"Die Signale sind angekommen"

Ostertaltobel: Einige Canyoning-Anbieter zeigen sich einsichtig

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Die Mutprobe im Wasserfall lockt auch Zuschauer in den Ostertal-Tobel bei Gunzesried.

Der Ansturm hat deutlich nachgelassen; es ist wesentlich „riebiger“ am Ostertalbach. Das jedenfalls beobachten Anwohner genauso wie Wanderer in der engen Schlucht bei Gunzesried. Sieben der rund 30 Anbieter der beliebten Canyoning-Touren durch den Tobel haben ihr Programm in Gunzesried eingestellt.

„Wir sieben Outdoorunternehmen verzichten auf Touren im Ostertalbach“, wie Stephan Schulze vom Outdoor-Anbieter „bawildria“ betont, „und distanzieren uns vom leider respektlosen Verhalten der verbleibenden Outdoorfirmen!“

„Es geht uns um den Respekt vor fremden Eigentum, um die Anliegen der Grundstückseigentümer und um ein gutes Miteinander“, betont Stephan Schulze im Namen der sieben Anbieter-Unternehmen. „Es war wohl zu viel in der Vergangenheit.“ Dass dadurch Schäden in den Ufer- und Hangbereichen entstanden seien und es zu Beeinträchtigungen für die Tierwelt im Tobel gekommen sei, sei offensichtlich.

Klagen über den „Wildwuchs“ beim kommerziellen Canyoning gab es in den vergangenen Jahren immer wieder. Allerdings wurde nie „durchgegriffen“ wie ein Anwohner des Ostertalbaches feststellt. Die Behörden hätten es schleifen lassen... Laut einer Vereinbarung, die im Jahr 2003 die Tobelnutzung durch Outdoor-Unternehmen in gewissen Grenzen gestattete, war der „Betrieb“ an sich legal. Allerdings entstanden im Laufe der Zeit durch die intensive Nutzung etliche neue Pfade, der offizielle Wanderweg wurde nach und nach breiter. Auch die Wasser­amsel sei wegen andauernden Störungen ihres Brutgeschäftes abgewandert, berichtet ein Kenner des Tobels.

Begehungen in einem Massenbetrieb gehe nicht, sagt Schulze. „Das hat mit Naturerlebnis nicht viel zu tun, wenn ich große Gruppen im Stundentakt durch den Tobel schleuse.“ Es gehe um den behutsamen Umgang – mit fremdem Eigentum genauso wie mit der Natur. Es komme darauf an, wie man‘s macht.

Schulze kann sich eine Form der Reglementierung vorstellen wie sie etwa im slowenischen Triglav Nationalpark praktiziert werde. Ein bestimmtes Kontingent ist – gegen Gebühr – in einem definierten Zeitraum zugelassen; mehr geht nicht. Natürlich müsse eine Behörde oder sonstige Einrichtung auch eine entsprechende Handhabe bei Zuwiderhandlungen haben. Und das müsse dann weh tun.

„Wir haben die Zeichen mehr als verstanden“, unterstreicht Stephan Schulze. Dennoch: sämtliche Schäden dürfe man nicht den Canyoning-Leute anlasten. Auch der Wanderbetrieb im Tobel habe erheblich zugenommen.

Mitte August haben die Grundeigentümer zur Selbsthilfe gegriffen und „wilde“ Zustiege dicht gemacht. Diese Tatsache haben die sieben regionalen Canyoning-Anbieter teils sogar auf ihren Internetseiten aufgegriffen und dort Verständnis für diesen Schritt signalisiert. Das Landrats- amt arbeitet an einer Neuauflage der Nutzungsregelung.

gts

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