Auf Erfolgskurs

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Wo die Rahmenbedingungen stimmen, hat die Naturverjüngung - hier junge Weißtannenpflanzen - gute Chancen.

Oberallgäu – Über die jagdlichen Bedingungen im Allgäu informierten sich rund 60 Jagdvorstände, darunter auch einige Bürgermeister, aus dem Bregenzer Wald sowie den eigenbewirtschafteten Revieren aus dem südlichen Oberallgäu. Eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Jagd im Bayerischen Bauernverband (BBV).

Im Gemeindewald Blaichach konnten sich die Besucher über das seit einigen Jahren sehr gut funktionierend Eigenjagdkonzept informieren. Jagdvorsteher Frank Möslang und Jagdleiter Andi Sprinkart führten durch das Revier. Sie konnten vorbildlich verjüngte Weißtannenbestände vorführen, die vor der Einführung der Eigenjagd nicht vorhanden waren. Der heute 85-jährige Gustav Bühler hatte mit viel persönlichem Einsatz, auch unter Anfeindungen der traditionellen Jagdlobby, vor über 20 Jahren die Initiative zur Eigenbewirtschaftung gegeben.

Alle Anwesenden konnten von gleichen Problemen bei der Umsetzung einer an die Bedürfnisse des Waldes angepassten Jagd erzählen. „Nach anfänglichen Fehlern haben wir dazugelernt“, so Jagdleiter Sprinkart. „Das Verhältnis mit den Jagdnachbarn aus Immenstadt könnte besser nicht sein“.

Eine sehr erfolgreiche gemeinsame Drückjagd, bei der in nur zwei Stunden 17 Rehe erlegt wurden, spreche dafür. Eine Rotwildfütterung wurde aufgelöst; damit spielten seit mehreren Jahren Schäden durch Rotwild keine Rolle mehr, so Sprinkart. Viele Flächen könnten heute mit einer Förderung für Naturverjüngung von 1500 Euro pro Hektar vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert werden. Das Steigbachtal ist Projektgebiet der Bergwaldoffensive (BWO). Forstdirektor Dr. Sauter vom Landwirtschaftsamt in Kempten lobte die Eigeninitiative der Jagdgenossenschaft und der Stadt Immenstadt, die dazu beitrügen, dass der Wald die Herausforderungen der Zukunft bestehen könne. „Ohne die Hilfe einer angepassten Jagd kann das nicht funktionieren.“

Der zweite Teil der Exkursion führte in den Immenstädter Stadtwald, wo Stadtförster Gerhard Honold den städtischen Forstbetrieb und die kürzlich erfolgte Umstellung auf Eigenbewirtschaftung vorstellte. Durch gezielte Schwerpunktbejagung von forstlichen Kultur- und Naturverjüngungsflächen konnte dort der Verbiss bereits deutlich gesenkt werden. Trotzdem soll das verbleibende Wild gute Bedingungen haben. „Wir haben bewusst Ruhezonen eingerichtet, die kaum oder gar nicht bejagt werden“, so Revierjäger Josef Waibel.

Die Weißtanne sei der Gradmesser für den Zustand der Waldverjüngung. Leider sei sie bisher noch nicht in ausreichendem Maße vorhanden, betonte Honold. Dies soll sich aber zukünftig ändern. Bei den Rehen werde scharf bejagt, dies zeige der Abschuss von 101 Rehen im letzten Jahr. Die bedeute eine Erfüllung des vorgeschriebenen Abschusses von 168 Prozent. Das Rotwild konnte bereits Ende Oktober in das Wintergatter auf der Alpe Wildegund entlassen werden, weil der Abschuss auch dort schon erledigt war. Honold: „Somit hatte das Wild über sieben Monate Jagdruhe und wir haben bewiesen, dass trotzdem eine tierschutz- und waidgerechte Jagd möglich ist.“ Gemsen werden nur in Problemzonen bejagt; auch dort konnte das Soll frühzeitig erfüllt werden.

In zwei eigens ausgewiesenen Pirschbezirken jagen einheimische Jäger, die damit eine günstige Jagdgelegenheit haben. Sie stünden voll hinter den waldbaulichen Zielen, freute sich Honold.

Positives konnte Jäger Waibel vom Verkauf des Wildbrets, andernorts oft ein Problem, berichten. „Wir haben inzwischen den gesamten Abschuss unter Vertrag, mehrere Gaststätten nehmen das erlegte Wild ab.“ Der Rest geht an private Käufer.

Im Herbst soll ein Gegenbesuch im Großen Walsertal stattfinden.

gh

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