Bosch will mit Industrie 4.0 weiter an der Spitze bleiben

Wie in der Formel 1

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Das Tablet gehört längst zum alltäglichen Handwerkszeug, wenn Seyit Yildirim (links) und sein Kollege Emin Memeti die Montageautomaten steuern.

Blaichach - Bosch steht gut da. Und Bosch im Allgäu erst recht. Dieser Tenor prägte das jüngste Jahrespressegespräch des international agierenden Unternehmens. Auch wenn sich Bosch in einem schwierigen Markt gut behauptet habe, gebe es allerdings keinen Anlass, im ständigen Bemühen um Verbesserungen nachzulassen. Im Gegenteil: mit der aktuellen Initiative „Industrie 4.0“ will Bosch seine Marktposition weiter festigen und ausbauen.

Die Geschäftszahlen zeigten einmal mehr: Bosch steht gut da. Johannes Lauterbach, Kaufmännischer Werkleiter, verweist auf die schwierigen Konjunkturbedingungen im vergangenen Jahr. Trotzdem habe man die gesteckten Wachstumsziele übertroffen und das Ergebnis „klar verbessert“. Zudem sei Bosch keine Aktiengesellschaft, die sich Kapital von Anlegern und Investoren holen könne. Bosch finanziere sich aus eigenmer Kraft.

Auch in diesem Jahr sei Bosch gut gestartet und konnte die gute Entwicklung fortführen. In Asien und Nordamerika laufe das Geschäft sehr gut, so lauterbach, „enttäuschend“ dagegen Russland und Südamerika. Bosch im Allgäu hängt von der Entwicklung der Automobiltechnik ab. Von deren Wachstumspotenzial will Bosch als renommierter Komponenten-Hersteller profitieren, etwa bei den Bremsregelsystemen ABS und ESP oder beim neuen i-Booster für Elektromotoren und Fahr-Assistenzsystemen. Das Werk Blaichach / Immenstadt ist in diesen Bereichen Leitwerk im weltweiten Fertigungsverbund.

„Die Automatisierung wird sich weiter fortsetzen“, ist sich Werkleiter Lauterbach sicher. Enorme Entwicklungen erwartet er auf den Gebiet der Fahr-Assistenzsysteme in der Automobil-Technik. Und Bosch sei da längst mit an der Spitze.

Daher werde Bosch die intensiven und vielfältigen Qualifizierungsprogramm für die Mitarbeier fortführen. „Bis vor einem Jahr haben wir noch abgebaut - heute suchen wir Ingenieure und Facharbeiter.“ Lauterbach nimmt den Vergleich mit der Formel 1 im Motorsport: es brauche ein gutes Auto, einen guten, trainierten Fahrer - und letztlich eine perfekte Boxen-Mannschaft. „Irgendwer muss alles auswerten und entsprechende Reaktionen anstoßen.“

„Menschen sind aber nach wie vor der entscheidende faktor“, lenkt Lauterbach den Blick auf die Philosophie von „Industrie 4.0“. Diese „vierte industrielle Revolution“ werde bei Bosch bereits in der Praxis gelebt und konsequent zur Qualitätssteigerung eingesetzt. Bosch wolle die für eine erfolgreiche Zukunft Mitarbeiter halten, neue dazugewinnen und die Mannschaft weiter motivieren. „Älter werden heißt ja nicht kränker zu sein“, so Lauterbach. Durch maßgeschneiderte Präventionsangebote könne jeder Bosch’ler etwas für sich und sein Unternehmen tun. „Die kranken Mitarbeiter verursachen enorme Kosten“, meint Kaufmann Johannes Leuterbach. Was als „Industrie 4,0“ bei Bosch im Allgäu schon Standard ist, soll weiter ausgebaut werden: die Vernetzung aller am Entwiclungs- und Produktionsprozess beteiligten Komponenten. Dadurch, so erläutert Abteilungsleiter Michael Zenker, werde sowohl die Logistik, als auch der Material- und Energieverbrauch reduziert. „Die Komplexität aller Prozesse nimmt zu; riesige Datenmengen sind zu überwachen und auszuwerten. „Das bedeutet nicht den Ersatz des Menschen, sondern vielmehr dessen Entlastung und Unterstützung.“

Konkret bedeutet das etwa, dass der Anlagenbediener im Falle einer Störung in kürzester Zeit auf den Erfahrungsschatz seiner Kollegen weltweit zugreifen kann. Standzeiten seien das Letzte, was in der Produktion gebraucht werde. Mit ein paar „Klicks“ auf dem Tablet-PC können die Spezialisten auf die Lösungen bei vergeichbare dokumentierte Störungsfälle in der Vergangenheit zugreifen und reagieren. Etwaige neue Probleme und mögliche Lösungsvorschläge werden kontinuierlich in das Verfahren eingebracht. „So können wir Störungen und Anfälligkeiten entdecken, verfogen und abstellen“, bringt Zenker es auf den Punkt. „Industrie 4.0 unterstützt den Mitarbeiter, mit den neuen Entwicklungen Schritt zu halten.“

Josef Gutsmiedl

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