»Nackte Zahlen reichen nicht«

BRK Oberallgäu legt Einsatzbilanz für das »Pandemie-Jahr 2020« vor

Rettungswagen bei starkem Schneefall
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Mit schwierigen Straßenverhältnissen war es nicht getan; Im vergangenen Jahr mussten die Rettungsdienstkräfte auch die speziellen Bedingungen aufgrund der Pandemie-Situation „verkraften“.

Oberallgäu - Zu Jahresbeginn veröffentlichen die Rettungsorganisationen traditionell ihre Einsatzzahlen des Vorjahres. In diesem Jahr reiche die Nennung der Zahlen aber nicht aus, um die Leistung der Rettungsteams zu verdeutlichen, betont Peter Fraas, Leiter Rettungsdienst beim BRK Oberallgäu. „Sie können nicht widerspiegeln, wie sehr Corona unsere Arbeit in diesem außergewöhnlichen Jahr beeinflusst und erschwert hat.“

Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen und des ersten Lockdowns seien die Einsatzzahlen zwar insgesamt um rund zehn Prozent zurückgegangen, so Peter Fraas. Aussagekräftig in Bezug auf die Leistung der Retter seien die nackten Zahlen allerdings nicht, denn der organisatorische und zeitliche Aufwand sei immens gestiegen.

„Aufgrund der strengen Hygienemaßnahmen verlängern sich die Einsatzzeiten deutlich. Die Wiederherstellung eines Fahrzeuges und der Besatzung nach jedem Einsatz nimmt, je nach Exposition mit belastetem Material, bis zu eine Stunde in Anspruch. In dieser Zeit kann das Fahrzeug nicht disponiert werden“, erklärt er. Aufgrund von ausgelasteten Kliniken seien überdies immer wieder längere Transportwege in Kauf zu nehmen. Die Gesamteinsatzdauer habe sich aufgrund dessen im Jahr 2020 im Durchschnitt um rund 10 Minuten erhöht. „Kumuliert man diese Zahlen miteinander, ist die Auslastung der freien Fahrzeuge von 2020 im Vergleich zu 2019 sogar gestiegen“, so Fraas.

Ein wichtiges Anliegen ist es ihm, auf die zusätzliche psychische und körperliche Belastung der Mitarbeitenden des Rettungsdienstes im vergangenen Jahr hinzuweisen und die ungebrochene Einsatzbereitschaft der Frauen und Männer zu würdigen. „Das dauerhafte Tragen von Mund-Nasen-Schutz beziehungsweise FFP2-Masken während des Dienstes und bei den Einsätzen führt zu einer enormen Erschwernis.“ Nicht selten müssten die Retter in Vollschutz, das heißt, in Overall und mit Maske, Brille und Handschuhen Patienten aus einem mehrstöckigen Haus herunter tragen. „In einem Overall gibt es aufgrund der benötigten Dichtheit keinerlei Luftzirkulation. Man fängt sofort zu schwitzen an. Auch die reduzierte Luftzufuhr durch die Maske macht sich bei derartiger Anstrengung deutlich bemerkbar.“ Allen Mitarbeitenden gebühre darum großer Dank und Hochachtung.

Die Zahlen:

Die Zahl der Krankentransporte lag in den vergangenen 12 Monaten im Einsatzbereich des BRK Oberallgäu bei insgesamt 11 752 (2019: 13.371). Der Landrettungsdienst rückte von den Rettungswachen in Kempten, Durach, Altusried, Immenstadt, Oberstaufen, Sonthofen, Oberstdorf und dem Kleinwalsertal zu 3 433 Notfallalarmierungen (2019: 3 920) aus – also durchschnittlich mehr als neunmal pro Tag. 5 630 Mal kam dabei auch der Notarzt zum Einsatz (2019: 5 958). Exorbitant erhöht haben sich die Infektionstransporte. Von rund 100 im Jahr 2019 stieg die Zahl auf 769 Transporte im Jahr 2020.

Hinzu kamen 10 572 nicht verrechnungsfähige Einsätze, wie z.B. Notarztzubringer, Werkstattfahrten, Gebietsabsicherungen oder klassische Fehleinsätze (2019: 10 997). Bei alledem legten die Fahrer 904 903 km (2019: 942 903 km) zurück. Die Crew des Rettungshubschraubers Christoph 17 leistete 1 495 Luftrettungs-Einsätze (2019: 1 619), davon wurden 103 Einsätze mit einem sogenannten Bergetau geflogen, d.h. der Hubschrauber konnte nicht direkt am Einsatzort (meistens im Gebirge) landen.

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