"Europa hat seinen Preis"

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Der Europäische Gedanke ist das Beste was Europa passieren konnte, meinen Harald Voigt rechts), der Kreisvorsitzende der Europa-Union Oberallgäu, Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl (von links), der FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae und Bundesaußenminister Guido Westerwelle.

Sonthofen - Hoher Besuch in Sonthofen. Auf Einladung der Europa-Union Oberallgäu machte Bundesaußenminister Guido Westerwelle Station in Sonthofen – zwischen einem Gespräch mit seinem schweizerischen Ministerkollegen und einem weiteren Termin in München. „Man müsste Europa erfinden, wenn wir es nicht schon hätten“, so die markante Bilanz. Bei aller Krise: das Europa wie es die Menschen seit sechs Jahrzehnten kennen, habe sich bewährt.

Der Allgäuer FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae hatte das Thema der Rede anlässlich die Europa-Woche im Oberallgäu für Parteifreund Westerwelle mit der Feststellung „Europa hat seinen Preis“ angedeutet. „Aber kein Europa zu haben, hätte einen viel höheren Preis.“ Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl griff die Aussage auf und ergänzte: „Alles, was seinen Preis hat, hat auch seinen Wert.“ Europa habe einen großen Wert. Wenn Europa nicht mehr gebracht hätte als einige Jahrzehnte ohne Kriege, hätte es sich schon gelohnt, griff der Bundesaußenminister die Anmerkungen auf. 

Er kenne das Tagesgeschäft Europa – lange Gespräche und Verhandlungen und kleine Fortschritte. Doch mühevolles, nächtelanges Verhandeln um Kooperation sei allemal besser als Konfrontation. „Schätzen wir, was wir haben!“ so Westerwelles Appell. „Wir wissen manchmal nicht, wie gut es uns geht.“ Damit das so bleibe, müsse man Europa als Ganzes sehen – Deutschland sei in Europa relativ groß, in der Welt aber relativ klein. Weltweit würden in kürzester Zeit Milliarden-Investitionen umgesetzt, lenkt Westerwelle den Blick auf Projekte in Asien und bemerkt: „Dann komme ich zurück und denke an Bahnhöfe und Flughäfen...“ 

Europa müsse schneller und besser werden. Gerade Deutschland habe keinen Grund zu Hochmut gegenüber seinen Nachbarn und Bemerkungen wie „ein Exempel statuieren“ seien Fehl am Platz. Gerade wenn es einem nicht so gut gehe, schätze man einen partnerschaftlichen Umgang, so der Appell des Bundesaußenministers. „Der Ton macht die Musik.“ Es werde der deutschen Wirtschaft auf Dauer nicht gut gehen, wenn es seinen Nachbarn schlecht gehe, meint Westerwelle. Westerwelle will Europa als Solidaritäts- und Kulturgemeinschaft verstanden wissen. Es gehe nicht darum, mehr Europa zu schaffen, sondern ein besseres Europa. Er denkt an eine Weiterentwicklung zu einer politischen Union, „demokratischer, transparenter“. „Europa ist noch immer an den Krisen gewachsen“, sagt Guido Westerwelle und macht Mut zu Engagement. Seine Bitte: nicht in den Chor einstimmen, „man könnte den Euro abwickeln“. Mit dem Euro verliere Europa mehr als eine Währung. Er fordert, den Euro zu stützen und Solidarität zu zeigen, „auch wenn es schmerzt“. Die Jugend solle in Europa „leben, lernen, lieben und glücklich werden...“ Doch Europa könne nur leben, wenn die Bürger mitmachten, schließt der Bundesaußenminister seine Betrachtungen. In der anschließenden Diskussion mit Bürgerinnen und Bürgern erteilte Westerwelle der Resignation und der Bequemlichkeit eine Abfuhr. 

„Es ist gut, wenn die Jugend antreibt, aber manche Dinge brauchen Zeit“, so der FDP-Minister. Entscheidend sei das Mitmachen. Nicht zur Wahl zu gehen etwa, komme einer Ohrfeige für alle Menschen gleich, die zu Wahlen gehen wollten, es aber in ihren Ländern nicht dürften. Stichwort Atomausstieg. Gespannt blicke Europa auf Deutschland und dessen Umgang mit der Energiewende. Man dürfe aber nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben, sondern müsse auch die Folge der Maßnahmen solidarisch tragen. „Wenn wir's richtig machen, dann verkaufen wir das Modell“, so die Hoffnung Westerwelles, dass die Energiewende zum Exportschlager werden könnte. Die Geschichte habe den Vätern der Europäischen Einigung nach dem Zweiten Weltkrieg Recht gegeben, betont Harald Voigt, Kreisvorsitzender der Oberallgäuer Europa-Union. Europa stehe längst für ein friedliches Zusammenleben der nationen ebenso, wie für eine enge Zusammenarbeit in Politik und Wirtschaft. Trotz Krise habe man die erfolgreichsten Jahrzehnte der europäischen Geschichte erleben dürfen. Das von der EU ausgerufenen „Europäischen Jahr der Bürgerinnen und Bürger“ sollte Anlass sein, darüber nachzudenken wie jeder an seinem Platz Europa mitgestalten könne, so Voigt weiter. Europa lebe vom Engagement seiner Bürger, vor allem dem Engagement junger Menschen.

Josef Gutsmiedl

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