Oberstdorfs Vorreiterrolle in Sachen Barrierefreiheit

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Vor dem Oberstdorf-Haus können Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator neben den normalen Sitzen „einparken“. Das Foto zeigt, hinten von links, Max Feldengut von Tourismus Oberstdorf, die Grünen-Ortsprecherin Bergith Hornbacher-Burgstaller, die Gemeinderätin und Sozialreferentin Kathrin Bäuerle, Bezirksrätin Kirsi Hofmeister-Streit und den Vorsitzenden des VdK Ortsvereins Rainer End. In der vorderen Reihe Kreisrat Michael Finger, Bezirksrätin Barbara Holzmann und Bezirksrat Alexander Abt.

Oberstdorf – Die Marktgemeinde Oberstdorf ist in Sachen Behindertenfreundlichkeit auf einem guten Weg. Davon konnten sich die Bezirkstagsabgeordneten Barbara Holzmann und Kirsi Hofmeister-Streit von den Grünen und Alexander Abt von der ÖDP bei einem Besuch überzeugen.

In den vergangenen Jahren habe sich bezüglich Barrierefreiheit in Oberstdorf Einiges getan, berichtete Kreisrat Michael Finger (ÖDP), der selbst im Rollstuhl sitzt. Die öffentlichen Einrichtungen, die Bergbahnen und die meisten Geschäfte und gastronomischen Betriebe seien gut zugänglich, die Oberstdorf-Therme, die Freibäder und zwei Praxen im Krankenhaus nur schwer oder gar nicht. Ein Ärgernis sei immer noch der Sitzungssaal im alten Rathaus, der bei Gemeinderatssitzungen nur über eine steile Treppe erreichbar ist. Erhebliche Probleme bereitet die Bahn. Um die Behindertenrampe zu bedienen, muss immer ein Mitarbeiter aus Kempten kommen. Damit sind die Zeiten stark eingeschränkt.

Susanne Zinner, die einen behinderten Sohn hat, beklagte die zum Teil langen Fahrten zur Schule. Dank eines Austauschprogramms mit Österreich kann ihr Sohn nun im Kleinwalsertal in die Schule gehen, was auch die sozialen Kontakte fördere. Schwer sei es auch in Sportvereinen unterzukommen, da hier sehr stark der Leistungsgedanke zählt. Bezirksrätin Barbara Holzmann betonte, es müsse selbstverständlich sein, dass Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam zur Schule gehen.

Max Feldengut von Tourismus Oberstdorf stellte die Maßnahmen der Gemeinde vor. Seit 2015 laufe das Zertifizierungsprojekt „Reisen für alle“ mit einheitlichen Kriterien. Aktuell seien 22 touristische Leistungsträger zertifiziert – von öffentlichen Gebäuden über die Bergbahnen bis zu Übernachtungsbetrieben und Gaststätten. Hier nehme Oberstdorf bei der Behindertenfreundlichkeit eine „Vorreiterrolle“ im Oberallgäu ein, was auch den Einheimischen zu Gute komme, konstatierten die Bezirksräte. „Letztendlich ist das Ganze eine Haltungs- und Einstellungsfrage“, so Holzmann.

Momentan arbeitet die Gemeinde an einem Konzept, um über Förderungen den Kernort noch behindertengerechter zu gestalten. Bei einem Rundgang durch den Ort konnten sich die Besucher überzeugen, dass schon viel auf den Weg gebracht wurde und auch funktioniert.

Verbesserungsbedarf sahen die Bezirksräte noch bei den sogenannten taktilen Leitlinien für Sehbehinderte, die nicht immer durchgängig oder zugestellt sind. Diskutiert wurde auch, wie es gelingen kann, mehr Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren – etwa im Hotel- und Gaststättengewerbe.

hb

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