Passionsspiel und Bußpredigt beim Oberstdorfer Bockbierfest

Triumphzug des Pfarrers

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Die „hohe Politik“ aus der Region spielte das jubelnde Volk, als der Oberstdorfer Pfarrer Peter Guggenberger (links) als Heiland-Darsteller auf dem Esel - gespielt von Bürgermeister Laurent Mies - unter dert Regie von „Benedicta“ (Franz Bisle) über die Bühne zog.

Oberstdorf – Andernorts dürfen Bürgermeister vielleicht König spielen – in Oberstdorf schlüpfen sie beim Theaterspiel schon mal in die Rolle eines Esels. So geschehen beim jüngsten Bockbieranstich in Oberstdorf, wo die Bußpredigt am Vorabend des Palmsonntags in einem spontanen Passionsspiel gipfelte – Abrechnung mit den sündigen Oberstdorfern inklusive. Das Bockbier-Spektakel, auf die Beine gestellt von Franz Bisle und Mathias Häckelsmiller, begeisterte rund 1000 Besucher.

Gebessert haben sich die „sündigen Oberstdorfern“ seit der letzten Bußpredigt wohl nicht. Zumindest schon beim anfänglichen Disput zwischen der Pfarrhaushälterin Benedicta (Franz Bisle) und dem Novizen Marcellus (Mathias Häckelsmiller) kamen eine Menge „Sünden“ einer ganzen Reihe von Oberstdorfern ans Licht. So hielten etwa die Rechtler das Rotwild in ihrem Gebiet so knapp, dass es im Winter ins benachbarte Revier von Manfred Kurrle ziehe – und der könne gar nicht soviel Hirsche schießen. „Rechtlergebiet ist kein sicheres Herkunftsland“, folgert Benedicta.

Wenn zwei sich streiten, wie etwa der Chef der Oberstdorfer Bergbahnen, Augustin Kröll, und Liftbetreiber Haller im Kleinwalsertal, könne sich Bürgermeister Heid nur freuen über den plötzlichen Schulterschluss der Zusammenarbeit. Einer habe versucht, den anderen lahm zu legen, kommentierte Bisle den alten Streit: „Doch mehr Geld zu machen wär doch nett – da legt man sich gern zamm ins Bett...“

Ans Eingemachte ging es dann im zweiten Teil, als der frühere Oberstdorfer Pfarrer Johannes Nepomuk Stützle – ebenfalls dargestellt von Mathias Häckelsmiller – wieder auftauchte, um den Oberstdorfern die Bußpredigt zu halten. „Ihr sündigen Oberstdorfer! Der Herr sei mit Euch – und mit Euren frommen Gästen!“ Zunächst ging es für drei Oberstdorfer am Abend des Josefstags direkt in den Beichtstuhl, hatten sie doch statt ihren Namenstag gebührend zu feiern und fromm zu würdigen, „dem heidnischen und religiös bedeutungslosen Tage ihrer Geburt gehuldigt“.

Der Jüngste, Hannes Kirschner, habe etwa zu seinem 40. Geburtstag gar ein Feuerwerk abgebrannt, das die Polizei auf den Plan gerufen habe. Und Weinklause-Wirt Günter Nobis feierte seinen 80er mit einer Völlerei, den Heiligen Günter völlig vergessend. Mit seiner „Teufelsgeige“ sei er „außer Rand und Band“ geraten und habe jedes Taktgefühl vermissen lassen.

Den Vogel der Sünde habe wohl Altbürgermeister Edi Geyer abgeschossen mit seiner „pompösen Feier“ zum 80. Geburtstag. Geyer regiere allem Anschein nach noch im Hintergrund – seine Nachfolger könnten das ja offenbar nicht gescheit. Seine Ratschläge würden aber kaum angenommen - „Eduard der Märtyrer“, brachte der Pfarrer es auf den Punkt.

Stützle hatte selbstredend für jedes Beichtkind die passende Buße parat: Kirschner müsse aufgrund seiner einschlägigen Erfahrung mit der Polizei die Erlaubnis für ein Feuerwerk anlässlich der anstehenden Verabschiedung des Oberstdorfer Pfarrers Peter Guggenberger erwirken. Nobis müsse las Gastronom die Verpflegung der Gäste bei diesem Abschied stellen. Und Geyer müsse seinem Wanderfreund Guggenberger eine würdige Laudatio halten. Er, Geyer, habe zweifellos die Fähigkeit alles schön zu reden; das werde ihm sicher auch in diesem Fall gelingen.

Zum großen Finale arrangierten Stützle und Benedicta schließlich Gemeinde- und Kreisräte, Bürgermeister und Landtagsabgeordnete auf der Bühne zu einem Passionsspiel am Vorabend des Palmsonntags. Angeführt von Pfarrer Guggenberger als reitender Jesus-Darsteller und Oberstdorfs Bürgermeister Laurent Mies als Esel, zog die Prozession über die Bühne der Oybele-Festhalle - und ließen sich dann das Hirschbräu-Bockbier schmecken.

Bockbierfest in Oberstdorf

Josef Gutsmiedl

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