Eggaspiel in Sonthofen zieht zahlreiche Besucher an

Hexenwerk auf dem Marktanger

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Das Spiel ist aus: Der Bauer und der Knecht haben die Hexe endlich gepackt.

Sonthofen – Es „eggte“ nicht bei der Aufführung des Eggaspiels am Nachmittag des Funkensonntags. Alles klappte bei der pantomimischen Schauspiels auf dem Marktanger – und der angekündigte Regen setzte erst ein, als die Schaupieler ihre Masken wieder abgelegt hatten. Mehrere hundert Zuschauer verfolgten das urtümliche Spiel, das den Kampf der früheren Menschen mit den Naturgewalten versinnbildlicht.

„Drei Jahre sind schon wieder vorbei...“ Hans Fischer von Projektteam Eggaspiel beim Heimatdienst Sonthofen kann es selbst kaum glauben als er zusammen mit etlichen Heimatdienst‘lern am Vormittag die „Bühne“ auf dem Marktanger in Sonthofen einrichtet. Ein Acker wird vorbereitet, eine Küche auf einem Bauernhof, ein paar Requisiten bereitgestellt. Alle drei Jahre wird das Eggaspiel seit Mitter der 1950er Jahre ausgeführt. Letztendlich, so erläutert Fischer vor der Aufführung, ist es dem früheren Heimatpfleger Alfred Weitnauer zu verdanken, der damals die Aufzeichnungen des bekannten Volkskundlers Felix Dahn, der das Spiel etwa hundert Jahre zuvor beschrieben hatte, aufarbeitete.

Dicht gedrängt rund um die Spielfläche verfolgten mehrere hundert Besucher die Aufführung, die traditionell alle drei Jahre vom Heimatdienst Sont­hofen inzeniert wird. Dargestellt wird dabei der Kampf der Menschen in heidnischer Zeit, die bei vielem was nicht zu erklären war oder nicht klappte, Dämonen oder Hexen am Werk sahen. Die 16 Akteure brauchen zwar keine Texte zu lernen, müssen aber die zum Teil recht schweren Masken fast eine Stunde lang tragen können. Vor allem für die Schauspieler, die Großvieh darstellen, eine Plackerei.

Die Masken vor allem der großen Figuren wie etwa die der Pferde oder des Rindergespanns haben es in sich. So sehen die Darsteller ihr Aktionsfeld nur durch ein kleines Loch. Schwieriger noch das Gewicht der Masken, die schon ein paar Kilogramm wiegen. „Klar, dass wir die Dinger erst kurz vor Beginn aufsetzen“, meint Tobias Kracker, der heuer die Kuh darstellte. Immerhin dauert die Aufführung rund 45 Minuten; zwischendurch mal das Ding über dem Kopf mit der Hand abstützen, geht nicht.

Das eigentliche Eggaspiel wird von einem Herold zunächst erläutert, diesmal Anddreas Kracker, der selbst schon die meisten Rollen spielte. Der Herold begleitet die Akteure während der ganzen Aufführung, da ja sonst keinerlei Dialoge stattfinden und ein paar Erläuterungen des Geschehens auf der Bühne für die Zuschauer nützlich sind.

Es will nichts gelingen, an diesem Tag. Die Tiere auf dem Hof gebärden sich wie verrückt, wollen nicht gehorchen. Der Bauer und sein Knecht haben auf dem Feld ähnliche Mühen an diesem „verhexten“ Tag wie die Bäuerin und die Magd im Haus, wo es ebenfalls überall „eggt“ und sogar Geschirr auf den Boden fällt. Keiner kann sich den seltsamen Spuk erklären, der alle und alles durcheinander bringt.

Als schließlich mit den Hofhund eine Spur aufgenommen wird, gelingt es die Hexe als „Verantwortlichen“ zu fassen und kurzerhand in der Saukiste festzusetzen. Dann wird gefeiert und getanzt!

Wenn früher im Eggaspiel und ähnlichen Aufführungen nur junge Burschen mitspielen durften, war das bis in die 1990er Jahre beim Heimatdienst genauso. „Doch bereits sei 1993 dürfen bei uns auch Mädchen mitspielen“, berichtet Hans Fischer. Ein wenig ist diese Emanzipation auch dem Umstand geschuldet, dass für die verhältnismäßig kleinen und engen Masken der kleineren Haustiere einfach keine passenden Schauspielerköpfe gefunden wurden. Wie dem auch sei, heuer spielten immerhin fünf Mädchen mit.

Eggaspiel in Sonthofen

Josef Gutsmiedl

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