Gut besuchte Bürgerversammlung – Sonthofen ist bei den Finanzen auf einem guten Weg

Sonthofen: "Halbzeit" für Bürgermeister und Stadtrat

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An den Infoständen im Foyer konnten sich die Bürger vorab über aktuelle Projekte der Stadt informieren und mit Mitarbeitern der Stadtverwaltung ins Gespräch kommen.

Sonthofen – Rund 120 Sont­hoferinnen und Sonthofer waren am Montag zur Bürgerversammlung ins Haus Oberallgäu gekommen. Auf der Tagesordnung standen Finanzen, Projekte der Stadtentwicklung und das "Reizthema" Parkgebühren. 

Zunächst konnten sie sich an Infoständen im Foyer über aktuelle Entwicklungen in den einzelnen Fachbereichen informieren, bevor 1. Bürgermeister Christian Wilhelm in seinem Jahresbericht über die finanzielle Situation der Stadt, Projekte der Stadtentwicklung und als „Reizthema“ über die geplante Änderung der Parkgebühren sprach.

„Wir haben Halbzeit in dieser Wahlperiode“, so Sonthofens 1. Bürgermeister Christian Wilhelm in seiner Begrüßung zur Bürgerversammlung – Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen. Ein großes Lob richtete Wilhelm an all diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren. Das enorme Engagement zeichne Sonthofen im Vergleich zu anderen Gemeinden aus. Die Stadt habe weiterhin finanzielle Engpässe, der Schuldenberg ist nach wie vor sehr hoch, allerdings könne man im Moment „finanziell durchatmen“, so Wilhelm weiter. Auch das Problem fehlender Wohnraum und Gewerbeflächen sei nach wie vor aktuell, auch wenn kleine Fortschritte gemacht worden seien. Ein Erfolg des amtierenden Stadtrates sei auf jeden Fall das Thema Hundeklos, das vielen Bürgerinnen und Bürgern wichtig war und das inzwischen als erledigt gelten kann. Wichtig für ihn, so Christian Wilhelm weiter, sei es, die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Dennoch müsse er manchmal klar sagen, dass das Eigeninteresse dem Gemeinwohl unterzuordnen ist.

Finanzielle Situation

Der Haushalt der Stadt Sont­hofen hat in diesem Jahr ein Gesamtvolumen von 53 Millionen Euro. Laut Wilhelm wird es die Stadt voraussichtlich auch heuer schaffen, mehr Einnahmen als geplant zu generieren – vor allem bei der Gewerbesteuer und dem Einkommenssteueranteil – und die Ausgaben geringer zu halten als geplant. Dadurch kann mehr Geld als geplant in den Vermögenshaushalt abgeführt und somit mehr Schulden beglichen werden.

Die größten Investitionen in diesem Jahr sind neben dem Straßenbau im Bereich Hochbaumaßnahmen zu finden, hier sticht vor allem der Umbau der Fachoberschule hervor. Außerdem plant die Stadt Grundstücke im Wert von etwa 3,6 Millionen Euro zu erwerben (für Gewerbeansiedlungen und Wohnraum). Ob die Grundstückskäufe noch 2017 realisiert werden können sei jedoch noch nicht klar, so Wilhelm.

Sonthofen hat noch einen großen Schuldenberg – Ende 2017 voraussichtlich noch 31,5 Millionen Euro – allerdings konnte die Stadt seit Ende 2012 fast 8 Millionen Euro an Schulden abbauen. Das gesetzte Ziel, bis 2020 unter 30 Millionen Euro „zu rutschen“ wird wohl schon Ende 2018 erreicht sein, freute sich Wilhelm bei der Bürgerversammlung. Weniger Schulden bedeuten natürlich auch eine geringere Zinslast, dadurch spart sich die Stadt im Vergleich zu 2013 pro Jahr rund 330 000 Euro.

