Bürgermeister-Casting in Burgberg

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Das Bewerber-Quartett mit Klaus Häger (von links), Michael Alt, Natascha-Ev Knodel und Markus Fuchs stellte sich in Burgberg dem „Casting“ für die Nominierungsrunde.

Im März kommenden Jahres finden in Bayern Kommunal- und Bürgermeisterwahlen statt. Viele Kommunen, Parteien und Wählergruppierungen sind auf der Suche nach Kandidaten. Auch in Burgberg „muss ein neuer Bürgermeister her“.

Die Gemeinde geht dabei einen bislang ungewöhnlichen Weg. Auf eine Stellenausschreibung in Zeitungen bewarben sich 18 Interessenten für das kommunalpolitische Spitzenamt. Bürgermeister Dieter Fischer tritt nach 30 Jahren im Amt nicht mehr an.

Vier „handverlesene“ Bewerber stellten sich jetzt im Rahmen eines öffentlichen „Castings“ vor. Noch einmal sich einer großen Herauforderung stellen, das wollen sie alle: Klaus Häger aus Untermaiselstein, Michael Alt , Höherer Verwaltungsbeamter im oberbayerischen Reichersbeuren, Markus Fuchs aus Durach, und Natascha-Ev Knodel aus Augsburg, einzige Frau in der „Qualifikationsrunde”. Sie sind alle „um die 50” und wollen sich einer gänzlich neuen Herausforderung stellen.

Alle Burgberger Ortsteile kann Klaus Häger auf Anhieb nicht nennen; dafür muss Markus Fuchs aus Durach, Immobilien-Sachverständiger am Landratsamt Weilheim-Schongau, bei den Terminen für die Dorfabende passen. Und Oberbayer Michael Alt weiß die Höhe des Burg- berger Hörnles nicht, während Natascha-Ev Knodel sich mit Eisenerz nicht auskennt.

Soweit der lockere Einstieg in die Bewerber-Show in der Burgberger Grüntenhalle – besucht von gut 300 Interessierten. Moderiert hatte den Vorstellungsabend Gottfried Voigt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kempten. Voigt war vor drei Jahren selbst im Rennen um das Bürgermeisteramt in Memmingen und bekannte offen: Er sei froh, dass es damals nicht geklappt habe...

„Eine richtige Nominierung ist diese Vorstellungsrunde natürlich nicht“, betonen die Vertreter der verschiedenen Gemeinderatsgruppierungen einhellig. „Aber es ist ein neuer Weg, geeignete Bewerber zu finden“, meint André Eckart von der Burgberger CSU. Es gehe darum, einen ersten Eindruck zu gewinnen, wer denn da „anklopfe“. In einem nächsten Schritt werden die einzelnen Gruppierungen überlegen und entscheiden, ob sie sich die Unterstützung eines Bewerbers vorstellen können. Ungewöhnlich sei der Weg allemal, so der Tenor der Gemeinderäte aber auch der Burgberger Wählerinnen und Wähler. „Und auch spannend und interessant“, so mehrere Besucher der Präsentation. Gut, dass diese Vorarbeit nicht in einem Hinterzimmer stattfinde, sondern in aller Öffentlichkeit, so eine Burgbergerin in ihrem Eindruck.

Im launigen „Kreuzverhör“ fühlte Gottfried Voigt den vier Kandidaten auf den Zahn. Entlockte Persönliches und nicht zuletzt die Gründe, sich auf eine Bürgermeisterstelle zu bewerben und was sie „mitbringen“ für den Job. Ein Amt, das nun einmal häufige Abend- oder Wochenendtermine bereithalte. Und überhaupt, wie geht man mit den Bürgern und ihren Anliegen um, wie „packt” man die Menschen, diese oft eigensinnigen Allgäuer? Wie gewinnt man sie?

Als gebürtiger Allgäuer, der seit 55 Jahren hier lebe, wisse er, wie man mit diesem Menschenschlag klarkomme, gab sich Klaus Häger aus Rettenberg, derzeit Bauamtsleiter in Waltenhofen, optimistisch. Auch die Mitbewerber haben offenbar keine Berührungsängste beim Umgang mit da und dort sturen, eigenwilligen Zeitgenossen. „Schwierige Charaktere habe ich gerne“, meinte Verwaltungsfachmann Alt. Und Markus Fuchs, gebürtiger Sont- hofer, setzt auf Offenheit und Geradlinigkeit. Die „Vierte im Bunde“, Natascha-Ev Knodel – aktuell in einer Führungsposition bei der Deutschen Post AG in München tätig und einzige Frau in der Runde – hat keine Angst vor Männern, selbst wenn diese im Gemeinderat sitzen sollten. Knodel habe sich schon vor mehr als zehn Jahren auf eine Bürgermeisterstelle bewerben wollen, es aber dann noch nicht gemacht. „Ich bin mutig; ich habe mir das gut überlegt.”

Kommunalpolitische Erfahrung? Die bringt einzig Klaus Häger als Oberallgäuer Kreisrat mit. Doch Herausforderungen zusammen annehmen und Ziel konsequent verfolgen wollten sie alle, so sie einmal im Amt seien. Natascha-Ev Knodel unterstrich ihren Bonus: „Ich bin eine Frau. Und daher werde ich einiges anders sehen und angehen als ein Mann!“ Sie jedenfalls wäre gerne Bürgermeisterin in Burgberg, so die Augsburgerin. Mit ähnlichen Feststellungen schlossen auch die drei anderen Kandidaten ihre Vorstellungsgespräche.

Von einer „spannenden Vorstellung” sprach Gemeinderat Max Uhlemayr in seinem Schlusswort. Er gab den Bewerbern noch mit auf den Weg: In Burgberg arbeite der Gemeinderat für den Bürgermeister, nicht gegen ihn. Als Beweis, dass das funktioniere, führte Uhlemayr an, dass er als bald 55-Jähriger erst drei Bürgermeister seiner Heimatgemeinde erlebt habe.

gts

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