Schwindel und Ohnmacht: Ursachen abklären

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Dr. Thorsten Nusser

Oberallgäu/Kempten – Lang ausgestreckt liegt der Gardist mit der roten Jacke und der hohen Fellmütze zwischen seinen stramm stehenden Kameraden auf dem Boden. Was ist passiert? Die zu warme Kleidung an einem heißen Sommertag, das zu lange Stehen, zu wenig getrunken?

Die verschiedensten Ursachen können zu einer Minderdurchblutung des Gehirns und zu einer Ohnmacht führen, erklärte der Kemptner Kardiologe Dr. Harduin Reeg auf dem Patiententag im Rahmen der 6. Allgäuer Herz- und Gefäßtage. Gemeinsam mit einem Neurologen und einem HNO-Arzt setzte er sich mit dem Schwerpunktthema „Schwindel und kurzzeitiger Bewusstseinsverlust“ auseinander.

Auch ein zu schnelles Aufstehen, schmerzhafte Situationen oder Medikamente können zu einer Ohnmacht führen, so Reeg. Schließlich können auch Herzkrankheiten wie etwa Rhythmusstörungen einen Kreislaufkollaps nach sich ziehen. Wichtig sei eine gründliche Befragung des Patienten und die ärztliche Untersuchung mit EKG, Messung von Blutdruck und Puls. Liegt der Verdacht auf eine Herzerkrankung nahe, werde die Diagnostik verfeinert, etwa mit einem Herzultraschall oder einer Koronarangiographie. Eine Ohnmacht sei in jedem Falle ernst zu nehmen.

Der Neurologe Dr. Olaf Willmann vom Klinikum Kempten legt ebenfalls großen Wert auf eine intensive Anamnese. Wobei er Schwindelzustände als eine interdisziplinäre Herausforderung begreift. Denn nur zehn Prozent aller Schwindelnotfälle seien neurologisch bedingt. Ursachen könnten dann u.a. eine Hirnblutung, ein Tumor, Multiple Sklerose oder auch eine Migräne sein. Aus Sicht des HNO-Arztes Dr. Michael Huber aus Kempten könne auch eine Erkrankung des Gleichgewichtsorgans zu Schwindelattacken führen. Er riet den rund 130 Zuhörern eindringlich, einen plötzlich auftretenden Schwindelanfall sofort klären zu lassen.

Schwindel unbedingt abklären

Während Dr. Michael Milchsack vom Medizinischen Versorgungszentrum für Innere Medizin und Dialyse Kempten moderne Therapiemöglichkeiten bei einer Nierenschwäche vorstellte, beschäftigte sich der Internist und Kardiologe Dr. Thorsten Nusser aus Immenstadt mit der medikamentösen Blutverdünnung, um gefährliche Thrombosen etwa nach einer Operation und bei längerer Bettlägerigkeit zu vermeiden.

Bei einer Herzerkrankung könne zusätzlich der „klassische“ Blutverdünner „Marcumar“ verabreicht werden. Es gebe inzwischen aber auch neue orale Antikoagulantien, kurz NOAK. Aber nicht jedes Mittel sei für jeden Patienten geeignet: „Wir müssen genau überlegen: Wer muss wie lange welche Pille schlucken.“ Aber auch der Patient sei gefragt: „Sie müssen die Medikamente genau so einnehmen, wie es im Entlassbrief steht.“

Viele interessierte Experten wie Laien fanden sich auch zum Festvortrag von Professor Dr. Georg Schmidt von der TU München im Fürstensaal der Residenz ein. Der weltweit geschätzte Experte berichtete über seine bahnbrechenden Erkenntnisse zur Risikoeinschätzung bei Herzrhythmusstörungen. Um die Risiken besser als bisher erkennen zu können, wertet Schmitt im EKG drei Biosignale wie die Herzfrequenz, die Kontraktionskraft und die elektrische Stabilität nach einer Störung aus.

„Der Patiententag gibt den Zuhörern die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen in der Medizin zu informieren und den Experten aus verschiedenen Fachbereichen Fragen zu stellen“, sagt Tagungspräsident PD Dr. Martin Karch, Chefarzt des Herz- und Gefäßzentrums Oberallgäu-Kempten. Damit könnten sich Patienten und auch ihre Angehörigen einen Überblick über mögliche Ursachen von Erkrankungen verschaffen. „Wir achten immer sehr darauf, dass die Veranstaltungen für Laien gut verständlich sind“, betont Karch.

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