Sonthofen: Unterkunft für weitere 100 Asylbewerber auf Kasernengelände

"Gemeinsam schaffen wir es"

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"Wie kann ich helfen?" – Darüber informierten sich zahlreiche Sonthoferinnen und Sonthofer beim "Runden Tisch Asyl Sonthofen".

Sonthofen – Die Krisen der Welt lassen auch die Region nicht unberührt. Immer mehr Menschen bitten in Deutschland um Asyl, im Landkreis Oberallgäu rechnet man damit, dass bis Jahresende 1.800 bis 2.000 Asylbewerber untergebracht werden müssen.

Auf einer gut besuchtenInformationsveranstaltung in Sonthofen informierten am Montag Stadt, Landkreis, Caritas und der „Runde Tisch Asyl“ über die aktuelle Situation in der Kreisstadt.

„Hätten wir die Bundeswehr nicht, würde es bei uns anders ausschauen“, wies Bürgermeister Christian Wilhelm darauf hin, dass in Sonthofen nicht – wie in vielen anderen Städten – Turnhallen oder ähnliches als Unterkünft für Asylbewerber genutzt werden müssen. Auch zeigte sich Wilhelm darüber erfreut, dass so viele Zuhörer ins Haus Oberallgäu gekommen waren, um sich über die Situation zu informieren. „Jeder kann sich selbst entscheiden, ob ihn das Thema interessiert oder ob es ihn kalt lässt“, so Dr. Armin Ruf von der Caritas.

Aktuell leben in Sonthofen 56 Asylbewerber, davon 24 in Gemeinschaftsunterkünften (getragen vom Freistaat Bayern) und 32 dezentral in Unterkünften, die vom Landratsamt zur Verfügung gestellt werden. Hinzu kommen die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Grüntenkaserne. Die Menschen dort bleiben etwa eine Woche, bevor sie landesweit auf Unterkünfte verteilt werden.

Vermutlich Ende nächster Woche werden die ersten Asylbewerber in die Container einziehen, die auf dem Areal der Grüntenkaserne an der Ostrach aufgebaut wurden. 100 Menschen sollen dort Platz finden, das Gelände wird vom restlichen Kasernenareal mit einem Zaun abgetrennt. Die Container werden eine Holzüberdachung bekommen, damit die Menschen dort auch im Winter leben können. Zudem befinden sich Stadt und Bundeswehr derzeit in Verhandlungen, ob ein weiteres, unbenutztes Gebäude in der Grüntenkaserne mit 85 Betten als Asylunterkunft oder als Unterkunft für unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge benutzt werden kann.

Bislang gebe es in Sonthofen einen positiven Umgang mit den Asylbewerbern, so Bürgermeister Christian Wilhelm. Ohne die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer des Runden Tisch Asyl Sonthofen rund um Sozialreferentin Elfriede Roth – etwa 50 Personen – wäre dies nicht möglich. Roth berichtete, in welchen Bereichen sich die Helfer engagieren: Als Familienpaten, in Deutschkursen – schließlich sei Sprache „das A und O bei der Integration“ –, in der Fahrradwerkstatt, der Kleiderkammer der Erstaufnahmeeinrichtung, als Lernhelfer oder als Begleitung bei Arztbesuchen. Dank der „unglaublichen Spendenwelle“ seien die Kleiderkammer und sämtliche Lager im Moment so voll, dass die Helfer nichts mehr annehmen könnten. Ende Oktober werde die Lage wohl schon wieder anders sein, schließlich kommen pro Woche 200 bis 300 neue Flüchtlinge. „Viele haben nur das, was sie am Leib tragen“, so Roth weiter, manche sind barfuß und haben kaputte Schuhe. In der Kleiderkammer werden die Menschen mit dem Nötigsten ausgestattet. Auch bei der Abreise der Asylbewerber helfen Ehrenamtliche am Bahnhof, damit kein Chaos entsteht.

Der Runde Tisch Asyl kümmert sich sowohl um die Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung als auch um die Asylbewerber, die länger in Sonthofen leben. „Uns allen liegt das Wohl der Menschen am Herzen, die so kurz bei uns sind“, so Roth weiter. „Gemeinsam schaffen wir es, die Flüchtlinge bei uns aufzunehmen und ihnen eine neue Heimat zu geben.“

Neben grundsätzlichen Informationen – woher kommen die Menschen, wovor fliehen sie, warum kommen sie nach Deutschland, wie hoch ist die Anerkennungsquote für verschiedene Herkunftsstaaten – wurde auf der Bürgerinformation in Sonthofen auch über den Ablauf des Asylverfahrens in Deutschland informiert. Durch die hohen Flüchtlingszahlen dauere die Bearbeitung eines Asylantrages derzeit sehr lange, berichtete Caroline Wirth, Migrations- und Flüchtlingsberaterin der Caritas im südlichen Oberallgäu. So warte beispielsweise einer der Asylbewerber in Sonthofern bereits seit zweieinhalb Jahren auf den Bescheid, ob er bleiben darf oder nicht.

Die Polizei in Sonthofen befasse sich auch intensiv mit der Thematik, erläuterte der Leiter der Polizeiinspektion Armin Hölzler. Er sehe jedoch „überhaupt keine Probleme, was die Kriminalitätsentwicklung angeht“. Außer kleineren Streitigkeiten unter den Bewohnern gebe es keinerlei Auffälligkeiten. Auf eine Frage aus dem Publikum bezüglich fremdenfeindlicher, „menschenverachtender Haßparolen“ in den sozialen Netzwerken antwortete Hölzler, dass man jederzeit bei der Polizei Anzeige in solchen Fällen erstatten könne.

Gerüchte in Sonthofen, dass die Asylbewerber ständig Fahrräder klauen, seien falsch. In der Mittelschule gebe es eine Fahrradwerkstatt, in der Asylbewerbern gemeinsam mit Schülern alte, gespendete Fahrräder herrichten. Diese würden dann mit einem Aufkleber versehen, der sie als Eigentümer nennt, so Elfriede Roth. Ebenso falsch seien die Gerüchte, dass vor der Erstaufnahmeeinrichtung viel Müll herumliege, der dann mit öffentlichen Geldern beseitigt werden müsse – der Sicherheitsdienst sei sehr bemüht, dass es dort sauber bleibe. Innerhalb der Unterkunft sei es einfach nötig, dass sie zwischen Ab- und Anreise der Flüchtlinge gereinigt würden. In den festen Unterkünften putzen die Bewohner selbst.

Eva Veit

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