Krise: Kreative im Gespräch

Die Initiative »Kulturgesichter0831« will der Kulturszene Gehör verschaffen

Kulturgesichter0831
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Die Initiatoren: Moderator Hannes Hoch (Mitte), Foto- und Videograf Marcel Durach und Kulturgesichter0831-Organisatorin Ramona Kloos bringen die Emotionen der Veranstaltungsbranche auf die Bühne
  • VonLena Fuhrmann
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Sonthofen/Kempten – Die Initiative Kulturgesichter0831 hat sich zum Ziel gesetzt, den Kunstschaffenden in der Coronakrise Gehör zu verschaffen. So wird seit Anfang Mai jeden Montag um 20.15 Uhr auf www.studio-talk.de ein Gespräch mit einem Kulturschaffenden über die momentane Situation und allgemein über das Leben für die Kunst ausgestrahlt. 

Die Kulturgesichter0831 machen bereits seit Mitte letzten Jahres mit der Foto-Aktion „Ohne uns ist´s still“ auf sich aufmerksam – Ein Mahnmal für die Lahmlegung der Kulturbranche in Deutschland. So präsentieren sich bereits rund 190 Gesichter aus dem Allgäuer Raum bei der Initiative, die mittlerweile ganz Deutschland erreicht hat.

Seit dem 3. Mai gibt es auch das Format der Talk-Show im „Kulturgesichter0831 Studio-Talk“. Die Geschichten von zum Beispiel Ludwig Welte von Extratours, dessen Video bereits über 1100 Leute gesehen haben oder Isabella Dartmann, Musical-Sängerin im Festspielhaus Füssen, deren Video bereits 800 Klick vernommen hat, haben bereits Gehör gefunden.

Kulturwerkstatt Sonthofen

Am kommenden Montag wird auch Monika Bestle von der Kulturwerkstatt in Sonthofen mit Hannes Hoch über ihre Arbeit sprechen. „Ich finde diese Sache wahnsinnig gut“, sagt sie. Marcel Durach, der sich für Kulturgesichter0831 engagiert, kennt Monika Bestle schon seit gut 20 Jahren. Zur Zeit hat der Fotograf eine Ausstellung in der Kulturwerkstatt in Sonthofen. „Die Ausstellung war eigentlich im Frühjahr 2020 geplant, aber nach drei Tagen musste sie aufgrund der Coronabestimmungen schließen“, erinnert sich Bestler, „das war sehr traurig.“ Wie viele kann auch sie die fehlende Unterstützung der Politik für die Branche nicht nachvollziehen, besonders vor dem Hintergrund der Fußball-Europameisterschaft werde die Ungleichbehandlung deutlich.

Monika Bestle als Mahnmal inszeniert: Foto-Aktion „Ohne uns ist´s still“

Durch die vielen Auflagen sei der administrative Aufwand derzeit extrem hoch, die Angst etwas falsch zu machen schwinge immer mit. Dabei ist Monika Bestle seit über 20 Jahren im Geschäft und hat eine gewisse Routine. 1997 gründete sie die Kulturwerkstatt in ihrem Geburtshaus in den Räumlichkeiten der ehemaligen Schlosserei ihres Vaters, die, wie Monika Bestle durch einen glücklichen Zufall herausfand, eine unglaublich gute Akustik hat.

Corona-Regeln bescheren viel Arbeit

Seither hat sie sich zur Aufgabe gemacht, besonders junge Kreative zu fördern. Diesen Sommer ist das nur mit Hygienekonzept möglich: Gäste müssen einen Negativtest, Impfung oder Genesung vorweisen, die maximale Besucherzahl ist auf 50 beschränkt, es gelten die üblichen Abstandsregeln. Für Konzerte mit Gesang oder Blasinstrumenten gibt es einen Luftreiniger mit Filter, die Maske darf am Platz abgenommen werden.„Open-Air schaffe ich nicht mehr“, sagt Bestle. Im Freien wären zwar mehr Menschen zugelassen, aber da sie die Veranstaltungen alleine organisiert, ist der Aufwand zu groß. Außerdem sei der Verkehr in der Altstädter Straße inzwischen so stark, dass Outdoor-Veranstaltungen sowieso unsinnig wären.

In den 24 Jahren ihrer Existenz hat sich die Kulturwerkstatt einen Namen gemacht. Es kämen Anfragen aus ganz Deutschland, auch aus den USA, Südamerika oder Spanien: „Wir sind überall bekannter als in Sonthofen“, lacht Bestle. Die letzten eineinhalb Jahre waren hingegen von der Coronapandemie gezeichnet. „Ich bekomme ja meine Rente, aber die Kulturwerkstatt ist blutrot!“. Man habe nur durch Spenden überlebt, da die staatlichen Hilfen „wirklich übel“ seien – die Prioritäten der Politik eine Schande!

Monika Bestle im Interview

„Es sind Emotionen, geballtes Fachwissen und ein tiefer Einblick in das Leben von Kolleginnen und Kollegen, Künstlerinnen und Künstlern, die uns zutiefst bewegen“, so Organisatorin Ramona Kloos. Wir sind stolz auf das Format und ich bin froh, dass ich mit Hannes Hoch und Marcel Durach zwei Profis ihres Fachs kennenlernen durfte, die dem Projekt Kulturgesichter mit dem gleichen Herzblut beiwohnen, wie ich das tue.“

Die Shows sind auch auf YouTube zu finden. Am Montag, 5. Juli, wird Monika Bestle von der Kulturwerkstatt Sonthofen im Interview mit Hannes Hoch zu sehen sein. Spenden sind möglich unter www.betterplace.me/kulturgesichter0831. Weitere Infos gibt es unter www.kulturgesichter0831.de

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