Der Abbau der Schulden ist auch von dem her wichtig, dass auf Sonthofen in den kommenden Jahren wieder große Aufgaben, und damit Ausgaben, zukommen. Der Neubau des Busbahnhofes und die Konversionsmaßnahmen (Grunderwerb, Durchführung der Maßnahmen) können ohne die weitere Aufnahme von Krediten nicht bewältigt werden, so Wilhelm. Allerdings sei sowohl bei den Schulen als auch im Bereich der Kanal- und Wasserleitungen in den nächsten Jahren nicht mit größeren Ausgaben zu rechnen.

Radstadt Sonthofen

Sonthofen hat viel vor in den nächsten Jahren. Ganz oben auf der Agenda steht das Projekt Radstadt, so Christian Wilhelm in seinem Jahresbericht. „Was macht uns einzigartig?“ – diese Frage beschäftigte den Stadtrat schon lange. Gerade im Bereich Tourismus muss sich eine Gemeinde positionieren, um mit anderen Tourismusorten mithalten zu können. Bislang fehlte ein Alleinstellungsmerkmal. Alpenstadt, Fairtrade Stadt, Luftkurort, Sportstadt, Klimaschutzgemeinde – vor allem aber mit dem Etikett Radstadt will die Kreisstadt künftig punkten. Und sie ist auf einem guten Weg. Der Stadtrat sieht im Bereich des Radelns eine einmalige Chance, die Stadt zukunftsorientiert und nachhaltig zu Positionieren. Als „Radstadt“ soll die Lebensqualität in Sont­hofen langfristig gesichert werden – schließlich ist damit das Ziel verbunden, den Autoverkehr in der Innenstadt zu reduzieren. Sonthofen nutzt den derzeitigen „Radboom“, und stellt sich damit auf den Klimawandel ein, der immer weniger Schnee mit sich bringt. Wichtig: Alle müssen sich einbringen: Die Stadtverwaltung, Wirtschaft und Handel, die Bürger und auch die Tourismusbetriebe.

Erste Erfolge sind bereits zu verbuchen. So ist Sonthofen seit Juni Mitglied der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen und im August war die BR Radltour zu Gast. Auch wurde die Beschilderung für Radfahrer verbessert, Radwege neu markiert, Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet und seit Oktober wird an einer Radverkehrskonzeption gearbeitet.

Mobilitätszentrum

Ein weiterer Punkt beim Thema Stadtentwicklung ist das Projekt „Bahnhof – Umbau zum Mobilitätszentrum“. Die Pläne für den Umbau des Bahnhofsvorplatzes sehen unter anderem die Verlegung des Busbahnhofs und eine verbesserte Parkplatzsituation vor. Derzeit ist noch nicht klar, wer das Bahnhofsgebäude erwerben wird, deshalb dauert die Umsetzung der Maßnahmen noch an, so Wilhelm.

Konversion

Auch auf das Thema Konversion kam der Bürgermeister zu sprechen. Derzeit laufen auf den Kasernenarealen Voruntersuchungen, die sich auch auf den Kaufpreis auswirken werden. Die Stadt verhandelt bereits mit der BIMA darüber. Mit dem von der Stadt Sonthofen ins Leben gerufenen Netzwerk „Industrie 4.0“ wurden auch hier Erfolge erzielt: Im Bereich der Jägerkaserne will die Stadt sich auf lange Sicht als „Technologietransferzentrum“ bewerben – die Fachhochschule Kempten möchte auf dem Areal womöglich Gebäude nutzen. Das Gewerbegebiet, das in der jetzigen Jägerkaserne geplant ist, soll von Synergieeffekten des Netzwerkes profitieren.

Weiterhin will die Stadt sich für eine Landesgartenschau auf dem Gelände der Grüntenkaserne bewerben. Für Christian Wilhelm bietet eine Gartenschau viele Vorteile: Viele Elemente, die dafür gebaut werden, bleiben für die Zukunft. Es gibt Fördergelder von Seiten des Freistaates und auch von der EU. Und: Die Kosten für die Erschließung des Geländes muss die Stadt sowieso aufbringen, ob mit Gartenschau oder ohne.

eva

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