Egga-Spiel in Sonthofen zieht viele Zuschauer an

Die Hexe in die Kiste gesteckt

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Bäuerin, Magd und Föhl arbeiten in der Küche. Doch die „Hexe”, die die Naturgewalten, denen der Mensch ausgesetzt ist, symbolisiert, bringt auf dem Bauernhof und auf dem Feld alles in Unordnung, bis sie schließlich gefangen wird und abends auf dem Funken brennen soll.

Sonthofen – Großen Zulauf fand das Egga-Spiel vergangenen Sonntag am Marktanger in Sonthofen. Das Schauspiel geht auf vorchristlich-alemannische Bräuche zurück und symbolisiert den Kampf der Menschen gegen die Naturgewalten.

„Bis vor einigen Jahrzehnten ergötzte sich das junge Volk in Sonthofen und Burgberg zur Fastnacht an einem höchst eigentümlichen, an uralte Anschauungen und Bräuche erinnernden Spiel, das Egga heißt”, schrieb der Volkskundler Felix Dahn in seinem Werk „Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreiches Bayern” 1863. 

Die "Hexe" bringt beim Egga-Spiel Chaos ins bäuerliche Leben.

Das pantomimische Schauspiel geriet danach in Vergessenheit und wurde 1955 vom Heimatdienst Sonthofen wiederbelebt. Seitdem findet es alle drei Jahre am Funkensonntag in Sonthofen statt. 

Das Egga-Spiel, der wohl älteste Allgäuer Brauch, wird von 17 Buben, Mädchen und jungen Männern gestaltet. Sie sind als Bauer, Bäuerin, Bue, Föhl, Knecht, Magd, Katze und andere Tiere verkleidet. Ihre „Larven” genannten Holzmasken wurden nach dem Entwurf des Sonthofer Kunstmalers Rudolf Schraudolph angefertigt und sind das restliche Jahr im Heimathaus ausgestellt. 

Ein Herold – in diesem Jahr erstmals Stefan Kracker, der dieses „Amt” von seinem verstorbenen Vater übernommen hat – fungiert als Sprecher und Moderator des pantomimischen Egga-Spiels. Er schildert zunächst in einem Prolog die schwierige Situation der Bauern in früheren Zeiten. 

Danach zeigen die Darsteller die alltägliche bäuerliche Arbeit, die Egge als Ackergerät spielt hierbei eine große Rolle. Doch plötzlich erscheint die Hexe und bringt alles durcheinander – sie „eggt” überall an: das Vieh scheut, die Saat kann nicht ausgebracht werden, die Küche wird verwüstet. 

Es beginnt die Jagd auf die Hexe, die schließlich in der Sautränke gefangen wird. Zum Schluß verkündet der Herold, dass sie auf dem Funken verbrannt werden soll.

Eva Veit

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