Jens Spahn im Klinikum Immenstadt

Oberallgäu: Engpass Herzchirurgie

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Bezirksrätin Renate Deniffel (links) und der Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger (rechts) überreichten Bundesminister Jens Spahn eine künstlerisch gestaltete „bunte Kuh“ als Erinnungsgeschenk an seinen Allgäu-Besuch.

Im Rahmen einer Bayern-Reise informierte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch an den Klinken Kempten und Immenstadt. Auf der Agenda standen wichtige Themen, die vor allem die medizinische Versorgung im ländlichen Raum betreffen: Pflege, Bereitschafts- praxen, Geburtshilfe und Herzchirurgie.

Als „Modell für die Stärkung der Geburtshilfe“ stellte Kliniken-Geschäftsführer Michael Osberghaus die Neustrukturierung der Geburtshilfe in einem Verbundsystem der Kliniken Immenstadt und Kempten vor. Ein Modell, das vom Freistaat Bayern gefördert werde und ab 1. Oktober im Klinikverbund Kempten/Oberallgäu etabliert sei. „Standardfälle“, also problemlose Entbindungen, werden dabei in der Klinik Immenstadt medizinisch betreut und begleitet, während „Problemfälle“ und Entbindungen mit Komplikationen in der Spezialklinik in Kempten gut aufgehoben seien, wie Prof. Dr. med Ricardo Felberbaum erläuterte.

Auf eine „Schwachstelle“ des Klinikverbundes in der Gesamtversorgung der Region wies der Facharzt für Kardiologie der Klinik Immenstadt, Dr. med. Jan Torzewski im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsminister hin: „Wir sind unterversorgt bei der Herzchirurgie.“ Eine Region wie das Oberallgäu mit rund 120 000 Menschen sei durchaus als Standort einer Herzchirurgie denkbar, nicht zuletzt, weil entsprechende Kliniken allesamt mindestens eine Stunde Fahrzeit entfernt lägen. „Das sind keine Planspiele“, ergänzte Dr. med. Martin Fiedermutz. „Wir haben einen Versorgungsengpass; es geht um Leben und Tod.“ Landrat Anton Klotz wies zudem auf die rund zehn Millionen Urlaubsgäste in der Region hin, die bei der medizinischen Versorgung durchaus in die Rechnung eingehen müssten.

Das Wort „Pflegenotstand“ will Minister Jens Spahn nicht benutzen bei der anhaltenden Debatte um die Pflege. Den immer ins Spiel gebrachten ausgesprochenen Notstand gebe es nicht, so Spahn; das System sei keineswegs zusammengebrochen. Allerdings gebe es durchaus Probleme, vor allem mit der Personalgewinnung, den Arbeitsbedingungen, den Personaluntergrenzen und Personalschlüsseln. Bei der Anwerbung kann er sich Kooperationen mit EU-Ländern vorstellen, ohne „dort Fachkräfte zu klauen“. Womöglich könne die fachliche Ausbildung auch in diese Länder verlagert werden.

gts

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