Alter Charme mit Zukunft

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Die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer meint: Nützen ist allemal besser als schleichender Verfall.

Oberallgäu - Es kommt darauf an, was man daraus macht. Dieses Fazit zogen Fachleute wie Betroffene bei der Diskussion zur Ausstellung „Der nicht mehr gebrauchte Stall“ in Sulzberg. 

Tatsächlich gehe es weniger um den einzelnen ehemaligen Bauernhof oder Stall, sondern um den Charakter eines Dorfes, das sich dem Strukturwandel im ländlichen Raum stellen müsse, wenn es sein Gesicht nicht verlieren wolle. 

„Schützen durch Nützen“, beschrieb die Oberallgäuer Kreisbäuerin, Monika Mayer, ihre Sicht nach dem Rundgang durch die Ausstellung „Der nicht mehr gebrauchte Stall“ in Sulzberg. Man müsse aber neue Nutzungsformen auch zulassen. Aus ihrer Erfahrung als Sennerin in der Schweiz, kenne sie die Thematik und die Problematik gut. 

Ein Fazit, zu dem auch Prof. Christian Wagner von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Chur kommt. Er versteht Architektur als eine Form der Kommunikation und befürchtet, dass „alles überall gleich aussieht“, wenn die Vielfalt Stück für Stück ausgeräumt, beseitigt werde. Markante Gebäude, typische Häuser und Ensembles seien es, die den Charakter eines Dorfes, einer Landschaft ausmachten. In seiner Absage an eine Allerweltsarchitektur bricht Wagner eine Lanze für die alten landwirtschaftlichen Gebäude und meint: „Der Stall ist wichtig für die Stimmung und hat einen erheblichen Wiedererkennungseffekt.“ Dennoch genüge ein Stall eben nicht. Vielmehr brauche man das ganze Dorf, um Qualität zu haben. Die Mischung aus Ordnung und Komplexität zeichne die Qualität letztlich aus. 

Den Eindruck, dass Umbau- und Umnutzungskonzepte sich häufig an der Geldfrage zu orientieren scheinen, hat auch der Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser. „Immer mehr orts- und landschaftsprägende Bauten weichen gängigen Siedlungsmodellen oder einfachen Gewerbenutzungen“, beklagte der Landrat. Kaiser sieht die Kommunalpolitik und auch die Architekten vor steigenden Anforderungen. Es gehe neben dem bloßen Erhalt oder der Erneuerung von Bausubstanz um den ländlichen Raum an sich: „Wir müssen alles daran setzen, dass die Menschen hier leben und arbeiten können – und auch durch eine attraktive Baugestaltung.“ 

Der Strukturwandel werde weitergehen, glaubt auch Landwirt Xaver Hierl aus Burgberg. Allein aus wirtschaftlicher Notwendigkeit heraus würden kleinere Betriebe über kurz oder lang das Handtuch werfen. Dabei hoffe er, dass möglichst viele „Ehemalige“ ihre Anwesen behalten könnten und geeeignete Nachfolgelösungen für die Gebäude fänden.

Josef Gutsmiedl

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