"Leidenschaftlicher Kommunalpolitiker"

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Von den ehemaligen Gemeinderäten Albert Vogler (links) und Günther Meßenzehl (rechts) wurde Edi Geyer zum „Ehrenbürgermeister“ ernannt.

Oberstdorf - Ein Urgestein der Oberstdorfer Kommunalpolitik feierte seinen 80. Geburtstag. Der langjährige Bürgermeister Eduard Geyer hatte zu seinem „Runden“ die Oberstdorfer zu einem Frühschoppen eingeladen. Von dem langjährigen Gemeinderat Albert Vogler in der Begrüßung als „Sitzung des Ältesten- und Weisenrates des südlichsten Germanenstammes der Wilden Männle“ angekündigt.

Grenzgänger, Querdenker, bayrischer Peppone, geschickter Taktiker - nur einige der Attribute, die an diesem Vormittag dem Jubilar angeheftet wurden. „Seine Meinungen, die nicht dem herrschenden Zeitgeist entsprachen, haben Oberstdorf gut getan“, so Martin Rees in seinem Rück-, Über, Weit- und Ausblick. Nach 29 Jahren als Bürgermeister und 13 Jahren „unfreiwilligem Unruhestand“ seien seine Leistungen unbestritten. Geyer habe nach dem Känguruh-Prinzip gearbeitet - „mit leerem Beutel große Sprünge machen“.

Aufgewachsen in Füssen kam der studierte Jurist ans Landratsamt in Kempten und kandidierte 1973 als Bürgermeister, wo er gegen den damaligen CSU-Favoriten überraschend den Rathaussessel eroberte. Zupackend, streitbar und manchmal auch umstritten leitete und prägte er fast 30 Jahre die Gemeindegeschicke und verstand es mit unkonventionellen Methoden seine Anliegen durchzusetzen.

Legendär die Konflikte mit Naturschützern, übergeordneten Behörden oder der eigenen CSU. Zwei Parteiausschlussverfahren, weil er für andere Gruppierungen und Parteien kandiert hatte, überstand er unbeschadet. Unbestritten die Weitsicht mit dem Bau einer Umgehungsstraße den Verkehr Richtung Walsertal aus dem Ort zu holen. Ob Ski-Weltmeisterschaften, der Bau eines Wasserkraftwerkes, Verkehrsberuhigung, Fördermittel für das Krankenhaus oder der Oberstdorfer Musiksommer - überall sind die Spuren des leidenschaftlichen Kommunalpolitikers erkennbar. Geyer hätte sicher gerne noch ein paar Jahre weiter gemacht, was an der Altersgrenze für Rathauschefs scheiterte. Noch heute mischt er sich ein, wenn ihm an der aktuellen Politik etwas nicht passt.

Die Gratulationen von Pfarrer Peter Guggenberger, CSU-Ortsvorsitzenden Adalbert Schall und Bürgermeister Laurent Mies waren gespickt mit Anekdoten aus Geyers Amtszeit. Der ehemalige Staatsekretär Alfons Zeller nannte ihn „ein Phänomen und einen Visionär“. Im Laufe des Geburtstagsfrühschoppens wurde Geyer zum „Ehrenbürgermeister“ ernannt und die Ehrennadel für 50 Jahre Mitgliedschaft von der Oberstdorfer CSU überreicht. Schon am Vortag war Bundesminister Dr. Gerd Müller zum Gratulieren gekommen.

Der so Geehrte dankte allen Festrednern und Gästen. "Man muss Politik anders machen als von oben gesagt wird", riet er, die kommunalpolitischen Sichtweisen in den Mittelpunkt zu rücken. Er habe im Leben nur zwei Chefs gehabt, “den lieben Gott und seine Frau Sissy“. Denen habe er versucht immer zu folgen. Von „Schwarzen Nullen“ hält Geyer auch heute nicht viel. „Man muss Schulden intelligent machen“, so sein Credo.

Heinrich Bonert

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