Mit mehr Profil

Hof-Milch will noch besser werden

Allgäuer Hofmilch Sonthofen
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Die Allgäuer Hof-Milch will sich besser aufstellen und das Unternehmen auf dem regionalen Markt noch deutlicher positionieren.

Oberallgäu – Kurskorrektur bei der Allgäuer Hof-Milch. Neu aufgestellt zeigt sich die Geschäftsführung optimistisch, die notwendigen strukturellen Veränderungen und die weitere „Fokusierung“ auf wirtschaftliche Bereiche, sowie eine „Schärfung des strategischen Profils“ bald einleiten zu können. Neu in der Geschäftsführung der Allgäuer Hof-Milch ist neben dem Mitgründner und Geschäftsführer Matthias Haug seit 1. November Kuno Linder, der langjährige unternehmerische Erfahrung mitbringt (wir berichteten). Seit mehr als 30 Jahren ist die Unternehmerfamilie Kurrle mit dem Oberallgäu eng verbunden.

Stichwort Strategie. Diplom-Volkswirt Kuno Linder betont: Es gehe nicht zuletzt darum die Produkte der Marke Hof-Milch noch besser im umkämpften Markt der Molkereierzeugnisse zu platzieren. „Ein großer Partner im Einzelhandel, wie hier Rewe, allein, reicht auf lange Sicht nicht.“ Das junge Unternehmen der Allgäuer Maienhof GmbH und ihrer Tochtergesellschaft Hof-Milch-Gruppe müsse sich jetzt intensiv um weitere Handelspartner bemühen. Die „Hof-Milch“ müsse sich etablieren und aus der allzu engen Nische des lokalen Qualitätsproduktes heraus. Das sympathische Logo der Hof-Milch soll Linder zufolge noch viel mehr Potenzial entfalten.

Regionalität

Dennoch wolle und müsse Hof-Milch seine regionale Verwurzelung weiter spielen. Die Regionalität werde man dabei keinesfalls aus den Augen verlieren. Auch wenn er diese Regionalität auch ein wenig über das klassische Allgäu hinaus verstanden wissen will, etwa Südbayern und südliches Baden-Württemberg.

Stichwort Fokusierung. „Die Region braucht eine mittelständische Molkerei und Käserei“, betont Kuno Linder weiter. Dazu wolle die Hof-Milch GmbH einen wichtigen Beitrag leisten. „Damit wollen wir einen weiteren Beitrag leisten, dass es auch künftig hochwertige Milchprodukte aus dem Allgäu für das Allgäu und die Region geben wird”, ergänzt Bettina Kurrle, die Chefin des Familienunternehmens, in der jüngsten Presseinformation zu den Neuerungen.

Mit Engagement und Leidenschaft wolle er die Hof-Milch langfristig am Standort etablieren. Mit den beiden Standorten und Produktionsstätten Missen-Wilhams und Sonthofen. Das mache ihm richtig Spaß.

Während in Missen die Produktionsanlagen quasi „so gut wie neu“ seien, sehe er beim „Milchwerk“ in Sonthofen noch deutlichen Nachhol- und Handlungsbedarf bei den Produktionsanlagen ebenso wie etwa bei der energetischen Infrastruktur. „Das werden wir Stück für Stück abarbeiten und verbessern“, betont der neue Geschäftsführer. Dabei wolle die Hof-Milch nicht in auf die Ebene einer industrielle Produktion vorstoßen, sondern „das Handwerkliche“ der Herstellung herausstreichen und den Kunden glaubhaft vermitteln, dass Lebensmittel von Menschen produziert werden, nicht allein durch Automaten und rechnergesteuerte Prozesse.

„Hof-Milch steht für Heumilch“, betont Linder. Diese Schiene werde man mit Nachdruck verfolgen. Derzeit hat die Hof-Milch rund 70 Heumilch-Landwirte unter Vertrag. und verarbeitet rund 1,5 Millionen Kilogramm Heumilch pro Jahr.„Es gibt noch viel mehr“, sagt Linder. Es gelte jedoch, das Vertrauen neu aufzubauen, gerade mit Blick auf die durchwachsenen Erfahrungen, die viele Landwirte mit den Vorgänger-Unternehmen der Hof-Milch-Gruppe gemacht hätten, erinnert er an die Kapitel Arla Foods und „Allgäuland-Käsereien“. Man sei „auf gutem Weg“, so der neue Geschäftsführer.

Neben dem Werksladen in Oberstaufen-Konstanzer wurde auch die Sennerei in Wertach geschlossen. Bereits seit August wird dort nicht mehr gekäst; Restbestände werden noch gepflegt und sukzessive verkauft. Das historische Gebäude befindet sich im Besitz der Marktgemeinde Wertach. So stattlich es sich von außen ausnehme, so marode sei es in der Bausubstanz und Ausstattung. „Eine der Altlasten aus dem Erwerb der Arla-Immobilien“, weiß Linder.

Was wird aus dem Weißlacker, der vor 150 Jahren in Wertach „erfunden“ und lange Zeit exklusiv hier hergestellt wurde? „Ein sehr emotionales Thema“, meint Linder, der sich seine Kässpatzen ohne Weißlacker gar nicht vorstellen mag. „Diese für die Zubereitung von richtigen Allgäuer Kässpatzen unverzichtbare Spezialität wird nicht verschwinden. Die Produktion läuft seit längerer Zeit schon in Sonthofen.“

Von JOSEF GUTSMIEDL

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