Bilanz eines "guten Jahres"

Kriminalstatistik: Das Allgäu ist eine der sichersten Regionen

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Polizeipräsident Werner Strößner zog eine gute Bilanz für die Polizeiarbeit im Allgäu.

Allgäu – Vor Kurzem stellten Polizeipräsident Werner Strößner und Kriminaldirektor Michael Haber die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2019 vor. Aufgrund einer hervorragenden Aufklärungsquote und einem spürbarem Rückgang an Straftaten sprachen die Polizeivertreter des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West von einem aus ihrer Sicht „guten Jahr“ 2019: „Der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Schwaben SüdWest zählt weiterhin zu den sichersten Regionen Deutschlands.“

Im abgelaufenen Jahr verzeichnete das Polizeipräsidium in seinem Zuständigkeitsbereich 38 771 Straftaten. Das bedeutet einen Rückgang gegenüber 2018 von 8,2 Prozent. Zieht man von diesen Straftaten noch die Delikte ab, die nur von Nichtdeutschen begangen werden können (u.a. Verstöße gegen das Aufenthalts- und Asylgesetz), so mindert sich die Zahl der Straftaten nochmals auf 35 549 Delikte.

In diesem Zusammenhang arbeitet die Polizei gerne mit der „Häufigkeitszahl“. Diese ist ein Gradmesser für die Sicherheitslage einer Region und setzt die bekannt gewordenen Straftaten mit einer Einwohnerzahl von 100 000 ins Verhältnis.

Durch diese Verhältniszahl ist es möglich, den eigenen Zuständigkeitsbereich des PP Schwaben Süd/West mit anderen Regionen zu vergleichen. Unbereinigt betrug diese Zahl für das Jahr 2019 genau 3964 Straftaten auf 100 000 Einwohner. Damit liegt diese im Vergleich zum bayerischen Durchschnitt von 4615 Straftaten signifikant niedriger.

Die Aufklärungsquote spiegelt die Ermittlungserfolge der Polizeibeamten wieder. Und hier konnte das PP Schwaben SüdWest eine neuen Höchststand vermelden – mit einer Aufklärungsquote von 72,2 Prozent wurden im hiesigen Bereich noch nie zuvor mehr Straftaten aufgedeckt. Dieser Trend setzt sich seit einigen Jahren durch und lässt die Aufklärungsquote von Bayern mit 67 Prozent und dem Bund mit 57 Prozent deutlich hinter sich. Aber, so Strößner, nicht nur die Polizei selbst trägt zu diesem guten Ergebnis bei: „Professionelle Ermittlungsarbeit und Hinweise aus der Bevölkerung tragen maßgeblich zu einer hohen Anzahl von Tät- erermittlungen bei.“

Einen besonderen Fokus legte der Polizeipräsident bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2019 auf den sogenannten „Callcenterbetrug“ und den „Enkeltrick“. Bei diesen handelt es sich um Betrugsdelikte, bei denen ein Anrufer eine falsche Identität vorspielt, am häufigsten geben sich Anrufer als Verwandte oder Kriminalbeamte aus. Unter oftmals durchaus nachvollziehbaren Gründen wollen die falschen Anrufer ihre Opfer davon überzeugen, einem Komplizen, der die Opfer persönlich aufsucht, Geld, Schmuck und ähnliches zur Sicherheitsaufbewahrung anzuvertrauen.

Delikte dieser Art nahmen nach 2017 (243 Fälle) rasant zu und erreichten im Jahr 2019 einen vorläufigen Höhepunkt von 1950 Fälle. Da der Polizei die Verhinderung solcher Straftaten besonders am Herzen liegt, will man gezielt den Bürger über die Vorgehensweise der Betrüger aufklären. Im Bereich der Wohnungseinbrüche konnte Strößner einen signifikanten Erfolg vermelden. Mit 273 Fällen nahmen Einbrüche im Vergleich zu 2018 (360 Fälle) wiederum ab. Bei nahezu der Hälfte aller Fälle gelang es den Tätern nicht, tatsächlich in das Objekt einzubrechen.

Bei Delikten im Bereich der Gewaltkriminalität (Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub und schwere Körperverletzung) konnte 2019 ein Rückgang um 10,4 Prozent registriert werden. Alkohol spielt bei der Gewaltkriminalität eine große Rolle, wie es Kriminaldirektor Michael Haber bestätigte: „Jeder Dritte Gewalttäter war alkoholisiert.“ Erfreulicherweise konnte auch für den Bereich Straßenkriminalität (Diebstahl, Raub und Körperverletzung) ein Rückgang registriert werden. „Im Zehn-Jahres-Vergleich sind die Fallzahlen um 24 Prozent gesunken.“

Nur im Bereich der Cyberkriminalität ist der Trend gegenläufig. Hier kommt es von Jahr zu Jahr zu mehr Fallzahlen. „Die Kriminalität verlagert sich zunehmend von der Straße in die digitale Welt“, so der Kriminaldirektor. Was auffällt ist, dass unter den Tätern jeder Zweite ein Jugendlicher ist. Das liege auch daran, dass in der jungen Bevölkerungsgruppe kein Wissen darüber bestehe, was im Internet alles unter den Tatbestand einer Straftat fällt – zum Beispiel die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, sowie Urheber- und Nutzungsrechten. Auch bei den Sexualdelikten spielen Internet und digitale Medien eine große Rolle. Im Zuständigkeitsbereich des PP Schwaben Süd/West werde eine Zunahme bei der Verbreitung pornographischer Schriften um 36,1 Prozent festgestellt.

Grundsätzlich zeigten sich Strößner und Haber erfreut über den signifikanten Rückgang der Straftaten in nahezu allen Bereichen und resümieren: „Zwischen den Allgäuer Alpen und der Donau leben die Menschen – statistisch gesehen – so sicher wie noch nie seit Gründung der neuen Polizeipräsidiums 2008.“

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