"Allgäu Digital" startet durch

Zur (Schraub-)Schlüsselübergabe posieren (von links) Martin Langenmaier (stellvertretender Geschäftsführer Sozialbau Kempten), Moderator Christian Dosch (Projektleiter Allgäu Digital), OB Thomas Kiechle und Architekt Hermann Hagspiel.

Kürzlich fand in der ehemaligen Spinnerei und Weberei in Kempten die Eröffnung des Digitalen Gründerzentrums „Allgäu Digital“ statt. In mehreren Büroräumen, die technisch auf dem neuesten Stand sind, können sich dort junge Existenzgründer ihren innovativen Ideen digitaler Geschäftsmodelle widmen.

„Die Digitalisierung ist natürlich auch längst in Kempten angekommen“, sagte Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle bei seiner Eröffnungsrede vor rund 130 Gästen. Die sich daraus ergebenden Chancen gelte es nun zu nutzen. „Allgäu Digital“, das sind gut 300 Quadratmeter mit diversen offenen und geschlossenen Büroräumen, ausgestattet mit modernster Technik. Existenzgründer können sich hier ihren innovativen Ideen für und der Umsetzung von digitalen Geschäftsmodellen widmen.

Die Jungunternehmer können untereinander Netzwerke bilden, aber auch mit bereits etablierten Unternehmen, von denen bereits einige Interesse signalisiert haben.

Das Digitale Gründerzentrum „Allgäu Digital“ ist Teil des mit Mitteln das Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie geförderten Gründerzentrums Schwaben. Es ist ein Projekt der Stadt Kempten und der Allgäu GmbH in Kooperation mit der Hochschule Kempten und der aitiRaum-IT Gründerzentrum ­GmbH in Augsburg.

Staatssekretär Franz Pschierer hob in seiner Ansprache die Veränderung der meisten Branchen hin zu mehr Digitalisierung hervor. So sah er in seiner Zukunftsvision am Logistikstandort Kempten kaum noch Lastwagen fahren. Schon in ein paar Jahren würden beispielsweise Ersatzteile nicht mehr real transportiert, sondern an verschiedenen Standorten per 3D-Drucker hergestellt. Die Bayerische Regierung wolle bewusst auch die ländlichen Räume fördern. Pschierer freute sich, dass beim Standort Kempten nicht die „Schwäbische Methode“ zum Einsatz gekommen sei, „Hauptsache der Andere kriegt‘s net“, sondern mit Augsburg „alle an einem Strang gezogen haben“. Weiter betonte er: „Wir brauchen auch in der digitalen Welt den Mensch“ – Räumlichkeiten wie diese, in denen echte Gespräche, Begegnungen und Netzwerkarbeit stattfinden könne.

Große Unternehmen hätten die Vorzüge von Kooperationen mit Gründern bereits erkannt und würden sie gegebenenfalls auch „schlucken“, hob Prof. Dr. Katrin Stefan, Leiterin des StartUp Centers an der Hochschule Kempten, im Rahmen einer kleinen Podiumsdiskussion zur „Digitalstrategie für das Allgäu“ hervor. Der Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion, Thomas Kreuzer, sah hierin einen Hemmschuh für die Weiterentwicklung der Unternehmen und einen besseren Weg darin, ­Startups zu unterstützen, damit sie selbst „richtig wachsen können“. Für Kreuzer steht außer Frage, dass „die Digitalisierung die Welt so verändern wird, wie die Industrialisierung“ und es dabei Gewinner und Verlierer geben werde. Da die Digitalisierung „große Chancen“ gerade auch im ländlichen Raum eröffne, sei der rasche Breitbandausbau auch dort wichtig, denn es dürfe keinen Unterschied machen, wo jemand mit seinem Computer sitze.

„Digitalisierung bedeutet für uns auch Standardisierung“ und daraus resultierend „neue Geschäftsfelder“, bekundete Stefan Hohm vom Logistiker Dachser die Offenheit des Unternehmens für Kooperationen mit Gründern. „Für uns ist es eine große Chance uns hier zu beteiligen“, versprach er sich fruchtbare Entwicklungen.

Natürlich konnten sich die Gäste auch darüber informieren, was in so einer Ideenschmiede entstehen kann. Ein Computerspiel mit „episodischem Bezahlsystem“ bringen derzeit Jessica Anders und ­Janine Scheiterbauer mit ihrem Startup-Unternehmen „Game ­Development“ auf den Weg. Für sie ist das digitale Gründerzentrum der ideale Ort „um arbeiten zu können“, da sie im ersten Jahr noch kaum Einnahmen haben würden, wie sie erklärten. Software Lösungen für Unternehmen entwickelt die ­Skytala GmbH in Dietmannsried, deren Geschäftsführer Christoph Wölfle das Geschäftsmodell vorstellte. Mit ihrem von Vorstand Konstantin Andreas Feustel erläuterten Digitalen Destinationsmanagement will die Geios AG in Oberstaufen einen Mehrwert für Reisende, Gäste und Destinationen gleichermaßen schaffen.

ct/kb

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