Gabi wurde nur 5 Jahre alt

»Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz«

Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz
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Gabi auf dem Aichele-Hof in Stiefenhofen.

Oberstaufen – Die Wanderausstellung »Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz« kommt nach Oberstaufen.

Die Wanderausstellung „Geliebte Gabi. Ein Mädchen aus dem Allgäu – ermordet in Auschwitz“ macht von 24. Oktober bis 14. November im Dietrich-Bonhoeffer-Gemeindehaus in Oberstaufen Station. Die Ausstellung beruht auf den Recherchen des Allgäuer Autors und Filmemachers Leo Hiemer und stellt das Schicksal der kleinen Gabriele Schwarz in den Mittelpunkt, die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurde.

Gabi wuchs auf einem Bauernhof in Stiefenhofen auf. Sie wurde nur fünf Jahre alt. Als der NS-Terror und die Repressalien gegen die jüdischen Mitbürger in Deutschland immer dramatischere Formen annahmen, brachte Gabis Mutter, Charlotte Margarete Eckart, Jüdin aus Augsburg, ihr erst wenige Wochen altes Kind bei einer Pflegefamilie im Allgäu unter. In Sicherheit, wie sie meinte.

Gabi gilt als „Volljüdin“

Auf dem kleinen Bauernhof der Familie Therese und Josef Aichele, die fünf eigene Kinder hatten, erlebte die in Marktoberdorf geborene Gabriele Schwarz, genannt Gabi, glückliche Tage. Das jedenfalls zeigen die vielen Schwarzweiß-Fotos, die eine der Aichele-Töchter schoss, nachdem Gabis Mutter bei einem ihrer vielen Besuche eine Kamera mitgebracht hatte. Gabi füttert die Hühner, Gabi steichelt Schafe, Gabi hilft bei der Heuernte... Bilder einer glücklichen Kindheit.

Aus den kleinen Fotos wurden für diese Ausstellung großformatige Drucke, die mehr als Worte aus dem kurzen, unbeschwerten Leben der kleinen Gabi berichten. Die Schattenseiten dieser schrecklichen Zeit beleuchten die schlaglichtartigen Darstellungen der Judenverfolgung in Deutschland und die verzweifelten Versuche von Gabis Mutter sich und ihre Tocher zu retten. Sie selbst war bereits zum katholischen Glauben übergetreten und hatte sich taufen lassen. Auch Gabi war nach ihrer Geburt getauft worden. Doch das half nichts. Gabi gilt den Machthabern als „Volljüdin“.

„Gabi lebt, solange wir uns an sie erinnern.“

Ende 1942 wurde Gabi aus dieser kleinen heilen Welt, in der sie behütet aufwuchs, gerissen und zunächst in ein Sammellager in Berg am Laim bei München verschleppt. Im März 1943 wurde die Fünfjährige nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Bis zuletzt hatten Therese und Josef Aichele versucht, „ihr Kind“ zurückzuholen. Vergeblich.

Geblieben sind die Erinnerung an das kleine Mädchen, ihre Kinderschuhe, ein paar Spielsachen – die Kamera und die Fotos, die in der Ausstellung zu sehen sind. Die Ausstellung schließt mit den Worten: „Gabi lebt, solange wir uns an sie erinnern.“

Zeitzeugen berichten

Zeitzeugen berichten in Videosequenzen wie sie jene Jahre in Stiefenhofen und seiner Umgebung erlebten. Der Naziterror hatte auch das „Land“ und seine Dörfer schnell im Griff. Die Ausstellung will auch anderen NS-Verfolgungsgeschichten aus der jeweiligen Region Raum geben. Menschen, die von solchen Geschichten wissen, wird Gelegenheit gegeben, dieses Wissen zu teilen. Im Rahmenprogramm der Wanderausstellung gibt es dafür ein „Erinnerungscafé“.

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