Fernsehdebatte zum umstrittenen Lichtprojekt am Riedberger Horn

Schlagabtausch vor laufender Kamera

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Katharina Lässer und Anna-Maria Vögel sehen im Liftverbund eine Qualitätsverbesserung und Perspektive für junge Menschen  im Balderschwanger Tal.

Obermaiselstein/Balderschwang – Mit der Sendung „BürgerForum live“ machte das Bayerische Fernsehen Station in Obermaiselstein. Thema der Live-Sendung: das umstrittende Liftprojekt am Riedbergerhorn. Gegner und Befürworter stellten im Gespräch mit Moderator Tilman Schöberl ihre Sichtweisen dar. Steht die Urlaubsregion auf der Kippe? Oder wird wertvoller Naturraum zerstört?

„Wir brauchen den Tourismus. Schließlich muss unsere Jugend eine Persepktive haben, wenn wir sie hier in der Region halten wollen“, sagte die Inhaberin einer Geschäftes in Balderschwang. Leidenschaftliche Schützenhilfe erhielt sie von zwei jungen Balderschwangerinnen, die ebenfalls den Blick in die Zukunft lenkten. Katharina Lässer, nach dem Studium ins Balderschwanger Tal zurückgekehrt, unterstrich: „Wir brauchen eine Chance auf Weiterentwicklung.“ Mit unberührter Natur allein gehe das wohl nicht. Und wer ehrlich sei, müsse einräumen, dass am Riedbergerhorn „ohnehin alles befahren“ sei, verwies sie auf die zahlreichen Tourengänger und Schneeschuhwanderer, die sich dort tummelten.

Anna-Maria Vögel ergänzte: „Alle hier sind für das Projekt, gerade auch wir jungen Leute.“ Die Einheimischen wüssten sehr wohl, wie man pfleglich mit Natur und Umwelt umgehe. Immer wieder höre sie von Urlaubsgästen, dass man im Sommer von den Auswirkungen des Wintersports nichts erkenne. „Es muss sich doch eine einvernehmliche Lösung finden lassen“, appellierte sie unter dem Beifall der meisten der rund 200 Besucher der Live-Sendung im Haus des Gastes in Obermaiselstein.

Zuvor hatte Berni Huber, Geschäftsführer der Grasgehrenlifte, dargestellt, warum es dringend einer Qulitätsverbesserung der Skigebiete Balderschwang und Obermaiselstein bedürfe: „Wir befinden uns in der schneesichersten Ecke Deutschlands, fahren aber mit unseren Liftanlagen der Konkurrenz seit langem hinterher. Wir können und wollen im Konzert der Großen nicht mitspielen. Eine Verbesserung des Skigebietes durch den Liftverbund ist aber unbedingt erforderlich.“

Hotellier Rudi Torghele pflichtete bei: „Es ist zwingend und dringend, dass was passiert!“ Die benachbarten Skigebiete hätten Millionen investiert. „Wir wollen keinen Konkurrenzkampf führen, aber Qualitätsverbesserungen sind notwendig.“

Eine Qualitätsverbesserung sehen Huber, die Liftbetreiber und die beiden Bürgermeister der Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein in einem Liftverbund am Ried- bergerhorn. Die Bergbahn soll beide Skigebiete verbinden und so wettbewerbsfähig erhalten. Zudem, so Obermaiselsteins Bürgermeister Peter Strehle, sei der Gipfelbereich bei der aktuellen Planung gar nicht betroffen. Die Bergstation befinde sich 400 Meter entfernt und 100 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. „Rauhfußhühner gibt es hier in rauen Mengen – obwohl seit 48 Jahren Lift- und Skibetrieb stattfindet.“

Wesentlicher Haken bei der Sache: die Trasse führt ein Stück weit durch die Schutzzone C des Bayerischen Alpenplans, der keinerlei Eingriffe zulässt. Ein „Schlupfloch“ gibt es allerdings in Form eines sogenannten Zielabweichungsverfahrens, das die beiden Gemeinden eingeleitet haben. Genau gegen diese mögliche Ausnahme laufen die Gegner des Projektes Sturm. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern: Bei allem Verständnis für die Interessen der Bürger dürfe man „das Kapital des Tourismus“, die naturnahe Landschaft, nicht opfern. „Es geht hier nicht nur um einen Ausbau – es ist ein Neubau.“ Der Bayerische Alpenplan mit der Schutzzone C als „Tabuzone“, so Weiger weiter, habe sich seit 43 Jahren „absolut bewährt“. Konkret gehe es am Riedberghorn um 25 Hektar wertvolle Biotopflächen und sechs Hektar Bergwald. Eines der letzten größeren Gebiete ohne Erschließung sei akut gefährdet. Henning Werth vom Landesbund für Vogelschutz LBV: „Der Bestand der hier lebenden Birkhühner – das Quellgebiet dieser Art in der Region – ist durch weitere Erschließung bedroht.“

Die Krux beim Zielabweichungsverfahren sei, so findet Ulli Leiner, Landtagsabgeordneter der Grünen, dass man damit einen Präzedenzfall schaffe, der woanders Begehrlichkeiten wecke. Eine wesentliche Verbesserung des Tourismusgeschäftes durch den Liftverbund erwarte er nicht: „Die Leute kommen wegen der Natur und Landschaft. Wir haben Alternativen und müssen sie ausbauen.“

Ein positiver Entscheid im Zielabweichungsprozess sei noch längst kein Freibrief für die Projektplaner. Bernward Lingemann aus Fischen verwies in der Diskussion auf die „Qualität des Verfahrens“ mit einer sorgfältigen Abwägung. Das meinte – nach der Live-Sendung – auch der Fischinger Bürgermeister Edgar Rölz. Schließlich folge dann erst das eigentliche Genehmigungsverfahren nach dem Baurecht.

Mit einer Entscheidung des Kabinetts der Bayerischen Staatsregierung rechnet der Oberallgäuer CSU-Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger in den kommenden Wochen. „Diese Entscheidung wird wohl abgewogen sein.“ Ein reines Nein zu dem Projekt hält Beißwenger für „zu einfach und respektlos gegenüber den Befürwortern“. Schließlich seien im Falle von tragbaren Beeinträchtigungen Ausgleichsmaßnahmen verpflichtend festgeschrieben, gibt er zu bedenken: „Die Alpen brechen deshalb nicht zusammen.“ Obendrein sei die bestehende Schutzzone C „so unberührt auch nicht“, verweis er wie einige seiner Vorredner auf den regen Tourengängerbetrieb rund um das Riedbergerhorn. Das Problem Präzedenzfall und Aufweichung des Prinzips der Schutzzonen werde wohl überschätzt. Jeder Fall werde als Einzelfall sorgfältig geprüft.

Josef Gutsmiedl

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