Höchste Zeit zu handeln: Die Klimakrise ist schon da!

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„Wir müssen die Klimakrise eindämmen, um die Menschen nicht ihrer Heimat zu berauben!“ Claudia Roth erzählte eindringlich von ihrem Besuch in Regionen, die bereits jetzt unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden.

Einen eindrucksvollen und bedrückenden Vortrag über ihre Reise in die vom Klimawandel besonders betroffenen Regionen Bangladesch, Kiribati und Fidschi hielt die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia ­Roth (Bündnis 90/Die Grünen) am Dienstag in Bihlerdorf.

Die Klimakrise ist auf der anderen Seite der Erde bereits dramatisch spürbar – es ist höchste Zeit zu handeln. 

Claudia Roth sandte zunächst ein großes Lob an die Jugendlichen, die mit der „Fridays for Future“-Bewegung, die Erwachsenen aufrütteln will. Es müsse jetzt gehandelt werden, um den Klimawandel noch einigermaßen in Grenzen zu halten. Um alles dafür zu tun, die Erderwärmung deutlich unter 2 Grad zu halten, um den Anstieg des Meeresspiegels so gut es geht aufzuhalten. 

Bis heute mussten bereits rund 30 Millionen Menschen weltweit ihr Zuhause verlassen – sei es, weil die Böden ausgetrocknet oder versalzt sind und Landwirtschaft nicht mehr möglich ist, sei es, weil ihre Heimat dem steigenden Meeresspiegel zum Opfer gefallen ist. Tendenz steigend. Die Länder „im globalen Süden“, so Roth, die am meisten von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen sind, tragen am wenigsten Schuld daran. Schuld tragen die Industrienationen. 

Die „Klimaflüchtlinge“ stellen viele Staaten vor große Herausforderungen. Roth brachte das Beispiel Äthiopien, eigentlich ein positives Beispiel in Sachen Demokratisierung. Allerdings sind allein in Äthiopien rund 3 Millionen Menschen auf der Flucht vor Dürre. Die Situation sei „brandgefährlich“, so Roth, die Gefahr von sozialen Spannungen wachse. Viele der Menschen wollen in den Sudan oder in den Tschad – ebenfalls bitterarme Länder, die die Menschen schlicht nicht mehr aufnehmen können. Die Sprengkraft des Problems der Klimaflucht habe sogar die internationale Staatengemeinschaft inzwischen erkannt. So war die Klimakrise heuer erstmals Thema bei der UN Sicherheitskonferenz. 

Gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Matthias Zimmer (CDU) und Frithjof Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) war Claudia Roth vor einigen Monaten in vom Klimawandel besonders betroffene Gebiete gereist. Sie machten sich ein Bild davon, wie schon heute Millionen Menschen zu Vertriebenen werden, Orte und ganze Inselstaaten durch den ansteigenden Meeresspiegel bedroht sind, und vor welch enormen existentiellen, finanziellen und logistischen Herausforderungen die Menschen stehen. Vielerorts, so Roth, zeigten sich die Menschen dankbar, dass endlich jemand kommt und sich die Situation anschaut. 

Bangladesch 

Rund 30 Prozent des bebauten Landes in Bangladesch, der ersten Station der Reise, liegen in den von Überflutungen gefährdeten Küstenregionen. Schon heute müssen die Menschen ihre von Überflutung bedrohten Dörfer verlassen. Alleine in die Hauptstadt Dhaka migrieren jeden Tag rund 2 000 Menschen. Sie leben unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Slums der Stadt. Die drittgrößte Stadt des Landes, Khulna, wuchs in den vergangenen fünf Jahren um etwa 900 000 Einwohner. Ein Drittel der Bevölkerung sind Binnenflüchtlinge. 

In den kommenden Jahren drohe Millionen weitere Menschen, der Verlust ihrer Heimat. „Es war bedrückend zu sehen, dass die Menschen dort kaum eine Zukunft haben“, so Roth. Bangladesch leidet zudem an einem Mangel an Süßwasser. Bedroht sind auch die Mangrovenwälder, die der Region Schutz vor Fluten und Zyklonen bieten. 

