1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Sonthofen

Dreimal die Woche ins Testzentrum: Kita-Eltern protestieren in Sonthofen

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Testpflicht in der Kita
Bei einigen Eltern regt sich Protest. Eine Gruppe Eltern verfasste anonym einen Brief an Bürgermeister Wilhelm, der dem Kreisbote vorliegt. (Symbolbild) © pixabay

Sonthofen – In Sonthofens städtischen Kitas werden Selbsttest zuhause nicht anerkannt. Eltern verfassten nun einen empörten Brief an Bürgermeister Wilhelm.

Seit Beginn der Woche müssen Krippen- und Kindergartenkinder montags, mittwochs und freitags auf Corona getestet werden. Mit dem Berechtigungsschein der Kita erhalten Eltern kostenlos Selbsttest in der Apotheke, mit denen sie die Kleinen zuhause testen können.

„Die Regelung besagt, dass die Kinder zuhause dreimal in der Woche getestet werden sollen und anschließend der entsprechende Nachweis bei der Einrichtung erbracht werden muss. Das Ministerium schlägt vor, dies entweder durch Mitbringen bzw. Vorzeigen der Testkassetten oder durch Vorlage einer schriftlichen Eigenbestätigung der Eltern über die Durchführung der Tests, nachzuweisen. Nichtsdestotrotz, trägt die Kinderbetreuungseinrichtung vor Ort die Verantwortung darüber, wie die Testnachweispflicht umgesetzt wird“, erklärt der Leiter des Ordnungs- und Sozialreferats Marcus Kleebaur in Sonthofen.

Sonderweg der Stadt Sonthofen

Die Stadt Sonthofen hat sich jedoch für einen anderen Weg entschieden. Dort müssen die Kinder in der Früh vor dem Kindergarten dreimal die Woche in ein Testzentrum oder zur Apotheke, um dort getestet zu werden. Nur mit dem Nachweis einer öffentlichen Teststation dürfen die Kinder die Kita besuchen. Oder aber das Kitapersonal muss die Testung eines jeden Kindes vor Ort in der Kita überwachen.

„Die Leitungen der städtischen Einrichtungen, sowie die Verwaltung in Sonthofen haben sich die Entscheidung nicht leichtgemacht und intensiv diskutiert, wie der Ablauf gestaltet werden sollte“, so Kleebaur, „allen Beteiligten war bei der Abwägung klar, im Hinblick auf die drohende nächste Coronawelle mit der hochansteckenden Omikron-Variante muss der Schutz der anvertrauten Kinder und natürlich auch des pädagogischen Personals absolut im Fokus stehen. Aus diesem Grund hat sich Sonthofen dazu entschlossen, nur Testzertifikate von offiziellen Teststellen zu akzeptieren oder den Eltern es zu ermöglichen, vor Ort in der Einrichtung unter Beisein des pädagogischen Personals die Testung bei ihren Kindern durchzuführen. Andere Varianten wurden als zu unsicher verworfen.“

Anonymer Brief an den Bürgermeister

Bei einigen Eltern regt sich Protest. Eine Gruppe Eltern verfasste anonym einen Brief an Bürgermeister Wilhelm, der dem Kreisbote vorliegt.

Darin wird die Vorgehensweise der Stadt als „Zumutung“ für die Kinder kritisiert, „vor allem, wenn man berücksichtigt, dass die Kinder schon unter dieser Situation leiden und die ganzen Maßnahmen nicht verstehen können.“ Für berufstätige Eltern sei es eine „besondere Herausforderung“. Es sei schwer, neben Arbeit, Kind und Haushalt nun auch noch 3x wöchentlich testen zu gehen. Zusätzlich müssten die Kleinen „von fremden Menschen sich ein Stäbchen in die Nase führen lassen.“

„Kein Vertrauen in die Eltern?“

Und weiter: „Hat man in uns Eltern kein Vertrauen mehr, oder warum reicht ein Schnelltest mit negativ Nachweis nicht mehr?“
In der Tat wurde bei der Stadt Sonthofen „intensiv diskutiert“ und das Testen der Kinder zuhause schließlich als „zu unsicher“ eingestuft.

„Muss man unseren Kindern und auch uns das Leben noch schwerer machen, als wie es eh schon ist?“, wollen die Eltern in ihrem Brief vom Bürgermeister wissen.

„Der Stadt Sonthofen ist es bewusst, hier einen eigenen Weg zu gehen, der auch etwas mehr Aufwand bedeutet, sieht aber darin einen entscheidenden Mehrwert für die Sicherheit der Kinder,“ argumentiert Kleebaur. 

Warten auf den „Lolli-Test“

In Bayern gäbe es Bestrebungen den „Lollitest“ als Pooltest für Kinderbetreuungseinrichtungen einführen zu wollen, heißt es von Seiten Kleebaurs: „Aus Sicht der Verantwortlichen Sonthofens wäre dies tatsächlich die eleganteste und zielführendste Lösung. Es bleibt die Hoffnung, dass der „Lollitest“ baldmöglichst eingeführt wird und sich somit die beschriebene Testnachweispflicht mit all den damit verbundenen Umständen erübrigt.“

Auch interessant

Kommentare