Ein besonderer Hirtenstock - Holzbildhauer Michael Vogler "schnitzt" mit der Motorsäge

Fingerspitzengefühl ist Trumpf bei der Motorsäge-Kunst. Foto: Josef Gutsmiedl

Einen „normalen“ Hirtenstock hatte Florian Wörner schon vor einigen Jahren im Allgäu zum Abschied von einer Pfarrgemeinde erhalten. Jetzt erhielt der 42-jährige Diözesanjugendpfarrer anlässlich seiner Weihe durch Bischof Dr. Konrad Zdarsa einen „richtigen“ Bischofsstab. Ein ganz besonderer Hirtenstab, der voller Symbolik künstlerisch und kunsthandwerklich ausgearbeitet wurde – von einem Allgäuer Bildhauer, der mit der Motorsäge ebenso feinfühlig umgeht wie mit dem Schnitzmesser.

Bei einem Jugendgottesdienst hatte Michael Vogler den damaligen Jugendseelsorger kennengelernt. Man kam über die Kunst ins Gespräch, redet über die Kirche und Glaubensfragen. „Dann hat Florian Wörner mich kurzerhand gefragt, ob ich nicht den Bischofsstab für ihn, den designierten neuen Weihbischof fertigen könnte“, schildert der Bildhauer den Anfang des „Unternehmens Bischofsstab“. Dennoch: eine klassische Auftragsarbeit sollte es nicht werden. „Das mag ich nämlich gar nicht“, räumt Vogler ein. Raum für kreative Gestaltung, für ein Werk voller bildhafter Symbolik sollte es geben, da waren sich der Künstler und „Auftraggeber“ Florian Wörner einig. Die Beiden tauschten Vorstellungen und Ideen aus – dann legte Vogler los. Denn ein geeignetes Material hatte er auch schon parat: ein Ast eines Holunderbaumes, den der Schwiegervater als Brennholz vorgesehen hatte... „Holunder ist ein sehr wertvolles, helles Holz, ohne Poren und sehr hart“, beschreibt der Künstler seinen Rohstoff. Den Bezug zum Besitzer des neuen Bischofsstabes hatte Vogler schon gefunden: Auf sehr vornehme Art einfach. Diesen Eindruck hatte der Oberallgäuer Bildhauer jedenfalls rasch gewonnen. „Der Bischofsstab soll sich an der Persönlichkeit des Besitzers orientieren“, so Voglers Zielrichtung. Er habe viel Freiheit bei der Gestaltung genossen. Wesentliches Element des Bischofsstabes ist die sogenannte Krümme, der gebogene Kopf des Stabes, oft kunstvoll geschnitzt und verziert. Hier war die Stelle, an der Vogler ansetzte. Eine Brücke sollte es werden, wie er sie zum Beispiel im Tessin gesehen hatte – aus vielen Steinen zusammengefügt. Doch dieser Brücke fehlt ein Widerlager. „Das zweite Fundament ist weggebrochen in der Sünde“, beschreibt Vogler diese Schlüsselstelle der Krümme. Er spannt damit den Bogen zur Neuevangelisierung wie sie derzeit die Katholische Kirche präge. Maßgeblich eingeleitet hat diese Bewegung der inzwischen seliggesprochene Papst Johannes Paul II., dessen Miniaturskulptur Michael Vogler unter den noch intakten Brückenbogen eingearbeitet hat, fast versteckt in seiner typischen Haltung, gestützt auf einen Bischofsstab. „Wie Petrus der Fels stützt er die Brücke“, meint Vogler zu seinem symbolhaften Arrangement. Und das fehlende zweite Fundament? Das zweite Widerlager? Hier sieht Vogler die aktuelle Arbeit der Neuevangelisierung, den Lückenschluss von Gott zum Menschen durch Jesus Christus. Die Skulptur von Papst Johannes Paul II. hat Vogler als klassische Bildhauerarbeit in die Krümme eingearbeitet – ein nicht minder anspruchsvoller Teil des Gesamtwerkes. Auf rund 120 Arbeitsstunden schätzt der 50-Jährige seinen Einsatz für die „Auftragsarbeit mit allen künstlerischen Freiheiten“. Dann wurde das Sägekunstwerk noch fachmännisch versilbert. Die Idee, die Krümme massiv aus Bronze zu fertigen, hatte Vogler schnell aufgegeben: „Das Teil hätte gut und gerne drei Kilo gewogen. Und dann ist der Stab im praktischen Gebrauch nicht mehr angenehm zu tragen.“ Eine ähnlich starke Symbolik hat Michael Vogler auch in die zweite Arbeit gelegt, die er für den neuen Weihbischof ausführen durfte. Das Brustkreuz des Weihbischofs, das sogenannte Pektorale zeigt einen gekreuzigten Jesus, der gleichsam den Vorhang zwischen Leben und Tod durchbricht – ein Aufbruch zum Leben.

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