Die Stadt Sonthofen und die interSpa-Gruppe beraten über die Zukunft des Erlebnisbades

Das Wonnemar geht nicht unter

Wonnemar in Sonthofen
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Seit Anfang November ist das Wonnemar bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr auf behördliche Anordnung geschlossen. Die Corona-Krise macht dem Erlebnisbad zu schaffen.

Sonthofen – Das Wonnemar in Sonthofen musste im September eine Insolvenz im Eigenverwaltungsverfahren anmelden. Die Umsatzeinbußen aufgrund der Corona-Krise machen dem Erlebnisbad schwer zu schaffen. Trotzdem versicherte Bürgermeister Christian Wilhelm bei seiner kürzlichen Bürgerinformation, dass das Bad auf jeden Fall weiter betrieben wird - zur Not durch die Stadt selbst.

„Das Bad wird auch in Zukunft eine tragende Rolle in der Stadt spielen, es wird auf jeden Fall weiter betrieben“, erklärte der Erste Bürgermeister von Sonthofen Christian Wilhelm in einer Online-Bürgerinformation Ende November. Derzeit werden Gespräche über die Zukunft des Bades zwischen dem aktuellen Betreiber, dem Insolvenzverwalter und der Stadtpolitik geführt. Laut Bürgermeister sind mehrere Ansätze im Gespräch. „Es wird über die Weiterführung durch den aktuellen Betreiber oder durch einen neuen Betreiber diskutiert. Eine Option wäre auch, dass die Stadt das Bad in Zukunft selbst betreiben könnte“, so Wilhelm weiter. Auch Volker Kurz, Geschäftsführer der interSpa-Gruppe bestätigt: „Wir befinden uns bereits in offenen Gesprächen mit der Stadt und arbeiten gemeinsam an einem Fortführungskonzept. Es muss unser gemeinsames Ziel sein, um im Interesse aller Bürger die in der Vergangenheit stets gute Zusammenarbeit auch künftig fortzusetzen.“ Das Ergebnis der Gespräche sei laut Bürgermeister jedoch noch völlig offen, da sich eine konkrete Planung erst im Laufe des Insolvenzverfahrens herausstellen wird.

In einer Pressemitteilung betonte die interSpa-Gruppe, dass trotz der schwierigen Umstände der Betrieb des Erlebnisbades langfristig gesichert werden soll. Aktuell befindet sich das Wonnemar bereits in der zweiten Corona-Zwangsschließung. Das Bad musste bereits im Frühjahr während des ersten Corona-bedingten „Shutdowns“ dreieinhalb Monate schließen. Während dieser Phase konnte die Betriebsgesellschaft keinerlei Einnahmen erzielen – bei gleichzeitig weiterlaufenden Kosten. Dadurch hatte das Erlebnisbad beträchtliche Verluste erlitten. Zwar konnte das Bad Ende Mai wieder öffnen. Aufgrund der strengen Hygiene-Vorschriften konnte die Betriebsgesellschaft aber nur 65 Prozent der sonst zu dieser Zeit üblichen Einnahmen erwirtschaften, weshalb ein kostendeckender Betrieb nicht möglich war. Zwar hatte die Stadt in den Monaten Mai und Juni einen Zuschuss zu den Betriebskosten gezahlt. Doch bei einer Schließzeit von fünf bis sechs Monaten deckt dies nur einen Teil der erforderlichen Aufwendungen. Der größte Teil der Verluste wurde bisher – mit Unterstützung der Kreditinstitute – von der Wonnemar-Muttergesellschaft interSPA getragen, bis alle Reserven aufgebraucht waren.

In der Folge hatte die interSPA-Gruppe Ende September eine Sanierung des Wonnemar Sonthofen über ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet. Das Verfahren entwickelte sich zunächst äußerst positiv und hatte keine negativen Folgen auf den Betrieb des Erlebnisbades. Das Bad blieb während des Sanierungsprozesses wie gewohnt geöffnet. Nun aber – nachdem das Wonnemar Sonthofen zum zweiten Mal schließen musste – hat sich die Situation noch einmal verschärft. Die interSPA-Gruppe kann die neu entstehenden Verluste nicht mehr alleine tragen. Während des Shutdowns laufen pro Monat rund 75 000 Euro Fixkosten auf. Beispielsweise muss das Bad trotz Schließung weiter geheizt und gechlort werden, weil sonst immense Schäden entstehen.

„Die Wonnemar-Betriebsgesellschaft sucht nach Wegen, um trotz der unklaren zeitlichen Perspektive möglichst alle Arbeitsplätze zu erhalten, bspw. durch den Einsatz von Kurzarbeit“, sagte Max Haag, Center-Manager des Wonnemar Sonthofen. Damit dies gelingen kann, hat die Wonnemar-Betriebsgesellschaft die Stadt um eine Überbrückungshilfe gebeten. Diese wird benötigt für die Zeit, bis die sogenannte „Novemberhilfe“ ausbezahlt wird. „Zwar ist es seit ein paar Tagen endlich möglich, diese Unterstützungszahlungen zu beantragen“, ergänzte Haag. „Und die interSPA-Gruppe hat die sehr aufwändige Beantragung bereits eingeleitet. Bis die Novemberhilfe fließt, wird aber wohl noch einige Zeit vergehen, möglicherweise bis Januar.“

Parallel setzt die interSPA-Gruppe die Arbeit am Sanierungsplan fort. „Die Entscheidung des Gerichtes, auch im eröffneten Verfahren die Eigenverwaltung anzuordnen, ist ein Vertrauensbeweis für den eingeschlagenen Sanierungskurs“, unterstreichen Sanierungsgeschäftsführer Robert Tobias und Holger Leichtle, der als Generalbevollmächtigter die Geschäftsführung unterstützt. „Trotz der widrigen Umstände ist es unverändert unser Ziel, die Standorte zu sichern, indem wir sie selbständiger und wirtschaftlich stabiler aufstellen.“

Das Wonnemar Sonthofen gehört zur interSPA-Gruppe, die deutschlandweit sechs Bäder und Thermen sowie ein Hotel betreibt. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 600 Mitarbeiter. Die Besitzgesellschaft des Bades ist nicht von der Eigenverwaltung betroffen. interSPA hat das Erlebnisbad Sonthofen im Rahmen eines Public-Private-Partnership-Modells gemeinsam mit der Stadt Sonthofen konzipiert, finanziert und errichtet. Hierfür stellte die Stadt ein städtisches Grundstück im Rahmen eines Erbbaurechtsvertrags zur Verfügung.

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