von 1. Bürgermeister Christian Wilhelm. „Wir wünschen uns die Solidarität und Unterstützung von allen Sont­hofern, und sei es nur in Gedanken oder durch ein aufmunterndes Lächeln in unsere Richtung“, so Birgit Dolde weiter. Der Betriebsrat und die Belegschaft werden für den Standort Sonthofen kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. 

Carlos Gil, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Kempten, versprach, dass von Seiten der Gewerkschaft jede Möglichkeit ausgeschöpft werde, dass „hier kein Mann, keine Frau ihren Arbeitsplatz verliert!“ Er lobte die Belegschaft in Sonthofen für ihren Kampfesmut und sicherte Unterstützung durch die Gewerkschaft zu.

eva

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