Eine Chronik für Gunzesried

Drei Frauen und eine Chronik

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Die „Mütter und Väter“ der Gunzesrieder Chronik mit (vorne von links) Fini Waibel, Anita Oßwald, Franz Gehring, Elisabeth Blessing und (dahinter von links), Otto Steiger, Max Luitz und Chronikverfasser Hermann Weizmann.

Gunzesried - Drei Frauen waren es, die „die Sache“ in die Hand nahmen und die Chronik des Dorfes Gunzesried auf den Weg brachten. Jetzt wurde das Buch „Die ehemalige Gemeinde Gunzesried“ vorgestellt.

„Ma sott doch au a so a Chronik hong...“, meinten die drei Gunzesriederinnen, als sie vor etwa vier Jahren Dr. Hermann Weizmann ihre Idee vorstellten. Die „Idee“ der Chronik für das Dorf Gunzesried stand schon einige Zeit im Raum und mit dem bekannten und bewährten „Chronik-Schreiber“ Weizmann wussten sich die Drei – Fini Waibel, Anita Oßwald und Elisabeth Blessing – an der richtigen Adresse. Denn der hatte in den vergangenen Jahren mit den Ortschroniken von Burgberg und Ofterschwang schon bewiesen, dass er „sein Handwerk“ versteht.

„Und wer schreibt’s?“ fragte damals Weizmann, der zunächst erwartet hatte, dass die drei Gunzesriederinnen „nur“ ein paar Tipps des erfahrenen Chronikautors haben wollten. Die Antwort ließ ihm offenbar keine Wahl: „Ja, Sie...!“ Bewusst, dass es „eine Menge Arbeit und viel Zeit“ kosten würde ließ er sich auf das Abenteuer ein. „Schon hatte ich meine dritte Chronik am Hals.“

Bald folgte ein Besuch beim damaligen Bürgermeister der Gemeinde Blaichach, Otto Steiger, bei dem die Gunzesrieder Frauen das Projekt vorstellten. Nachdem die Gemeinde Blaichach die Finanzierung des Chronik-Projektes zugesichert hatte und einige Sponsoren gewonnen worden waren, konnte Weizmann seine dritte Chronik in Angriff nehmen.

„Das wird’s bald haben, habe ich gedacht“, erinnert sich Weizmann. „Der größte Irrtum meines Lebens.“ Denn Stoff war in der Tat reichlich vorhanden. Das Archiv der Gemeinde Blaichach erwies sich als ergiebige Quelle was historische Fotos anging.

Viel Unterstützung hat Weizmann in Gunzesried und Bihlerdorf selbst gefunden, so etwa bei Franz Gehring oder Max Luitz. Immer wieder sei etwa Elisabeth Blessing mit einem Päckchen Dokumenten und Fotos vor der Türe gestanden. „Ich hatte richtig was zu tun.“ So wurden aus den geplanten 160 Seiten schließlich fast 200.

Wohl überlegt ist auch das Umschlagbild der Chronik, eine Flachsspinnerin am Spinnrad. Eine historische Ansicht von Gunzesried zu wählen, hätte sehr wahrscheinlich die Bihlerdorfer verärgert, die ja auch zur ehemaligen Gemeinde Gunzesried gehörten, so Weizmanns Befürchtung. „Mit der Fotografie der Spinnerin war ich auf der sicheren Seite.“

Das Grundprinzip, dem Weizmann bei seiner Chronikarbeit folgt, lautet, das Vereinsleben als Gestalter des Ortlebens zu betrachten. Während private oder „hochoffizielle“ Zeitzeugnissse oft rar sind, zeigt ein Blick in die Vereinschroniken und Zeitungsarchive, was die Menschen bewegte und unterm Strich „was los war“ im Dorf.

Dennoch könne man nicht die Vereinschroniken abkupfern, sondern müsse das Wesentliche daraus „verarbeiten“ und in den zeitgeschlichen Rahmen einbinden. „Das heißt auch, eine Auswahl zu treffen“, erläutert Weizmann. Er hoffe, das sei ihm gelungen.

Erhältlich ist das Buch „Die ehemalige Gemeinde Gunzesried“ in der Tourist-Info in Blaichach, sowie in der Sennerei in Gunzesried (Preis: 25 Euro).

Josef Gutsmiedl

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