Einsamkeit in Altenheimen

Pflegeheime fordern ein Besuchsrecht für Angehörige

+
Seit Wochen gilt ein Besuchsverbot in Pflegeeinrichtungen. Die Bewohner leiden unter der Isolation.

Oberallgäu/Kempten – Die Corona-Krise hat besonders die Pflegeheime in den Fokus gerückt, da ältere Menschen zu der Risikogruppe zählen.

„Wir haben in den letzten Wochen alles unternommen, um unsere Bewohner vor einer Infektion zu schützen. Damit einher ging bekanntermaßen auch ein striktes Besuchsverbot in allen Senioreneinrichtungen,“ erklärt der Vorstand der Kommunalen Altenhilfe Bayern (KAB), Prof. Dr. Alexander Schraml, die aktuelle Situation. „Wir beobachten allerdings vermehrt, wie diese Schutzregelungen den Bewohnern zusetzen. Sie leiden darunter, dass vertraute Menschen fernbleiben müssen.“

In Gesprächen innerhalb der Genossenschaft stellte sich heraus, dass alle Mitglieder eine ähnliche Entwicklung in ihren Einrichtungen beobachten konnten. „Da das Wohl unserer Bewohner für uns alle immer im Mittelpunkt steht, haben wir beschlossen eine entsprechende Initiative zu starten,“ erläutert Schraml die Idee. Die KAB hat sich entschlossen, ein entsprechendes Ideenpapier bei Staatsministerin Melanie Huml einzureichen, um ab Mai neue Besuchsregelungen zu erwirken.

Der Verband fordert die aktuellen Regelungen wie folgt anzupassen:

  1. Der Besuch eines Pflegeheimes durch nahe Angehörige, soll einen triftigen Grund im Sinne der Ausgangsbeschränkungen darstellen.
  2. Der Besuch von Pflegeheimbewohnern soll zulässig sein, wenn er auf einem einrichtungsindividuellen Besuchskonzept beruht, dem das zuständige Gesundheitsamt zugestimmt hat.
  3. Das Besuchskonzept soll alle Erkenntnisse über das Corona-Virus berücksichtigen, sodass eine Infektion der Pflegeheimbewohner und Besucher vermieden wird.

Das Konzept soll folgenden Maßgaben beinhalten, um Besucher, Bewohner und Mitarbeiter zu schützen:

  • Menschliche (nicht körperliche) Nähe soll ermöglicht und zugleich eine Infektionsgefahr ausgeschlossen werden.
  • Besuche sind nur nach vorheriger Terminvereinbarung und nur unter Koordination eines/r Beschäftigten des Pflegeheims zulässig.
  • Der/die Besucher/in darf ausschließlich seinen nahen Angehörigen besuchen.
  • Der Kontakt mit anderen Bewohnern muss weitestgehend ausgeschlossen werden.
  • Soweit möglich, sollte der Besuch im Freien stattfinden.
  • Das Betreten des Pflegeheims durch den/die Besucher/in ist zu vermeiden.

Thomas Eigstler, Bürgermeister von Wiggensbach und Geschäftsführer des Sozialdienst Wiggensbach GmbH unterstützt die Forderungen der KAB: „Wir müssen eine gute Lösung finden, die sowohl das körperliche als auch das seelische Wohlbefinden unserer Bewohner unterstützt, denn Gesundheit ist immer ganzheitlich zu betrachten. Gerade das Wohlbefinden sollte in der letzten Lebensphase trotz Krise nicht beeinträchtigt werden“. Auch Ulli Gräf, Geschäftsführer der AllgäuPflege gGmbH, schließt sich dem Vorschlag der Kommunalen Altenhilfe Bayern an.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Es läuft ganz gut: "Lockerungen" für Hindelanger Wochenmarkt
Es läuft ganz gut: "Lockerungen" für Hindelanger Wochenmarkt
Soll das Oberallgäu weiter "Öko-Modellregion" bleiben?
Soll das Oberallgäu weiter "Öko-Modellregion" bleiben?
Flex von Baustelle in Bad Hindelang entwendet: Polizei bittet um Hinweise
Flex von Baustelle in Bad Hindelang entwendet: Polizei bittet um Hinweise

Kommentare