Dickes Lob für Allgäuer Grüne

Bei ihrer dreitägigen Klausur in Oberstaufen widmete sich die Grünen-Fraktion im bayerischen Landtag nicht nur den großen Themen wie der Wirtschaftskrise und dem bevorstehenden Superwahljahr. Die Abgeordneten machten sich auch Gedanken wie zukünftig ein nachhaltiger Tourismus in Bayern aussehen soll und kann. Bestens geeignet als Tagungsort erwies sich hier das stark vom Tourismus geprägte Oberallgäu. Der Landkreis „mit der bayernweit größten grünen Abgeordnetendichte“, wie Fraktionschef Sepp Daxenberger den Kreisverband für seine Arbeit und die guten Wahlergebnisse lobte.

Als Fachmann hatten die Grünen Prof. Dr. Thomas Bausch von der Hochschule München eingeladen. „Nachhaltigkeit im Tourismusgeschäft ist leider immer noch ein Nischenprodukt“, so Bausch. Trotzdem sei jeder Gast, der statt einer Flugreise einen Urlaub in Bayern bucht, ein Gewinn für das Klima. Beim Thema Luftqualität forderte er ein „härteres Durchgreifen“ und auch die „Aberkennung von Prädikaten bis die Gemeinden ihre Hausaufgaben gemacht haben“. Die Wertschöpfung aus dem Tourismus werde oft „gnadenlos überschätzt“, erklärte Bausch weiter. Der berühmte Satz „wir leben doch alle vom Tourismus“ stimme in den meisten Fällen nicht. Viele Gemeinden schaufelten mehr Geld in diesen Bereich als unterm Strich wieder eingenommen wird. Der Tourismus werde oft „missbraucht“ um andere Dinge zu rechtfertigen. Statistiken belegten, dass Tourismusgemeinden in der Regel finanziell schlechter dastehen, als andere Gemeinden. Der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete und tourismuspolitsche Sprecher der Fraktion Adi Sprinkart sieht das ähnlich. Die meisten Kommunen seien durch teure Infrastrukturmaßnahmen wie Sportstätten überdurchschnittlich verschuldet – wie zum Beispiel Oberstdorf. Auch Großveranstaltungen schlagen sich nach seinen Erhebungen trotz Rieseninvestitionen zumeist nicht positiv in Übernachtungszahlen nieder. Für ihn ein Grund, „einmal genau hinzuschauen, wie stark der Einfluss von Sportverbänden und Bergbahnen auf die Tourismuspolitik in den letzten Jahren zugenommen hat“. Der Tourismus muss sich nach Ansicht der Grünen stärker seiner Verantwortung beim Klimaschutz stellen. „Die Branche tut sich – abgesehen von kleinen Privatinitiativen – schwer, auf die veränderten Klimabedingungen einzugehen“, sagte Sprinkart. So habe man für die Fraktionsklausur in der Region kein größeres Anschauungsprojekt gefunden, das sich wegweisend mit Klimaschutz und CO2 Einsparung beschäftigt. Zukünftig sollen nur noch umwelt- und klimafreundliche Projekte gefördert werden, so die Grünen-Forderung. Handlungsfelder zur CO2 Einsparung sehen sie vor allen beim Verkehr, der Reduktion des Energieverbrauchs in touristischen Einrichtungen und der Verwendung von Nahrungsmitteln aus der Region. Die Fixierung auf Kunstschnee verhindere eine Weichenstellung für Alternativen im Wintertourismus, die angesichts des Klimawandels notwendig seien, so die Günen. Im Rahmen der Tagung hatten die Abgeordneten den Ferienbauernhof Nessler bei Niedersonthofen besucht. Einfach mal abschalten, zu Fuß, mit dem Rad oder mit Schneeschuhen die Natur genießen, der Umgang mit Tieren und „auch mal wieder barfuss durchs nasse Gras laufen“ komme bei den Urlaubern gut an, so Peter Nessler. Vor allem bei Familien mit Kindern. Skifahren spiele bei seinen Gästen so gut wie keine Rolle. Zum Angebot des Bio- und Kräuterlandhofes gehören auch Wellness und Sauna. Nessler plagen bei seinem Konzept keine Zukunftssorgen. Er setzt auf „Tourismus und Investitionen mit Augenmass“. Für Fraktionschef Sepp Daxenberger ein gutes Beispiel wie mit den vorhandenen Gegebenheiten erfolgreich Tourismus praktiziert werden kann – mit und nicht gegen die Natur.

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