Brückensprengung Blaichach/Burgberg: Mehr als 1000 Zuschauer wollten das Spektakel live erleben

Ein lautes "Bumm" und weg war die Brücke

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Ein Open Air der besonderen Art ging am vergangenen Freitagabend an der Iller zwischen Blaichach und Burgberg über die Bühne. Um 19.30 Uhr wurde die Brücke über die Iller und die B19 gezielt gesprengt. Mehr als 1000 Zuschauer konnten das „Jahrhundertereignis“ aus sicherer Entfernung beobachten.

Mit einer spektakulären Sprengung eines Turmes oder eines Hochhauses hatte das Aus für die Brücke allerdings nichts zu tun: ein Hornsignal, ein dumpfes Krachen, ein paar Staubfontänen schießen aus dem Betonmassiv, einige Betonbrocken fliegen in die Luft... Die 52 Jahre alte Brücke geht in die Knie und sackt in sich zusammen. Die Trümmer liegen auf der – gesperrten – Bundesstraße und in der Iller. Nach der Sprengung ging das „große Aufräumen“ los, um die Bundesstraße möglichst bald wieder öffnen zu können.

Auch wenn das Landratsamt Oberallgäu ganz gezielt die Möglichkeit angeboten hatte, das Sprengspektakel aus sicherer Entfernung live zu verfolgen, waren Andreas Kaenders und Florian Vogel von der Kreisverwaltung doch überrascht, wieviele Burgberger und Zuschauer aus dem Oberallgäu gekommen waren an diesem frühen Abend.

Auch Burgbergs Zweite Bürgermeisterin, Marlene Hierl, ließ sich das Open Air an der Iller nicht entgehen. „Ich kenne die Brücke ja von Kindesbeinen an und lebte während des Baus damals nur einen Katzensprung weit weg...“, meinte sie und sah sich in guter Gesellschaft vieler junger und älterer Mitbürger. „Das Ende für eine so große Brücke sieht man nur einmal im Leben...“ Die Freiwillige Feuerwehr Burgberg hatte für die Verpflegung der rund 1000 Zaungäste der Sprengung gesorgt; ein Trio spielte vor und nach dem „großen Rumms“ auf. Ein bisschen Volksfeststimmung am frühen Abend.

Und es hat "Bumm" gemacht - Brückensprengung B19

Dem spannenden Moment gingen aufwändige Vorbereitungen voraus. So waren an den beiden Rampen auf Burgberger und Blaichach Seite die Fahrbahn und Betonfundamente entfernt worden; die Zufahrt zu den Schrebergärten wurde ebenfalls schon Tage vorher beseitigt. Selbst an die kleinen Untermieter im Brückenbau hatte man gedacht, Vögel vergrämt und kleinem Getier mit viel Umsicht den Rückzug und Umzug in sichere Bereiche in der Umgebung ermöglicht. Zuletzt, nur wenige Minuten vor der Sprengung, wurde eine kleine Sprengung in der Iller gezündet, um Fische im unmittelbaren Fallbereich der Trümmer zu vertreiben. Letzter „spürbarer“ Eingriff: Sperrung der B19 in beiden Fahrtrichtungen ab 18 Uhr für zwölf Stunden. Eine dicke Kiesschüttung sollte die Wucht der einstürzenden Brückentrümmer dämpfen, um Schäden an der Fahrbahn zu vermeiden.

Die Sprengung selbst hatte Sprengmeister Eduard Reisch vorbereitet und geplant. Um das rund 2000 Tonnen schwere Brückenbauwerk samt der vier Pfeiler möglichst sauber zu Fall zu bringen, wurden nicht nur die Sprengstoffpäckchen optimal platziert, sondern auch rund 50 Tonnen Sprengschutzmatten angebracht. Zum Einsatz, so erläuterte Reisch, der schon einige spektakuläre Sprengungen „inszenierte“, kam dabei gelatineartiger „Plastiksprengstoff“. 165 Kilogramm insgesamt, portioniert in 86 Sprengpatronen. Zum „Abschied“ von der Mitte der 1960er Jahre gebauten Brücke gab es dann einen richtigen Countdown – und schließlich einen pünktlichen „Kracher“ um 19.30 Uhr. Ein paar Staubfontänen schossen aus dem Betonkörper – dann fiel sie zusammen, die alte Brücke über die Iller.

Nach einer Kontrolle durch Mitarbeiter des Sprengunternehmens, rückten auch schon die Bagger und Brechmaisel an, um die Trümmer weiter zu zerlegen und einen zügigen Abtransport des Schutts zu ermöglichen. Neben der Fahrbahn der B19 musste vor allem das Flussbett der Iller schnell wieder frei geräumt werden. Die Brücken- trümmer hatten nur einen kurzzeitigen geringen Rückstau in der Iller bewirkt. Pünktlich am Samstagmorgen um 6 Uhr konnte die Bundesstraße wieder für den Fahrzeugverkehr freigegeben werden.

Der Betonschutt wird auf eine Deponiefläche bei Rauhenzell gebracht, dort zerkleinert und an geeigneten Baustellen wieder verwendet. Der Stahlschrott aus der alten Brücke, rund 200 Tonnen, wird dem Schrotthandel zugeführt. „Ein großes Geschäft ist das aber nicht“, wie Bauleiter Andreas Pischetsrieder betont. Bis in etwa eineinhalb Jahren soll die neue Brücke stehen. Rund neun Millionen Euro wird der erneute Brückenschlag im Zuge der Kreisstraße OA29 kosten.

Josef Gutsmiedl

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