Großeinsatz im Hochgebirge

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Hoch über dem Wildbach schwebt die Verletzte per Seilbahntransport durch den Tobel.

Oberstdorf - Gut aufgestellt scheinen die Gebirsgssanitäter der Bundeswehr für den „Ernstfall am Berg”. Bei einer groß angelegten Rettungsübung zeigten die Soldaten des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu” aus Kempten am Rubihorn ihre Leistungsfähigkeit.

Die Rettungskette war rekordverdächtig: Über mehrere Stationen und Etappen wurden schwerverletzte Menschen nach einem Hangrutsch in den Allgäuer Alpen ins Tal und schließlich ins Krankenhaus gebracht. Alles nur Übung! Doch die Sanitätssoldaten und Bergretter des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu“ aus Kempten beweisen dabei, dass sie für den Ernstfall am Berg optimal ausgebildet und ausgerüstet sind.

Der angenommene Ernstfall war ein großräumiger Hangrutsch am Rubihorn. Ein abgebrochener Funkspruch löste, so die Übungslage weiter, den Großeinsatz der Bundeswehr und ziviler Bergrettungskräfte aus. Neben dem Gebirgssanitätsregiment „Allgäu“ spielten auch die Gebirgsjägerbrigade 23, die Suchhunde der Johanniter Unfallhilfe und die Allgäuer Bergwacht mit bei der Rettungsübung „Alpeneck“ bei Reichenbach. Ein Felssturz und Hangrutsch hatte sich in dem Übungsgebiet an der Gaisalpe im Jahr 1986 tatsächlich ereignet. „Das Szenario der Übung ist also durchaus realistisch“, sagt Wilfried Spanner, der Einsatzleiter der Übung „Alpeneck“ vor Ort. Übungsziel sei es, das schlagkräftige Zusammenwirken der militärischen und zivilen Rettungskräfte zu koordinieren und umzusetzen.

Mitten drin in der Übung war als Darstellerin einer Verletzten auch Veronika Zobel aus Reichenbach, die nach einer Erstversorgung im Stall einer Alphütte einen ungewöhnlichen Weg ins Tal am folgenden Morgen antreten durfte.

Denn, so die Übungsannahme, der Fahrweg war im Laufe der Bergungsarbeiten unpassierbar geworden – ins Tal ging es nur noch über den schmalen und steilen Tobelweg. Ein Teil der Rettungskräfte und der Verletzten war so gezwungen, nahe der Unglücksstelle zu biwakieren. Die Materialtransporte hatten acht Mulis der Tragierkompanie der Bundeswehr übernommen und schleppten Feldbetten, Proviant und Ausrüstung nach oben. „Man redet schnell von Hubschraubereinsatz, doch es gibt auch Wetterbedingungen, die einen Heli-Einsatz verhindern“, so Spanner. Die Mulis könnten auch bei Schneesturm und Nebel ausrücken und selbst einfache Bergpfade nutzen, bricht er eine Lanze für die Tragtiere.

Um den Weg durch den Tobel für einen Verletztentransport geeignet zu machen, hatten die Gebirgssoldaten eine aufwändige aber überaus praktische Seilbahn in den Tobel gebaut. Die Konstruktion überbrückte jeweils eine Strecke von 60 bis 80 Meter und erlaubte das atappenweise Abseilen einer Krankentrage hoch über dem Wildbach. „Ein Seilbahnabschnitt ist in etwa zwei Stunden aufgebaut“, erklärt Dirk Heinisch vom Hochgebirgsrettungszug. Zum Schluss kam – auf einem etwas besseren Fußweg – die fahrbare Trage noch einmal zum Einsatz, bevor Veronika Zobel in den gepanzerten „Notarztwagen“ vom Typ Yak der Gebirgssanitäter übergeben wurde. Den weiteren Transport vom Übungszentrum in Reichenbach zur Klinik sollte dann - bei gutem Flugwetter – der Hubschrauber übernehmen.

Josef Gutsmiedl

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