"Ohne Frauen funktioniert es nicht"

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Bosch ist in den Startlöchern für die E-Mobilität. Der neue „iBooster“ wird schon im Oberallgäu gebaut - vorerst noch in kleinen Stückzahlen.

Immenstadt/Blaichach - Bange machen gilt nicht. Auch wenn sich Bosch mit der Entwicklung des Geschäftes im vergangenen Jahr nicht zufrieden zeigt, richtet man den Blick nach vorne. 

Innovationen sollen das Unternehmen, das im Oberallgäu knapp 3300 Menschen beschäftigt, an der Spitze halten. Dazu wird auch investiert – in Maschinen, Anlagen in die Entwicklung und in Menschen. Bosch will die besten „Köpfe“ gewinnen und halten. Dabei werden Frauen eine wesentiche Rolle spielen. Das schwache Geschäft in Europa hat Bosch „getroffen“. 

Zufrieden ist weder die Konzernführung noch der Kaufmännische Werkleiter in Blaichach/Immenstadt, Johannes Lauterbach, mit dem Ergebnis des Vorjahres. „Leider sind die Erwartungen für das laufende Jahr nicht viel höher...“ Den Dämpfer schreibt Lauterbach der lahmenden Fahrzeugproduktion zu, die in Europa im Gegensatz zu den USA und Asien noch nicht in Fahrt gekommen sei. Da Bosch in Europa für den europäischen Markt produziere, sei man als klassischer Zulieferer diesem Effekt ausgesetzt. Bosch will sich daher der Herausforderung stellen und das Unternehmen „noch wetterfester machen“, um auf Einbrüche vorbereitet zu sein. Es sei ja durchaus möglich, dass die Wachstumsschwäche weiter anhalte, deutet Lauterbach an. Diverse Bosch-Kunden hätten aktuell Überkapazitäten. 

Zudem sei man als Zulieferer abhängig und einem „enormen Preisdruck“ ausgesetzt, verschärft durch die schwierige Lage der Kunden. Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit lautet folglich die Devise mit der Bosch „durchstarten“ will. Dazu wird auch wieder kräftig investiert am Standort Oberallgäu, also in Immenstadt und Blaichach. Nach gut 37 Millionen Euro im vergangenen Jahr, sind für heuer rund 43 Millionen Euro eingeplant. Allerdings, so gibt Lauterbach zu bedenken, werde Bosch „keine Investitionen tätigen, die nicht ausgelastet sind“. „Wir beobachten die Märkte.“ Der Kostendruck werde bleiben. 

Ein Markt, der für Bosch interessant werden dürfte, ist die E-Mobilität, sprich: die Zukunft der Elektro-Fahrzeug-Technik. Wenngleich die Stückzahlen hier noch hinter den Erwartungen herhinken, will Bosch ganz vorne mit dabei sein. Zum Beispiel mit dem neuen „iBooster“ dem Bremskraftverstärker für Elektro-Fahrzeuge. Stichwort Innovationen. 

„Wir suchen die Besten“, beschreibt Johannes Lauterbach die Strategie, mit der Bosch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (!) gewinen will, um weiterin Innovationsmotor zu sein. Denn diese Mitarbeiter könne man sich „nicht einfach dazukaufen“ wie bestimmte technische Komponenten. Das Unternehmen stehe im weltweiten Wettbewerb nicht zuletzt was die Personalgewinnung angehe. „Wenn es uns nicht gelingt, die Besten zu kriegen, haben wir in Zukunft ein Problem“, stellt Lauterbach fest und fährt fort: „Die Mitarbeiter befähigen uns, dass wir technisch die Nase ein Stück vorne haben.“ Bosch setze sehr viel daran, qualifizierte Mitarbeiter ins Boot zu holen und beim Unternehmen zu halten. 

Dazu weckt man das Interesse für technische Berufe und entsprechende Ausbildungen bei Mädchen und jungen Frauen schon sehr frühzeitig durch verschiedene Projekte, zum Teil in Zusammenarbeit mir den Schulen oder speziellen Aktionen. Der aktuelle Frauenanteil bei den Bosch-Azubis beträgt beispielhafte 40 Prozent. „Wir leben von Innovationen. Dazu brauchen wir die Frauen“, so Lauterbach, „sonst funktioniert es nicht.“ Und Personalchef Bernhard Lösel ergänzt: „Die schwachen Schülerjahrgänge kommen erst noch.“ 

Auch die aktiven „Boschler“ werden wo immer möglich gefördert, etwa durch Qualifizierungsprogramme für Facharbeiter, die auch „Altgedienten“ offenstehen. Kollegen ohne einschlägige Ausbildung können bei Bosch das Förderprogramm zum Maschinen-/Anlagenführer IHK absolvieren. Dazu kommt ein breit angelegtes Paket an Gesundheits- und Präventionskursen.

Josef Gutsmiedl

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