Denken statt Dressur

Die Preisträger des Landkreises Oberallgäu mit dem Stellvertretenden Landrat Anton Klotz (rechts) und Schulleiter Dieter Friede (4.von rechts). Foto: Josef Gutsmiedl

Rund 540 Absolventen der Staatlichen Berufsschule Immenstadt wurden vergangene Woche „ins richtige Berufsleben“ entlassen. Neben den Abschlusszeugnissen für alle Absolventen wurden die Jahrgangsbesten wieder mit den Schul-, Landkreis- und Staatspreisen besonders ausgezeichnet. Sowohl Schulleiter Dieter Friede als auch der Stellvertretende Landrat, Anton Klotz, betonten, dass nach dem Schulbesuch und der Lehrzeit gelte, auf der Basis einer soliden Ausbildung aufzubauen, um an die Erfolge anzuknüpfen.

„Das Leben ist keine Nudelsuppe - man muss auch mal beißen.“ Mit dem Spruch, der dem früheren Bezirksheimatpfleger, Dr. Alfred Weitnauer, zugeschrieben wird, spielte der Stellvertretende Landrat des Oberallgäus, Anton Klotz, auf die Aufgaben an, die jetzt vor den Berufsschulabsolventen lägen. Nach der Lehrzeit dürften die Absolventen der Berufsschule sich zwar über den Erfolg freuen - aber nicht zurücklehnen: „Jetzt gilt es, neue Herausforderungen anzunehmen und um weitere Erfolge zu kämpfen.“ Klotz ermunterte die jungen Menschen, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen, soziale Kompetenzen weiter zu entwickeln - und Visionen zu haben. Visionen zu haben, sei kein Fall für eine psychiatrische Therapie, sondern vielmehr Ausdruck von Weitsicht, so Klotz. Der Landkreis, so ergänzte der Stellvertretende Landrat, werde als Sachaufwandsträger „alles tun, damit die Berufsschule auch in Zukunft bestens ausgestattet sein wird“. Klotz dankte zudem den Ausbildungsbetrieben für deren Beitrag zum bewährten System der dualen Berufsausbildung. Traditionell nutzte Schulleiter Dieter Friede die Abschlussfeier für eine Betrachtung des Bildungs- und Schulwesens. So wüssten viele Schulleiter nicht, vor welcher Situation sie nach den Sommerferien stünden. Nach aktuellen Berechnungen würde es nichts mit den angekündigten kleineren Klassen. „Die Zahl der Lehrer dürfte in den kommenden Jahren sinken“, befürchtet Friede und wirft den Politikern Wortbruch vor. Bei näherer Betrachtung, so Dieter Friede weiter, entdecke man auf der „Baustelle Bildungswesen“ noch viele „offene Leitungen, Müll und Schutt“. Eltern, Schüler und Lehrer wünschten sich jetzt „vor allem Ruhe vor halbgaren Experimenten“ und wünschten „schnelle, unbürokratische Hilfe und mehr Freiräume für die Schulen“. Schule sei nicht allein ein Ort der Wissensvermittlung, schloss der Berufsschul-Leiter den Kreis, sondern sie habe vor allem den Auftrag, das Denken zu lehren. Er, Friede, hoffe, dass die Lehrkräfte, „einiges bewirkt“ hätten. Die Berufsschule Immenstadt sei ohnehin kein Platz für „Dressur“. Friede lobte in diesem Zusammenhang „seine“ Lehrkräfte und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit großem Engagement und oft über den Unterricht und Schulalltag hinaus eingebracht hätten. Projektleiter Manfred Egger erinnerte schließlich an die Tradition des Schüleraustausches der Hotel- und Gastonomie-Fachschule mit den Partnerschulen in Frankreich und Italien. Rund 400 Lehrlinge aus dem Allgäu haben in den vergangenen 15 Jahren am Austausch mit der Schule in Arcachon teilgenommen. „Dabei sammeln die Berufsanfänger schon erste wichtige Auslandserfahrungen.“

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