Ein weiteres Problem: Bangladesch ist auf dem Weg, die Liste der ärmsten Länder zu verlassen. Der Aufbau von Industrie und der Bau von Kohlekraftwerken zur Energiegewinnung wird die Situation auf lange Sicht noch verschlimmern. 

Kiribati 

Besonders prekär ist die Situation in dem aus 33 Atollen bestehenden Inselstaat Kiribati. Der höchste Punkt des Staates liegt nur 3 Meter über dem Meeresspiegel. Roth beschrieb die Situation dort als „Hölle auf Erden“. Regelmäßig werden die Inseln komplett überschwemmt. Es ist unvorstellbar verdreckt und vermüllt – wohin auch mit dem angeschwemmten Müll? „Es gibt kein Überleben dort“, so Roth, der Inselstaat droht über kurz oder lang, im Meer zu versinken. Doch: wie soll man die Bevölkerung eines ganzen Landes umsiedeln? 

Schon heute sind die Böden zu salzig, es gibt kaum mehr Süßwasser. Auch die Nahrungsmittelsituation ist besorgniserregend: es gibt kein frisches Obst und Gemüse, die Menschen leben hauptsächlich von Dosennahrung. Die Folge: viele Bewohner sind extrem übergewichtig. Die meisten Menschen in der Region leben vom Fisch­fang. Doch „selbst die Thunfische migrieren“, so Roth, flüchten vor den zu warmen Gewässern in östliche Meeresregionen. 

Fidschi 

Auch auf den Fidschi-Inseln, dritte und letzte Station der Reise, leiden die Menschen unter enorm versalzten Böden, extremer Trockenheit und extremen Niederschlägen. 800 Dörfer mussten bereits umgesiedelt werden, weg von der Küste, rein ins Land. Dadurch werden die Menschen auch ihrer Traditionen beraubt – waren sie seit Generationen Fischer, müssen sie sich nun als Landwirte oder anderem verdingen. Sie verlieren, wie auch die Bewohner Kiribatis, nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Identität. 

Idee: Klimapass 

„Welche Möglichkeiten gibt es für eine selbstbestimmte und würdevolle Umsiedlung“ der betroffenen Menschen? Wie soll man mit den Klimaflüchtlingen umgehen, sind sie doch keine Flüchtlinge im herkömmlichen Sinn? Über diese Fragen, so Roth, muss die Weltengemeinschaft reden. Zumal es darum geht, nicht nur einzelne Menschen umzusiedeln, sondern eine ganze Gruppe. Der Vorschlag eines „Klimapasses“ wurde bei der Münchner Sicherheitskonferenz ausgiebig diskutiert. Die Idee dahinter: Menschen, die vor den Auswirkungen der Klimakrise fliehen, erhalten einen „Klimapass“ und sind fortan berechtigt, in den Ländern zu leben, von denen aus ihr Land zerstört wurde. 

Auf jeden Fall gelte es, keine Zeit zu verlieren und alles dafür zu tun, die Klimaerwärmung deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, so Roth. 

Aufruf zur Europawahl

Die Europawahlen am 25. Mai seien „extrem wichtig“, hob Claudia Roth hervor. Zu viele antidemokratische Kräfte treiben in der Politik ihr Unwesen. In immer mehr Ländern werde die Universalität der Menschenrechte in Frage gestellt. Europa stehe für mehr als 70 Jahre Frieden. Europa stehe für Freizügigkeit, ebenso wie für Wohlstand. 

Es gehe vor allem darum, junge Menschen zum Wählen zu animieren. Bestes Beispiel sei die „Brexit“- Abstimmung, bei der der Anteil der jungen Wähler extrem niedrig war – die Jungen aber beschwerten sich nun über das Ergebnis. „Es braucht ein großes und starkes Europa, um die europäischen Werte zu erhalten!“, so Roth weiter. 

„Gehen Sie wählen. Wählen Sie eine demokratische Partei!“, rief sie ihre Zuhörer auf. „Klimarettung muss jetzt passieren!“ – und im Europaparlament werden viele Entscheidungen bezüglich des Umweltschutzes getroffen.

eva

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