Vorne sein, nicht nachlaufen

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In der Fertigungshalle wurden den internationalen Besuchern aus erster Hand erläutert und gezeigt wie Industrie 4.0 bei Bosch im Allgäu umgesetzt wird. Rechts im Bild der Technische Werkleiter, Ruppert Hoellbacher.

Immenstadt - Die vierte industrielle Revolution, die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer Initiative der Bundesregierung und Partnern aus der Industrie – darunter Bosch – auf den Weg gebracht hat, wird Schritt für Schritt zum Alltag. Bei einem Informationstag zeigte Bosch im Allgäu rund 100 Vertretern renommierter Bosch-Partnerunternehmen, wie das ehrgeizige Projekt schon heute in der Praxis umgesetzt wird.

Diese Initiative – Industrie 4.0 – setzt das Bosch-Leitwerk in Blaichach/Immenstadt (BhP) für ABS/ESP®-Bremsregelsysteme für einen weltweiten Bosch-Fertigungsverbund um. In der ländlich geprägten Region Allgäu entwickelt das Werk mit insgesamt über 3.000 Mitarbeitern international führende Technologien unter- schiedlicher Disziplinen zu Fertigungsprozessen, die mit Innovationskraft die industrielle Welt verändern.

Durch das Vorantreiben der kompletten Vernetzung der Fertigung erzielt BhP Produktivitätsfortschritte, die bisher nicht möglich waren. Das Werk gibt ein Beispiel für Schwesterwerke in aller Welt, aber auch für die Zulieferer des Werkes. Trotz hochgradiger Automatisierung und Digitalisierung aller Wertschöpfungsprozesse steht für Bosch im Allgäu bei der Umsetzung von Industrie 4.0 der Mensch im Mittelpunkt – und damit seine Arbeitswelt von Morgen.

In einer Pilothalle für Metallspritzguss-Erzeugnisse wurden 75 Anlagen nach Industrie 4.0 vernetzt. Nächster Schritt ist der Roll-out in die Breite – sowohl bei Bosch als auch bei Zulieferern und Partnern in der Region.

Industrie 4.0

Das Projekt im Bosch-Werk Blaichach/Immenstadt fördere die Mitarbeiter in der digitalen Arbeitswelt und begleitet sie auf dem Veränderungsprozess, unterstreichen die beiden Werksleiter Ruppert Hoellbacher und Johannes Lauterbach. „Industrie 4.0 wird vor allem hinsichtlich Fertigungsplanung und Maschinen-Supp ort als unmittelbare Unterstützung der Mitarbeiter verstanden. Aber auch Logistik sowie Energie- und Ressourcen-Management werden integriert.“ Mit der Einbeziehung der Mitarbeiter setze Bosch ein positives Signal für die weitere Humanisierung der modernen Arbeitswelt.

Durch gezielte Ausrichtung der Aus- und Weiterbildung hat das Projekt Vorbild-Charakter für neue Berufsbilder. Es nutzt die Vertrautheit jüngerer Mitarbeiter mit digitaler Kommunikation und nimmt älteren Mitarbeitern die Angst davor. Ziel ist es, die Digitalisierung nutzbringend zu beherrschen und nicht von ihr getrieben zu werden.

Der Mitarbeiter werde sich vom Anlagenbediener zum Anlagenmanager entwickeln, skizziert Lauterbach die Zukunft. Die Anwendung von mobilen Tablet-Computern ermögliche ihm, die Anlage permanent und gründlicher zu analysieren sowie deren Nutzungsgrad schneller zu steigern.

Dabei erhält der Mitarbeiter Informationen und Handlungs- empfehlungen aus weltweiten Datenbanken. Arbeitspakete mit niedrigeren Anforderungen hingegen werden automatisiert. Dafür entstehen für den Menschen neue Aufgabenfelder. Die Anforderung an die Flexibilität des Mitarbeiters wird weiter zunehmen. Kleinere Gruppen ermöglichen es der Führungskraft, individueller auf Bedürfnisse und Stärken des Mitarbeiters einzugehen.

„Industrie 4.0 steigert die Wettbewerbsfähigkeit von Bosch in Blaichach als Leitwerk und ermöglicht damit die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region“, sind Hoellbacher und Lauterbach überzeugt.

Im Fokus steht im Werk Blaichach/Immenstadt die Produktivitätsverbesserung und der Nutzungsgrad von komplexen Anlagen, wie es einem Weltmarktführer gerecht wird. Energieeinsparpotenziale werden durch den Vergleich sichtbar und Handlungsempfehlungen aus einer Datenbank generiert.

Weiterhin werde das Ziel einer papierfreien Fertigung mittelfristig erreicht. Durch die Vollautomatisierung der Warenströme und intelligenten Sensoren verschlankt das Werk Logistikprozesse und reduzieret Bestände. Gleichzeitig wird Transparenz im Materialfluss entlang des gesamten Wertstroms geschaffen – und das in Echtzeit.

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