Digitale Mundpropaganda

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Viele Seilbahn-Unternehmen setzen Akzente, um neue Zielgruppen in die Bergwelt zu locken. Unser Foto zeigt das neue Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn.

In Oberstdorf fand die diesjährige Jahrestagung des Verbandes der Deutschen Seilbahnen und Schlepplifte VDS statt. Im Mittelpunkt standen neben der Saisonbilanz die Digitalisierung und das touristische Verhalten in der Zukunft – und wie die Seilbahn-Unternehmen sich darauf einstellen können. 

„Wer den besten Platz für Selfies bieten kann, ist heute vorne“, meinte der Vorsitzende des Deutschen Seilbahn-Verbandes, Peter Schöttl, der auch Vorstand der Nebelhornbahn-AG ist. Waren es früher „geile“ Abfahrten und spektakuläre Pisten, gehe es inzwischen um neue Komponenten des Seilbahn-Geschäftes. Schöttl nennt es die „gästebetriebene Werbung“, der zufolge die Kunden über die vielfältigen Sozialen Medien für die jeweiligen Angebote werben. Eine Art der Mundpropaganda auf digitalisierter Ebene, ergänzte Robert Klauser von der infomax websolultions GmbH.

Durchschnittliche Produktangebote werden nicht zu den Gewinnern gehören, ist sich Klauser sicher. Schlechte Bewertungen in den Sozialen Medien verhinderten eine große Reichweite, die andererseits durch zahlreiche positive Bewertungen gepuscht werde. Und Technologie allein sei kein Alleinstellungsmerkmal. „Da muss man immer an den Produkten feilen...“, so Klauser. „Und sich abheben bei Service und Infrastuktur.“ Für Tourismusunternehmen bedeute das umfassende Veränderungen, die gestaltet werden wollen. Ein Eckpfeiler sei die bedingungslose Kundenorientierung: Wer die Vorlieben der Kunden kennt, weiß was sie suchen – und kann zielgerichtete Werbung mit individuellen, punktgenauen Angeboten unterbreiten.

„Unsere Kunden sind spontan – und brutal mobil“, brachte es Matthias Strauch, Stellvertretender Vorstand des VDS, auf den Punkt. Der Ticketverkauf allein reiche längst nicht mehr: Als Erfolgsrezept macht er den hochwertigen, attraktiven Online-Auftritt bis hin zur App fürs Smartphone aus.

Im vergangenen Landtagswahlkampf wurde die spezielle „Seilbahnförderung“ des Freistaats in Frage gestellt. Peter Schöttl stellte klar: „Diese Förderung bewirkt keine unsinnigen Projekte.“ Dafür sei der Umfang – bis zu 25 Prozent der Investition – zu gering. Angesichts knapper Renditen der Seilbahn-Betriebe sei diese Förderung „schon ein Punkt“, damit Unternehmen in Investitionen einsteigen und „die letzte Schwelle“ zu nehmen. Aktuell befasst sich die Nebelhornbahn-AG mit Neubauplänen und hofft dabei auf rund 9 Millionen staatlichen Zuschuss für das 40-Millionen Projekt. Die Seilbahnförderung unterstütze schließlich Investitionen in einen Ganzjahresbetrieb, der häufig auch auf Beschneiungseinrichtungen angewiesen sei, ergänzte Schöttl und verwies auf Modernsierungen in den vergangenen Jahre wie in Ofterschwang und Oberstaufen. „Die Allerwenigsten würden das ohne Förderung tun.“ Ob die Förderung über das Jahr 2019 hinaus zur Verfügung steht, ist noch offen.

Keinen Grund zur Klage hatten die Seilbahn- und Schlepp­lift-Unternehmen beim Blick auf die jüngste Saison. Der Winter 2017/18 begann als Punktlandung vor dem Weihnachtsgeschäft mit viel Neuschnee, und die Lifte liefen bis Ostern (Anfang April) durch, so Peter Lorenz, Stellvertretender Vorstand des Verbandes. Auch für die bevorstehende Saison nach einem heißen Sommer zeigte er sich optimistisch und verwies auf die Faustregel der Branche: Baden gut – Skifahren gut. Die anhaltende Sommerhitze verhagelte Lorenz zufolge keineswegs das Bergbahngeschäft. „In der Höhe war es meist nicht ganz so heiß.“

gts

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