Bürgermeister und Landtagsabgeordnete fordern von Voith solidarische Verantwortung

"Wo ist die Gerechtigkeit?"

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Die Streikenden lassen sich immer wieder neue Aktionen einfallen, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Derzeit stehen Holzfiguren vor dem Werk.

Sonthofen – Die Schließung des Voith-Werks in Sonthofen steht fest. Jetzt laufen die Verhandlungen über einen Sozialplan. Die Belegschaft hat vor dem Werk Plakate angebracht und Holzfiguren aufgestellt. Sie machen deutlich, dass hinter den 500 Arbeitsplätzen Menschen mit Familien stehen. Die Schließung sorgt nicht nur bei der Voith-Belegschaft, sondern auch bei Politikern für Unverständnis.

Der Sonthofer Bürgermeister Christian Wilhelm sowie die Allgäuer Landtagsabgeordneten Thomas Kreuzer (CSU), Dr. Leopold Herz (FW), Dr. Dominik Spitzer (FDP), Eric Beißwenger (CSU) und Thomas Gehring (Die Grünen) fordern in einem gemeinsamen Schreiben die Voith-Geschäftsführung zum Erhalt der Arbeitsplätze auf.

Fotostrecke: Arbeitskampf Voith Sonthofen

"Inkompetenzkompensationszentrum: Die Schmitte Sonthofen kämpft für die Kompensation der Inkompetenz von Heidenheimer Managern" © Sabine Tulachan
Die Streikenden lassen sich immer wieder neue Aktionen einfallen, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Derzeit stehen Holzfiguren vor dem Werk. Zwischen jeder Figur sind drei Meter Abstand; ein „corona-konformer“ Streik. © Sabine Tulachan
Vor dem Werk haben die Streikenden einen Banner angebracht. Darunter zahlreiche Fotos der Familien, die von der Schließung betroffen sind. © Sabine Tulachan
Die Streikenden lassen sich immer wieder neue Aktionen einfallen, um auf ihre Forderungen aufmerksam zu machen. Derzeit stehen Holzfiguren vor dem Werk. Zwischen jeder Figur sind drei Meter Abstand; ein „corona-konformer“ Streik. © Sabine Tulachan
Auf den Plakaten stehen Sätze wie „Do isch mei Huimat“, „Voith zerstört unsere Zukunft“ und „Wo ist die Gerechtigkeit?“ © Sabine Tulachan
500 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. © Sabine Tulachan

In ihrem offenen Brief an die Voith-Manager Dr. Siegfried Russwurm, Dr. Toralf Haag und Dr. Uwe Knotzer fordern die Politiker eine Erklärung, warum ein Verkauf des Standortes an einen externen Investor nicht in Frage kommt: „Es ist für uns in keiner Weise nachvollziehbar, warum ein Verkauf des Standortes Sont- hofen nicht dringlich von Ihrer Seite in Erwägung gezogen werden sollte, zumal glaubhaft Interesse von Investoren vorliegt. In diesen Konzepten wird davon ausgegangen, dass die gesamte Belegschaft Ihren Arbeitsplatz behalten kann.“

Die Politiker betonen in ihrem Schreiben, dass gerade in der Corona Krise der Arbeitsplatzverlust für die Belegschaft verheerend sei. Kein anderes Unternehmen im Allgäu würde in dieser Krise so agieren. „Vielmehr zeigen flächendeckend gerade jetzt die Betriebe in allen Branchen solidarische Verantwortung im Sinne unserer sozialen Marktwirtschaft.“

Nicht zuletzt aufgrund der positiven Bilanzen des Werks in Sonthofen, gebe es mehrere seriöse Investoren, die an einer Betriebsübernahme interessiert wären. „Die von Ihnen angekündigte Schließung ist keineswegs alternativlos. Es besteht ganz konkret die Möglichkeit des Erhalts aller Arbeitsplätze.“ Im Fall einer Betriebsübernahme würde sich die Stadt Sont- hofen „unterstützend einbringen“. Die Politiker weisen außerdem auf die Möglichkeiten der Minderheitsbeteiligungen an einer neuen Gesellschaftsstruktur oder Kooperationspartnerschaften mit neuen Investoren hin.

Abschließend fordern sie die Geschäftsführung auf, die Schließung des Werks zu überdenken: „Wir wiederholen hiermit nochmals den Appell an Sie, sich dem Gedanken alternativer Lösungen, wie einer Übernahme des Standortes als Ganzes oder teilweise durch ein anderes Unternehmen, zu nähern, im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort und der sozialen Verantwortung, die Sie als Unternehmer haben. Insbesondere als Vertreter eines traditionsreichen Familienunternehmens.“

Seit Montag, 19. Mai, laufen die Verhandlungen zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmervertretern für einen Sozialplan. Voith will seine Verlagerungen der Standorte Sonthofen, Mülheim und Zschopau am 1. Juni beginnen. Bis Ende September soll alles abgeschlossen sein.

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