Busche Berta - ein Schmuckstück zum Anfassen

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Das Busche Berta-Haus wurde als typisches Allgäuer Bauernhaus erhalten und soll jetzt als „Museum zum Anfassen“ über Ofterschwang hinaus strahlen.

Nach neun Monaten Bau- und Sanierungszeit konnte jetzt das Busche Berta-Haus in Ofterschwang eingeweiht werden. Ein wenig wie an Weihnachten fühlte sich Ofterschwangs Bürgermeister eine gute Woche vor Heiligabend - mit dem sanierten Bauernhaus mitten im Ort erfüllte sich für Alois Ried ein Herzenswunsch.

Ein bisschen ist es auch ein „Geschenk“ für die Gemeinde: von den 1,2 Million Euro Gesamtkosten muss die Kommune nur rund ein Viertel selbst tragen. Kein typisches Heimatmuseum soll es sein. Vielmehr ein regionales Erlebnishaus – gekrönt von einem Schmuckstück, einer Schnapsbrennerei.

Dass es „kein Heimatmuseum wie viele“ sein sollte, das stand für Ofterschwangs Bürgermeister von Anfang an fest. Nachdem die Gemeinde im Jahr 2009 das marode alte Bauernhaus „Busche Berta” von einer 36-köpfigen Erbengemeinschaft erworben hatte, stand für Alois Ried und den Gemeinderat die Frage an, wie das Gebäude genutzt werden könnte. Und bald war die Idee „irgendwas mit Schinken und Schnaps“ im Raum, erinnerte sich Ried an den Anfang. „Aber alles hatte mit Geld zu tun“, so Ried. Und allzu viel Geld stand für ein solches Projekt nicht zur Verfügung. Schwung in alle Überlegungen brachte dann ein kurz­entschlossener Anruf des Bürgermeisters bei der Regierung von Schwaben. Ja, da gebe es eine Förderung zur Beseitigung von Leerständen in Kommunen; das sei wohl das Geeignete, weckte der zuständige Sachbearbeiter in Augsburg erste Hoffnungen. Allerdings, so berichtete Alois Ried bei der offiziellen Einweihung der „neuen Busche Berta“, musste der Antrag mit Kostenschätzung bereits vier Tage später bei der Regierung vorliegen. Das schafften Ried und seine Mitstreiter. „Erhofft haben wir uns aber nicht sonderlich viel; vielleicht 20 bis 30 000 Euro.”

Als später dann ein Brief der Regierung von Schwaben eintraf, habe er, Ried, nichts Gutes geahnt – und fiel aus allen Wolken, als eine Förderung von 400 000 Euro zugesagt wurde. Er habe damals dem zuständigen Mitarbeiter der Regierung nur versprechen müssen, die Regierung zu loben. Und das tat der Bürgermeister in seiner Bilanz anlässlich der Eröffnung auch deutlich: „Die Regierung von Schwaben ist toll!“

Nach diesem Startschuss legten sich Architekt Michael Schmidbauer, Bürgermeister Ried und der Gemeinderat ins Zeug. Im April 2017 begannen die umfangreichen Arbeiten. „Wohlgemerkt: geplant, genehmigt, gebaut!”, zerstreute Ried Bedenken, man habe schon losgelegt, bevor das amtliche Ja vorgelegen habe. Beim Bau sei zudem „alles rausgekommen, was man nicht will, was aber Kosten verursacht“. Ried zapfte unterdessen weiter Geldquellen an, denn die Kosten bereiteten ihm „einige Kopfschmerzen“. Stattliche Fördersummen und Zuschüsse kamen schließlich von der Bayerischen Landesstiftung (knapp 70 000 Euro), der Stiftung Denkmalschutz (50 000 Euro), dem Bezirk Schwaben (30 000), der Sparkasse Allgäu (30 000) der Raiffeisenbank (5 000), drei Stiftungen mit zusammen 25 000 Euro, dem Amt für Denkmalschutz weitere 50 000 Euro, dem Landkreis Oberallgäu und dem AÜW jeweils 10 000 Euro, und aus vielen privaten Spenden rund 20 000 Euro. Von 1,2 Millionen Euro Gesamtkosten muss die Gemeinde Ofterschwang „nur“ 300 000 Euro aufbringen.

„Ein tolles Miteinander“ sei es gewesen, als Architekt und Handwerker loslegten und in nur rund neun Monaten die alte „Busche Berta“ runderneuerten und eine „neue Busche Berta“ dastand. Ein Kulturgut sei erhalten worden, das den Tourismus und die Wertschöpfung vor Ort fördern könne, ist sich Ried sicher. Dabei dürfe das „gute Lebensgefühl“ der Menschen nicht auf der Strecke bleiben. Wenn in dem sanierten rund 200 Jahre alten Bauernhaus jetzt neben der Brennerei und einer Töpferwerkstatt auch ein Käsekeller und eine Schinkenreifung zu finden seien, verstehe er das als eine Botschaft der Nachhaltigkeit: mit Genuss und Verstand essen und trinken.

„Mir fehlen die Worte“, hatte der Oberallgäuer Landrat, Toni Klotz gesagt, als er bei einem kurzen Vorabbesuch das Busche Berta-Haus besuchte und fragte, was er denn angesichts des gelungenen Projektes noch groß sagen solle bei der offiziellen Eröffnung. Prompt kam von Ried der Tipp fürs Grußwort: Der Landrat solle einfach sagen, dass der Alois Ried ein toller Bürgermeister sei. Tatsächlich fand der Landrat noch weitere Worte.

Das Thema Heimat und Regionalität ziehe sich wie ein roter Faden durch die Amtszeit Alois Rieds. Das Busche Berta-Haus sei eine Krönung seiner Bemühungen und ein Beispiel für das Erfolgsrezept „nur gemeinsam geht es“. Der Bürgermeister und seine Gemeinderat hätten ein Schmuckstück geschaffen, das weit über die Gemeindegrenzen hinaus strahle, sagte Landrat Anton Klotz. Das Busche Berta-Haus trage mit dazu bei, den ländlichen Raum lebenswert zu erhalten, ergänzte der langjährige frühere Gemeinderat und Hotelier Karlheinz Fäßler.

Josef Gutsmiedl

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