"Die Krähen auf dem Misthaufen"

Deftige politische Kost boten am Aschermittwoch die beiden Allgäuer Grünen Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart (links) und Thomas Gehring (rechts) sowie Steffi Lemke. Foto: Heinrich Bonert

Wie stark sich die wichtigen politischen Auseinandersetzungen derzeit vor allem zwischen Schwarz und Grün abspielen, wurde auch beim traditionellen Aschermittwoch der Oberallgäuer und Kemptener Grünen in Niedersonthofen deutlich. Andere Parteien fanden – wenn überhaupt - gerade mal als Randbemerkung statt. Im dritten Jahr treten die beiden Landtagsabgeordneten Adi Sprinkart und Thomas Gehring nun gemeinsam an, um den Bogen von der eigenen Haustür bis in den Landtag zu spannen. Als „Promi“ unterstützte sie dieses Jahr Steffi Lemke - langjährige politische Geschäftsführerin der Grünen (bei anderen Parteien würde die Bezeichnung Generalsekretärin lauten). Ob zu Guttenberg, das E10 Benzin-Debakel, die Gentechnik oder die Bayrische Landesbank - im so genannten „Superwahljahr“ nahmen sich die drei die „schwarzen“ Konkurrenten kräftig zur Brust.

Für Landrat Kaiser komme die Heraufsetzung der Altersgrenze leider zu spät. „Was aus dem noch hätte werden können, wenn es nach ihm gegangen wäre“, lästerte Gehring. Aber als Vorsitzender der Allgäu GmbH sei er ja „so etwas wie ein gefühlter Ministerpräsident des Allgäus“, tröstete Sprinkart. „Memmingerberg ist der einzige echte internationale Flughafen Deutschlands, weil er nur international erreichbar ist“, kam Sprinkart zu einem grünen Lieblingsthema. Um problemlos von Berlin ins Allgäu zu kommen müsse man halt über die Ukraine fliegen. „Unsere Kommunalpolitiker unterstützen lieber Stuttgart21 und merken gar nicht, dass dieses Geld bei uns in der Region fehlt“, kritisierte er die mangelnde Unterstützung für die Bahn im Allgäu. Oberstdorf sei der „Aschermittwochs-Evergreen“ schlechthin, sorgte Gehring für Heiterkeit im Saal. Man habe den Eindruck, „dass keiner weiß, was für Oberstdorf gut ist, aber viele Oberstdorfer wissen was für sie selber gut ist“. Im Obersdorfer Gemeinderat zeichne sich - laut Sprinkart - so etwas wie eine „Atomisierung“ ab: „Jeder Gemeinderat hat bald seine eigene Fraktion“. Man könne auch von Erosion sprechen, legte Gehring nach. Da habe man ja Erfahrung ob es um die Gemeindefinanzen oder den Faltenbachtobel geht. „Abschreiben und Ideenklau“ sei nichts Neues bei den schwarzen Kollegen, stellten die beiden Abgeordneten fest. Vom Bergwaldantrag bis zur Solaranlage bei Urulasried. Gehring sieht dies nicht als Plagiat sondern als „politische Erfolge der Opposition“. Da „wo die CSU selbst das Urheberrecht hat, wie bei der Bayerischen Landesbank“, wolle sie aber, dass der Wähler dies schnell wieder vergisst. „Die Landesbank kostet uns zehn Milliarden Euro. Urheber: Die CSU und ihr schwarzer Filz“, so Sprinkart. Die Abschaffung der Nulltoleranz bei Futtermitteln sei eine CSU-Forderung gewesen, nannte er deren Verhalten bei der Gentechnik „nicht nur scheinheilig sondern hinterfotzig“. Die beiden Abgeordneten wetterten gegen den Brückenbau bei Thanners („Geld zum Fenster hinaus geschmissen“), den Kreiszuschuss für die Oberstdorfer Sprungschanze, neue Supermärkte auf der grünen Wiese und die zunehmende Flächenversiegelung. Bei Letzterem sei das Oberallgäu bayernweit trauriger Spitzenreiter. Am Riedberger Horn werde man sich „die Zähne ausbeißen“, prophezeiten sie den Liftbefürwortern. Lautes Krächzen Nach einem musikalischen Intermezzo der Blaskapelle Niedersonthofen hatte Steffi Lemke ihren Auftritt. In Berlin werde „hundsmiserabel regiert“, zog sie sofort kräftig vom Leder. Schwarz/Gelb könne „nicht regieren, nicht promovieren und nicht das Klima schützen“ - Verlässlichkeit und Verantwortung sähen anders aus. „Vom lauten Krächzen und Krähen wird der schwarz/gelbe Misthaufen nicht kleiner“, kritisierte sie das Auftreten ihres CSU-Generalsekretärskollegen Dobrint. Beißender Spott auch für die „Ministerpräsident-Flüchtlinge“: „Hätte Plutonium die Halbwertzeit von CDU/CSU Politikern, hätten wir kein Endlagerproblem“, E10 stehe nicht für „10 ehemalige Ministerpräsidenten“ sondern für „Lobbyinteressen, Unfähigkeit und schlechtes Marketing“ bei der Einführung einer neuen Spritsorte. „Wenn diese Regierung für Klimaschutz zuständig ist, kommen so was wie E10 und Röttgen raus“, nannte sie den Umweltminister einen „umweltpolitischen Dilettanten“. Die Regierung habe sich „in die eigenen Widersprüche verstrickt und sei dabei auf die Schnauze gefallen“. „Wenn wir ökologische Politik machen, dann hat das Hand und Fuß“, sieht sie die Grünen „als die eigentlichen Konservativen, wenn es ums Bewahren, Schützen und Wertschätzen geht“. In der Guttenberg-Affäre sieht Lemke eine „moralische Verlotterung“ und „die Wissenschaftslandschaft blamiert“. Merkel habe es geschafft, „den Akademiker vom Kabinettsschönling zu trennen“. CDU/CSU wollten nicht begreifen, dass der Diebstahl geistigen Eigentums kein „Dummenjungenstreich“ ist, prophezeit sie der Union eine „heftige Wertedebatte“. Bei Stuttgart21 wirft sie Mappus eine „Knüppel auf den Kopf Politik“ vor, der Atomwirtschaft rolle man den roten Teppich aus und Gentechnik gehöre nicht auf den Teller. Integration und Zuwanderung seien - auch aus Sicht der Wirtschaft - eine wichtige und zentrale Aufgabe, erteilte sie ausländerfeindlichen Parolen eine deutliche Absage. Für die kommenden Wahlen zeigt Lemke sich optimistisch, warnte jedoch angesichts von „Umfragehöhenflügen“ vor zu großen Erwartungshaltungen.

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