Selbstbewusst gut klingen

Bischof Bertram Meier weiht die neue Oberstdorfer "Friedensglocke"

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Bischof Dr. Bertram Meier (Bildmitte) weihte am Freitag vor der Oberstdorfer Pfarrkirche St. Johannes Baptist die neue „Friedensglocke“.

Oberstdorf - Seine erste „Dienstreise“ in den Süden des Bistums Augsburg führte den erst vor Kurzem geweihten Bischof Bertram Meier nach Oberstdorf. Hier weihte Bischof Bertram in einem Wortgottesdienst vor der Pfarrkirche St. Johannes Baptist die neue „Friedensglocke“. Mit einem Autokran wurde das gut 350 Kilogramm schwere „Instrument“ auf den Turm gezogen. Die Pfarrkirche hat damit wieder fünf Glocken. Ein anonymer Spender stiftete die Mittel für die Beschaffung der „Friedensglocke“ und trug die Kosten in Höhe von rund 30 000 Euro.

Die neue Glocke ergänzt nach dem Willen des Gönners das bisherige Vierergeläut der Oberstdorfer Pfarrkirche. Bischof Bertram erinnerte in seiner Predigt im Segnungsgottesdienst an die Vorgeschichte der Oberstdorfer Kirchenglocken.Sowohl im Erste als auch im Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kirchenglocken staatlicherseits beschlagnahmt und aus den Kirchtürmen geholt. Im Ersten Weltkrieg seien so bis zu 70 000 Glocken in die Rüstungsbetriebe gebracht und größtenteils eingeschmolzen worden. Seit Ende des Ersten Weltkrieges befanden sich fünf Glocken im Oberstdorfer Kirchturm.

Einen ähnlichen Glockenraubzug gab es im Zweiten Weltkrieg. Diesmal traf es rund 80 000 Kirchenglocken, die größtenteils eingeschmolzen wurden. Nach Kriegsende wurden gerade noch 16 000 Glocken in einem Depot in Hamburg aufgefunden.

Oberstdorfs Erster Bürgermeister Klaus King „begrüßte“ die neue Friedensglocke im Ort.

Im April 1942 sollten bis auf eine Glocke alle abgeliefert werden. Normalerweise blieb nur die kleinste Glocke zurück. Doch in Oberstdorf kam es Dank eines Tricks dann anders. Die große „Dreifaltigkeitsglocke“ mit einem Gewicht von mehr als zwei Tonnen konnte schließlich hängen bleiben; sie hatte schon die Glockenablieferung im Jahr 1917 überlebt. Der Trick: Da Glocken mit hohem Silberanteil als nicht „kriegswichtig“ galten, „veredelten“ beherzte Bürger ihre prächtige Glocke indem sie einen Silbertaler ins Metall einrieben. Die amtliche Prüfung ergab dann tatsächlich einen „hohen Silbergehalt“ und die Glocke war gerettet.

Eine Zeit ohne Glocken wolle und könne er sich nicht vorstellen, so Bischof Bertram Meier. In Oberstdorf sei das fünfstimmige Kirchengeläut jetzt mit der neuen Friedensglocke wieder komplett. Die Glocke sei mehr als ihr bloßer Klang: Schon der Glockenguss stehe sinnbildlich für das menschliche Leben. Aus seinen Talenten und Begabungen das bestmögliche zu machen, sei ein Auftrag. „Werden Sie zu Glocken!“ Die Christen sollten „gut klingen“ und ihr Christsein ruhig an die große Glocke hängen, so Bischof Betram. „Wir haben allen Grund, stolz zu sein auf unseren Glauben. Nicht arrogant, doch selbstbewusst und gelassen, nicht kleinlaut, sondern klar und unüberhörbar.“

Der Bischof besprengte die „Friedensglocke“ mit Weihwasser, beräuchterte sie mit Weihrauch und salbte sie an vier Stellen mit Chrisamöl, bevor Kirchenpfleger Hannes Kirschner nach dieser Weihe die Friedensglocke dreimal anschlug. Dann zog eine Autokran das gut 350 Kilogramm schwere „Instrument“ nach oben wo Arbeiter die Glocke in den Turm bugsierten und schließlich in das Läutwerk einbauten.

Bürgermeister Klaus King fand in seinem Grußwort: „Der Empfang der neuen Glocke in Oberstdorf zeigt, dass die Menschen mehr mit dem Begriff Glocke verbinden.“ Die Friedensglocke möge lange in Frieden läuten können, wünschte King. Pfarrer Maurus Meyer dankte allen, die durch ihre Arbeit und ihr Engagement zum Gelingen der Glockenweihe beigetragen hatten, vor allem dem Spender, der heimatverbunden, gläubig mit der Kirche verbunden sei.

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