Oberstdorfer Marktgemeinderat kommt beim Busbahnhof nicht voran

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Noch immer ist offen, wohin die „Reise“ beim Busbahnhof Oberstdorf gehen soll.

Lange Holzbänke erleichtern den Fahrgästen am Oberstdorfer Busbahnhof das Warten auf den nächsten Bus. Nun droht der Neubau des Mobilitätszentrums weiter auf die lange Bank geschoben zu werden.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden deutliche Kostensteigerungen bekannt. Nach der langen Planungszeit hat sich die Fördersumme verringert, während gleichzeitig die Kosten gestiegen sind. Gab es früher pro Halteplatz 100 000 Euro Zuschuss, werden die Zuschüsse jetzt nach der Bordsteinlänge berechnet.

Der Busbahnhof würde nun auf 5,7 Millionen Euro kommen. Der Eigenanteil der Gemeinde steigt von geplanten 1,8 auf 3,4 Millionen Euro. Gründe sind laut Rainer Walf vom Bauamt Kostensteigerungen beim Tiefbau, der Bodenaustausch, Blitzschutz und zusätzliche Beleuchtung. Hinzu kommt der Wunsch der Busunternehmen nach zwei weiteren Bussteigen entlang der Poststraße, um den Verkehr reibungslos abwickeln zu können. Eine Infrastruktur für mögliche neue Antriebsarten bei den Bussen ist in der vorliegenden Planung nicht berücksichtigt. Bei diesem Szenario häuften sich die Stimmen, das Projekt auf Eis zu legen. Eine solche Summe überfordere die Gemeinde. Bürgermeister Laurent Mies dagegen möchte die Pläne weiter vorantreiben.

Die Zukunft des Busbahnhofes gilt als Dauerbrenner, das schon in den 1990er Jahren die Gemüter bewegte. Im November 2016 schien endlich alles klar. Nach einem Architektenwettbewerb entschloss sich der Gemeinderat das Siegerprojekt umzusetzen. Geplanter Eröffnungstermin – noch vor der Skiflug-WM 2018. Schon hier gab es erste Kritik an der Funktionalität und bald der Wunsch der Busunternehmen nach Nachbesserungen. Im Gemeinderat wurde nun massive Kritik an den Planern laut. „Enttäuschung“, „Zumutung“, „erhebliche Planungsmängel“, „hier hat man wohl den Lehrling dran gelassen“, lauteten die Kommentare. Das Bodengutachten sei bei den Kostenberechnungen rechtzeitig bekannt gewesen. Unverständnis auch, dass einfache Sachen wie Blitzschutz und Beleuchtung nicht ausreichend berücksichtig wurden. „Die Kosten müssen eingefangen werden“, so Peter Titzler (Freie Wähler). „Gerade weil der ÖPNV so wichtig ist, entschließt sich mir nicht, warum wir einen funktionierenden Busbahnhof gegen ein überteuertes und nicht optimal funktionierendes Projekt eintauschen“, so Bergith Hornbacher-Burgstaller von den Grünen. Ihr Fraktionskollege Siegmund Rohrmoser kritisierte „zu lange Pausen im Planungsprozess“ und forderte, den Prozess vorerst zu stoppen. Fritz Sehrwind (CSU) nannte das Projekt wichtig, „die Kosten allerdings für vollkommen inakzeptabel“. Wenn man den Grundstücksanteil der Gemeinde und den Ausfall von Parkgebühren hinzurechne, könne man bei einem Eigenanteil von 3,5 bis 4 Millionen Euro landen.

Walf verteidigte die Abläufe und sah die Kapazitäten beim jetzigen Busbahnhof ausgereizt. Eine Fertigstellung zur Nordischen Ski-WM 2021 sei noch möglich, woran aber einige Gemeinderäte starke Zweifel äußerten.

Bürgermeister Laurent Mies zeigte sich „überrascht über die Kritik“ und mahnte „mehr Sachlichkeit“ an. Er möchte „in einem strukturellen Prozess einen gemeinsamen Weg finden“ und an den einzelnen „Stellschrauben“ arbeiten. „Es ist teurer geworden aber es ist immer noch ein Projekt, das wir vorantreiben wollen.“ Unterstützung erhielt er von Toni Weiler (UOL), der dafür plädierte, „den ausgeklügelten Plan weiter zu verfolgen“. Man müsse an die Politik herantreten und die Grundlage für weitere Fördergespräche schaffen. Josef Dornach (ebenfalls UOL) sieht hausgemachte Fehler: „Projektsteuerung ist nicht die Stärke des Hauses.“ Für Martin Rees (AO/FDP) ist „das Verhältnis zwischen Planern und Gemeinde zerrüttet“. Ein Eingriff in das Hochfeichter Grundstück für weitere Haltestellen sei nicht gerechtfertigt. „So weit waren wir noch nie“, forderte Kathrin Bäuerle von der SPD eine stärkere Förderung. Beschlossen wurde an diesem Abend noch nichts. Die Fraktionen haben nun Zeit bis zum März um zu beraten, wie es weitergehen soll.

Heinrich Bonert

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